Formel 1 lässt in Moskau die Reifen qualmen

Foto: ITAR-TASS

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Am 20. und 21. Juli 2013 fand in Moskau das jährlich ausgetragene Moscow City Racing (MCR) statt. MCR gehört zu den weltweit größten Motorsport-Events. An der Veranstaltung nehmen auch Teams aus der Formel 1 teil.

Neben den Vertretern aus der Formel 1 nahmen am MCR-2013 auch Teams aus weniger bekannten Rennserien teil – der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM), der World Rally Championship (WRC Rallye), der Rallye Dakar oder der Seidenstraßen-Rallye.

Die spektakulärste Überraschung der diesjährigen MCR war die Bekanntgabe, dass im kommenden Jahr ein Grand Prix der Formel 1 im russischen Sotschi ausgetragen wird. Allerdings wartet man noch auf die Zusammenstellung des russischen Teams.

Prädestiniert für diese Aufgabe scheint das russisch-britische Marussia-F1-Team. Erstmals nahm Marussia 2010 als offizieller Partner des Teams Virgin Racing F1 an der Formel-1-Weltmeisterschaft teil. Später erwarb Marussia die Mehrheit der Anteile des Teams von dem britische Unternehmen Virgin Group, woraufhin das Team in Marussia Virgin Racing umbenannt wurde. Seit 2011 tritt Marussia Motors offiziell mit einer russischen Lizenz an.

Die Leistung von Marussia Motors in dieser Saison wird in vielerlei Hinsicht den Erfolg des Teams bei dem Grand Prix in Sotschi bestimmen und damit auch über die Chancen Russlands entscheiden, einen ständigen Platz im Rennkalender der Formel 1 zu erringen. Hierfür sollte ein Land neben einer angemessenen Rennstrecke auch ein konkurrenzfähiges Team vorweisen können.

Wie realistisch dieses Szenario ist, lässt sich derzeit schwer einschätzen. Unstrittig ist, dass das russisch-britische Team in der kurzen Zeit seines Bestehens das sportliche Niveau deutlich steigern konnte. „In diesem Jahr haben wir schon einen großen Schritt nach vorne gemacht, nächstes Jahr wollen wir noch weiter kommen“, erklärte Marussia-Pilot Max Chilton gegenüber Russland HEUTE. „Ich setze mich sehr für Marussia Motors ein und möchte das Team nächstes Jahr in der Nähe des zehnten Platzes sehen. Vielleicht sogar noch ein bisschen weiter oben.“

Eine der größten Herausforderungen für Marussia wird es sein, den Rennwagen zu optimieren. Nach den neuen Richtlinien müssen alle Formel-1-Wagen ab 2014 auf Turbomotoren umgestellt werden. Nach Einschätzung von Experten könnte dies eine Chance für Marussia darstellen.

Die Frage bezüglich eines russischen Piloten im Team ist nach wie vor offen. „Ich weiß, dass man einen russischen Rennfahrer sucht, aber momentan ist noch keiner in Sicht“, so Max Chilton im Gespräch mit Russland HEUTE.

Marussia Motors lieferte auf dem diesjährigen Moscow City Racing keine gute Leistung ab. Trotz eines guten Starts und der offensichtlichen hohen Qualität des Piloten machte dem Team erneut die Technik einen Strich durch die Rechnung. Auf der Moskworezkij-Brücke versagte die Technik des Rennwagens von Max Chilton ohne Vorwarnung.

Der sonntägliche Dauerregen war die Ursache für einen weiteren schweren Unfall. Auf der nassen Fahrbahn verlor der japanische Pilot des Scuderia Ferrari, Kamui Kobayashi, auf der Kremljowskaja Nabereschnaja die Kontrolle über sein Fahrzeug. Sein Rennwagen raste mit hoher Geschwindigkeit in die Absperrung der Rennbahn. Infolge des rasanten Aufpralls verlor der Wagen sein rechtes Vorderrad. Der Pilot blieb unverletzt, obwohl das gelöste Rad nur wenige Zentimeter über seinen Kopf hinweg schoss.

Großer Respekt gebührt der Ausdauer und der Selbstbeherrschung von Kamui Kobayashi, der nur wenige Minuten nach dem Unfall erklärte, er werde das Rennen mit dem Ersatz-Rennwagen fortsetzen. Der japanische Pilot hielt sein Versprechen und beendete das Rennen ohne weitere Zwischenfälle. 

Einen sehr positiven Eindruck bei dem Moscow City Racing machten die DTM-Stars. Die Auftritte der Rennfahrer zeichneten sich allerdings nicht nur durch sagenhafte Geschwindigkeiten aus. Vor den Augen der Fans hinterließen sie auch zahlreiche Reifenspuren auf dem Asphalt. Das DTM-AudiSport-Team Abt Sportsline wurde durch Mike Rockenfeller vertreten. Das BMW-Team RMG durch Andy Prieaulx und das AMG-Mercedes-Team durch Ralf Schumacher und den Russen Witalij Petrow.

Der berühmte russische Rennfahrer erfreute die Zuschauer nicht nur durch die präzise Steuerung des DTM-Boliden. Witalij Petrow präsentierte auf dem MCR-2013 das lang erwartete Modell Ё-Mobile des russischen Autoherstellers C-АVTO. Hinter dem Steuer des mit Allradantrieb ausgestatteten Ё-Crossovers brauste Petrow die Rennbahn des Moscow City Racing entlang. Auf die Frage nach seiner Rückkehr in die Formel 1 antwortete Petrow optimistisch, er verhandle mit verschiedenen Teams des höchsten Levels. „Ich habe sozusagen schon einige Anfragen in der Hand, die darauf hindeuten, dass man mich unter Vertrag nehmen will“, erklärte der russische Rennfahrer.

Eine weitere Attraktion des MCR-2013 war der Rennlaster КamАZ vom Team КаmАZ-Маster, einem vielfachen Sieger berühmter Marathonrallyes. Den schweren Wagen steuerte Eduard Nikolajew. Wie dieser ironisch anmerkte, fühle er sich auf der Kreml-Rennbahn, ganz ohne Unwegsamkeiten und Hindernisse, ein wenig fremd.