5. Silk Way Rallye startet in Moskau

Am 5. Juli fällt am Roten Platz in Moskau der Startschuss für die „Silk Way Rallye“. Foto: ITAR-TASS

Am 5. Juli fällt am Roten Platz in Moskau der Startschuss für die „Silk Way Rallye“. Foto: ITAR-TASS

Die „Silk Way Rallye“ wurde erstmals 2009 veranstaltet. Sie zählt gemeinsam mit der legendären „Rallye Dakar“ zu den berühmtesten Rallyes der Welt. Steigen Sie ein, Russland HEUTE nimmt Sie mit auf die Piste!

Als Anfang 2009 bekannt wurde, dass die Internationale Automobil-Föderation (FIA) die „Silk Way Rallye“ offiziell in ihren Rallye-Kalender aufgenommen hat, dachten viele, dass es sich dabei um eine einmalige Sache handeln wird. Die Erinnerungen an Russlands vorangegangene Versuche, sich in diesem Bereich zu etablieren, waren in den Köpfen Vieler noch sehr präsent.

Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre wurde in Russland die „Master-Rallye“ ins Leben gerufen, deren Strecke durch Russland und einige Nachbarländer verlief. Danach versuchte man sich mit der Rallye „Traditionale“ einen Namen zu machen, deren Start St. Petersburg und deren Ziel Peking sein sollte. Doch keines dieser Versuche stellte eine ernsthafte Alternative zu der Rallye Dakar dar, weshalb sie sich auch nicht lange halten konnten. Die „Silk Way Rallye“ hingegen, die in diesem Jahr ihr Fünfjähriges feiert, scheint auf längere Sicht Fuß gefasst zu haben.

Von der Beständigkeit der „Silk Way Rallye“ sind insbesondere jene überzeugt, die Semen Jakubow, den Initiator und Leiter der Rallye, persönlich kennen. Jakubow war derjenige, der dem russischen Automobilsport zu seinem Durchbruch verhalf. Schon in den 1980er Jahren setzte er sich bei der Firma „Kamaz“ für die Gründung eines Rennteams und die Teilnahme am der Rallye Dakar ein.

Jakubow selbst fuhr lange Zeit im Team „Kamaz-Master“ mit, wobei er die Funktion des Rennstallleiters geschickt mit der des Navigators kombinierte. In all seinen Rollen war Jakubow unübertroffen. Dank ihm konnte sich „Kamaz“ Anfang der 1990er Jahre auf Eliterallyes etablieren. Unter anderem konnte „Kamaz“ die Rallye Dakar gewinnen. In der Kategorie „Lastkraftwagen“ gibt es kein anderes Team, das mehr Siege aufweisen kann als das russische Team. Zudem ist es nur schwer vorstellbar, dass es je ein Team geben wird, dass den Rekord der „Kamaz-Master“ brechen kann.

Heute stellen die „Kamaz“-Piloten ihr Können nicht nur in der südamerikanischen Pampa unter Beweis, sondern auch in der russischen Wildnis. Dennoch lassen sich die „Rallye Dakar“ und die „Silk Way Rallye“ nicht miteinander vergleichen. Ihr Format unterscheidet sich grundlegend. Die südamerikanische Marathon-Rallye dauert drei Wochen, die russische nur eine Woche. Zudem ist die Letztere um einiges kürzer. Jedoch werden die beiden Rennen in letzter Zeit immer öfter auf eine Stufe gestellt. So merkt Semen Jakubow überaus stolz an, dass seine ausländischen Kollegen die „Silk Way Rallye“ bereits als zweites „Dakar“ bezeichnen. Auch Eurosport zeigt großes Interesse an der „Silk Way Rallye“ und überträgt sie für ein Publikum von über 100 Millionen Menschen in fast 200 Ländern.

Die Strecke der „Silk Way Rallye“ liegt traditionell südlich von Moskau. Sie führt von Moskau durch Wolgograd nach Astrachan. Auch besteht die Strecke im Vergleich zu jener aus dem Vorjahr zu 70 Prozent aus neuen Parcours. Das Hauptaugenmerk bei der Neugestaltung der Route lag darauf, den Schwierigkeitsgrad der Abschnitte zu erhöhen. So lautete die inoffizielle Devise der Rallye: „Zurück zu den Wurzeln der afrikanischen Rallyes“. Sie ist von wilden Fahrten durch Wüsten und sandiges Gelände geprägt.

Deswegen werden sich die teilnehmenden Rennfahrer gleich nach dem Start in Moskau zügig in den Süden begeben – weg vom Regen und anderen unangenehmen Überraschungen, die das Wetter in Zentralrussland mit sich bringt. „Die Rallye-Fahrer mögen keine nassen Strecken. Außerdem ist auf schmutzigen Autos die angebrachte Werbung schlecht zu sehen. Das mögen wiederum die Sponsoren nicht“, erklärt Erik Chajrullin, Pressedirektor der „Silk Way Rallye“ und Presse-Attaché des Teams „Kamaz-Master“. Auf der Route des Offroad-Rennens erwarten die Fahrer dieses Jahr auch Rundstreckenabschnitte in Wolgograd und Astrachan. Diese führen die Fahrer über hohe Sandhügel und Bachran-Dünen. Die Rundstreckenabschnitte sind derart lang und vielfältig, dass man sie kaum als solche wahrnimmt. Vielmehr stellen sie sich als lange Spezialabschnitte dar, die zufällig am gleichen Ort beginnen und enden.

Was den Schwierigkeitsgrad der heurigen „Silk Way Rallye“ anbelangt, so wird dieser von Experten als hoch bezeichnet. Sergej Talanzew, einer der Planer der Route sowie Medaillengewinner der längsten Rallye in der Geschichte, der „Peking to Paris“ Rallye 1992, beschrieb die Piste folgendermaßen: „Dieses Rennen ist nichts für Weicheier.“ Auch der berühmte Pierre Lartigue, dreifacher Dakar-Sieger und einer der Hauptplaner der russischen Strecke, glaubt, dass die „Silk Way Rallye“ dieses Jahr ein wahres Offroad-Rennen sein wird. „Es ist uns gelungen, aus der Route eine wirklich interessante Rallye zu machen, die durch alle möglichen geographischen Zonen führt. Von Steppen und hügeligem, kupiertem Gelände, wo man sich auf offene Dünen und sandigem Terrain bewegen muss, über Sandmassive bis hin zu schnellen Rollwegen im Gebirgsgelände“, merkte der dreifache Dakarsieger an.

Die Designer der Route haben des Weiteren keine Mühe gescheut, den Rennfahrern neue, interessante Eindrücke zu verschaffen. Dazu wurden extra Abschnitte ausgewählt, die durch kulturelle und historisch bedeutende Zentren führen. So wird die erste Etappe – von Moskau bis Tambow –  den Fahrern einen guten Eindruck von der russischen Landschaft ermöglichen. Die zweite Etappe führt durch jene Gegenden, in denen einst die Schlacht um Stalingrad ausgetragen wurde. In diesem Abschnitt kann man bis heute erhalten gebliebene Schützengräben und Überreste von alten Bunkern beobachten.

Die Spezialetappen um Astrachan herum machen ihren Namen „Tausendundeine Düne“ oder „Das Chasaren-Labyrinth“ – alle Ehre. Die oft menschenlosen und wüstenartigen Gebiete sind nicht nur ausländischen Sportlern fremd, sondern auch einer breiten Mehrheit der Russen.

Die Silk Way Rallye findet vom 5. Bis 13. Juli 2013 statt.

 

Die ungekürzte Fassung des Beitrags erschine zuerst bei Kommersant.

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