Olympische Trends bei den World Games

Während der Wasserski-Meisterschaft bei den World Games in Cali. Foto: Pressebild

Während der Wasserski-Meisterschaft bei den World Games in Cali. Foto: Pressebild

Am 25. Juli wurden in Cali (Kolumbien) die World Games eröffnet. Die teilnehmenden Disziplinen wie Softball, Wushu oder Rollsport sind heute noch exotisch, könnten aber eines Tages olympisch werden. Die russische Mannschaft erhofft sich ähnlich viele Medaillen wie vor vier Jahren.

Nach der für die russischen Sportler sehr erfolgreichen Universiade in Kasan mit dem ersten Platz im Medaillenspiegel und 155 Goldmedaillen stehen die Chancen der russischen Delegation gut, bei den neunten World Games vom 25. Juli bis 4. August im kolumbischen Cali ebenfalls mit ihren Leistungen zu beeindrucken. Das Programm der Wettkämpfe umfasst auch Sportarten, die nicht zum olympischen Kanon gehören.

Die Wettkämpfe sind für den Weltsport ein sehr wichtiges Ereignis, glaubt Gennadi Aleschin, Ehrenmitglied des Weltschwimmverbands FINA, der an der Organisation der World Games beteiligt ist. „Nicht alle jungen Leute wollen Fußball spielen, schwimmen oder Leichtathletik betreiben", so Aleschin in einem Gespräch mit Russland HEUTE. „Viele Sporttalente widmen sich anderen, weniger populären Sportarten, zum Beispiel Squash oder Orientierungslauf. Sportler, die in diesen Disziplinen wirklich gut sein wollen, sind auch auf Wettkämpfe angewiesen und zwar auf internationalem Niveau. Jahr für Jahr wird die Liste der World-Games-Sportarten länger. Viele Disziplinen probt das IOC auf den World Games, um sie danach in das Olympiaprogramm aufzunehmen. Das jüngste Beispiel dafür ist das 7er-Rugby, das in Rio de Janeiro bereits vertreten sein wird."

Außer 7er-Rugby haben bereits Badminton (1992), Baseball (1992 bis 2008), das 2020 wieder bei den Olympischen Spielen dabei sein könnte, Beach-Volleyball (1996), Trampolinturnen (2000), Gewichtheben (Damen, 2000) und Taekwondo (2000) den Sprung von den World Games in das Programm der Olympischen Spiele geschafft.

Olga Iwanowa, die im Jahr 2013 die erste Goldmedaille für Russland bei den Taekwando-Weltmeisterschaften gewann, meint, dass jede der auf den World Games vertretenen Sportarten zu den Olympischen Spielen aufsteigen könne: „Meine Disziplin hat lange darum gekämpft, über die World Games zu den Olympischen Spielen zu kommen. Schließlich hat sie dieses Ziel erreicht", sagte Iwanowa gegenüber Russland HEUTE. „Jetzt kann man sich die Spiele ohne Taekwondo schon nicht mehr vorstellen. Das Gleiche könnte in zehn oder fünfzehn Jahren auf den Tanzsport zutreffen. Die World Games sind sehr publikumswirksame Wettkämpfe, die Viele sehr gerne verfolgen. Es bilden sich hier bestimmte Trends heraus, die den Sport der Zukunft prägen."

Die World Games werden seit 1981 alle vier Jahre unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees ausgetragen. Anfangs umfasste das Programm nur 18 Sportarten, mit der Zeit aber wurde die Liste der Disziplinen erheblich länger. Auf den neunten World Games werden die Teilnehmer in 31 Wettkampfsportarten gegeneinander antreten – unter anderem Tanzsport, Karate, Sumo, Beach-Handball, Billard, Kraftdreikampf, Bowling, Sportakrobatik und Tauziehen –, in noch weiteren fünf – Duathlon, Softball, Wushu, Rollsport und dem Kanumarathon – stehen Schauwettkämpfe auf dem Programm, in denen keine Medaillen vergeben werden.

Die gesamten Wettkämpfe werden in nur elf Tagen ausgetragen, Russland ist hierbei mit 149 Sportlern vertreten. Gennadi Aleschin glaubt, dass die russische Mannschaft in Cali nicht schlechter abschneiden werde als bei den vergangenen World Games vor vier Jahren in Taiwan: „Die russische Mannschaft ist sehr stark und gehört insgesamt zu den Favoriten", so Aleschin. „Zu den klaren Gold-Anwärtern gehören unsere rhythmischen Sportgymnastinnen Jelisaweta Nasarenko und Anna Trubnikowa, Pawel

Kabanow und Dmitri Kokorew im Flossenschwimmen sowie alle russischen Tänzer und Sumo-Kämpfer. Ich hoffe auf einen großen Erfolg. Wir bringen alle Voraussetzungen mit, nicht nur das Ergebnis der World Games vor vier Jahren zu wiederholen, sondern auch mit einer größeren Zahl an Medaillen nach Russland zurückzukehren."

Vor vier Jahren glänzte die russische Mannschaft mit außerordentlichen Leistungen. Es übertraf alle übrigen Mannschaften sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl der Auszeichnungen (47) als auch hinsichtlich der Anzahl der Goldmedaillen (18). In diesem Jahr haben nach den bisherigen drei Wettkampftagen die Russen sieben Mal Gold, neun Mal Silber und sechs Bronzemedaillen gewonnen. Im Medaillenspiegel steht Russland derzeit auf Platz vier. Italien ist Spitzenreiter (10-11-11), den zweiten Platz belegt Frankreich (10-4-7), den dritten Deutschland (9-4-4) und an fünfter Stelle folgen die Japaner (5-0-3). Was die Gesamtzahl an Auszeichnungen betrifft, stellt Russland die zweitbeste Mannschaft (22) nach den Italienern (32) und vor Frankreich (21).

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