Leichtathletik-WM in Moskau: Fest der Emotionen

Trotz Blitzen und strömenden Regens ließ Usain Bolt seinen Gegnern in Moskau keine Chance. Foto: ITAR-TASS

Trotz Blitzen und strömenden Regens ließ Usain Bolt seinen Gegnern in Moskau keine Chance. Foto: ITAR-TASS

Der Abschiedssprung Jelena Issinbajewas, Usain Bolts Lauf im Regen, der Zieleinlauf Jelena Laschmanowas und andere beeindruckende Momente der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in einem Rückblick.

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Moskau ist vorbei, und die Nationalmannschaft Russlands kann sich über sieben Goldmedaillen und den ersten Platz in der Gesamtwertung freuen – ein Ergebnis, das der Nationalmannschaft zuletzt bei der Weltmeisterschaft 2001 in Edmonton vergönnt war. Der Moskauer Wettbewerb blieb aber nicht nur als ein Kampf um Medaillen, sondern auch mit einer ganzen Reihe bemerkenswerter Momente und Emotionen in Erinnerung: grenzenlose Freude, tiefer Schmerz, bittere Enttäuschung und ein Meer aus Tränen.

 

Bolt – schneller als der Blitz

Von Usain Bolt, dem schnellsten Menschen der Welt, wurde in Moskau natürlich ein Sieg erwartet. Und der jamaikanische Sprinter enttäuschte die russischen Zuschauer nicht: Den Sieg über 100 Meter konnten ihm weder die Konkurrenten noch das Wetter nehmen. Trotz Blitzen und strömenden Regens ließ Bolt seinen Gegnern keine Chance. Der Läufer aus der Karibik siegte ebenso auf seiner Lieblingsstrecke über 200 Meter und bedankte sich bei dem Moskauer Publikum zum Abschied auf besondere Weise – er tanzte einen Kasatschok.

Bolt verlässt Moskau als achtfacher Weltmeister und seine Pläne für die Zukunft sind nicht weniger ambitioniert als seine bisherigen Errungenschaften: „Ich zähle meine Medaille nicht, ich versuche einfach nur das zu machen, was noch niemand geschafft hat. Deshalb möchte ich auch in Rio antreten und wieder Olympiasieger werden. Ich hatte einen Traum: Ich wollte eine Legende werden. Ich habe mir meinen Traum bei den Olympischen Spielen in London verwirklicht. Ich möchte unbesiegt sein bei allen Wettbewerben!"

 

Den Absprung geschafft

Foto: Michail Sinitsyn/Rossijskaja Gaseta

Jelena Issinbajewa hat ihren 28. Weltrekord nicht aufgestellt, doch auch so

hat sie – das lässt sich ohne Übertreibung sagen – die Moskauer Zuschauer mit ihrem Sprung über 4,89 Meter in Ekstase versetzt. Der Sieg in der russischen Hauptstadt war für die russische Stabhochspringerin der krönende Abschluss einer herausragenden Karriere. „Ich wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Und ich habe eine würdige Leistung gebracht und die Goldmedaille gewonnen. Falls es mir nicht gelingen sollte, in den aktiven Sport zurückzukehren, werde ich jetzt wenigstens wissen, dass ich würdig abgetreten bin. Dieser Sieg ist der wertvollste in meiner Karriere."

 

Tränen im Überfluss nach Sieg in der Heimat

Foto: AP

Der Sieg der russischen Frauenmannschaft im 4х400-Meter-Staffellauf war lange überfällig, deshalb konnten die Sportlerinnen nach dem Zieleinlauf ihre Gefühle nicht zurückhalten. Der Schlussläuferin des russischen Quartetts Antonina Kriwoschapka rannen die Tränen über das Gesicht, als sie vor die Journalisten trat: „Die letzten Jahre waren wir immer die Zweiten oder Dritten und wir wollten endlich einmal siegen. Bis zum heutigen Tag habe ich so oft an Staffelläufen teilgenommen, stand auf dem Siegerpodest und musste mir eine fremde Nationalhymne anhören. Und heute endlich habe ich unsere Hymne gehört, noch dazu im heimischen Stadion mit einer solch fantastischen Unterstützung durch das Publikum. Da sind die Tränen einfach geflossen."

 

Drama mit Happy End

Foto: Michail Sinitsyn/Rossijskaja Gaseta

Jelena Laschmanowa, Olympiasiegerin von London, hätte sich wegen eines Missverständnisses fast selbst um ihre Goldmedaille im 20-Kilometer-Gehen gebracht. Sie lief ins Stadion ein, die 100-Meter-Bahn entlang und hielt an – bis zum Zieleinlauf war es allerdings noch eine ganze Runde! Zum Glück wurde die Sportlerin rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Distanz noch nicht bewältigt hatte, und so wurde das Drama am Ende nicht zu einer Tragödie.

 

 

 

 

Tänze und entblößte Oberkörper

Foto: Reuters

In Moskau ließen viele Athleten ihren Emotionen freien Lauf. Der Deutsche Robert Harting, Gewinner im Diskuswerfen, zerriss gleich nach dem Sieg sein Trikot. Das wird langsam zu einem ein Markenzeichen von ihm, denn es war bei Weitem nicht das erste Mal. Ein anderer Gewinner hingegen zog lieber etwas an: Ezekiel Kemboi hüllte sich nach seinem Triumph im Hindernislaufen in die Flagge Kenias und führte einen Nationaltanz auf.

 

Die Stunde der Außenseiter

Foto: Michail Sinitsyn/Rossijskaja Gaseta

Die Weltmeisterschaft in Moskau wurde für viele Favoriten zu einem wahren Alptraum. Eine ganze Reihe an Olympiasiegern aus London konnte ihre guten Ergebnisse nicht wiederholen. Das Publikum wurde aber trotz der schmerzlichen Misserfolge mit überraschenden Erfolgen von Außenseitern unterhalten.

Eine dieser kleinen Sensationen war der Sieg des Weitspringers Alexander Menkow. Der 22-jährige Sportler aus Krasnojarsk wurde mit seinem Sprung über 8,56 Meter nicht nur Weltmeister, sondern stellte auch gleich zweimal den russischen Landesrekord ein. Jetzt denkt er darüber nach, den Weltrekord in Angriff zu nehmen: „Der letzte, leider ungültige Versuch ging heute sehr weit, aber ich war emotional einfach zu aufgeladen, hatte so viel Adrenalin im Blut, dass ich ein wenig übergetreten bin. Ich bin jedoch sicher, dass mir eines Tages der ideale Sprung gelingen wird, und der wird dann sehr nahe am Weltrekord sein!"