Formel 1: Sauber holt Sirotkin ins Team

Der 18-jährige Sergej Sirotkin fährt ab der kommenden Saison bei dem Sauber-Team in der Formel 1 mit. Foto: ITAR-TASS

Der 18-jährige Sergej Sirotkin fährt ab der kommenden Saison bei dem Sauber-Team in der Formel 1 mit. Foto: ITAR-TASS

Der 18-jährige Moskauer Sergej Sirotkin unterzeichnete einen Vertrag mit dem schweizerischen Sauber-Team. Ab der kommenden Saison fährt er als Testpilot in der Formel 1 mit.

Nach dem Fortgang Witali Petrows von Caterham Ende der Saison 2012 musste Russland nicht sehr lange auf einen Vertreter in der „Königsklasse des Rennensports" verzichten. Ab der neuen Saison wird der Russe Sergej Sirotkin für das schweizerische Sauber-Team antreten.

In Russland wächst gegenwärtig eine ganze Generation junger und vielversprechender Rennfahrer heran. Viele haben den Durchbruch des 19-jährigen Daniil Kwjat erwartet, der sich seine Sporen in der GP3-Serie für das Nachwuchsteam des Formel 1-Giganten Red Bull MW Arden verdient hat. Der junge Rennfahrer, der aus Ufa stammt und mittlerweile in Rom lebt, galt bis zuletzt als Hauptanwärter auf den Platz des Testpiloten beim Team Red Bull Racing, für das auch der dreifache Weltmeister Sebastian Vettel fährt. Das Team entschied sich jedoch für erfahrenere Piloten.

Eine gewisse Hoffnung machten die russischen Rennsport-Liebhaber sich in Bezug auf die Rennfahrer der Formel Renault Daniil Mowé und Michail Aleschin. Die Piloten konnten jedoch keine entsprechenden Sponsoren finden und setzten das Engagement in ihrer Serie fort.

 

Finanzielle Probleme öffnen Sirotkin die Tür

Auf vollkommen andere Weise gestaltete sich das Schicksal bei dem 17-jährigen Sergej Sirotkin. Das Formel 1-Team von Sauber unterzeichnete Mitte August einen Sponsoringvertrag mit dem russischen Nationalen Institut für Luftfahrttechnologie, und schon am 23. August wurde offiziell bekannt gegeben, dass Sergej Sirotkin der neue Testpilot des Teams sein werde. Diese Schicksalsfügung lässt sich jedoch ganz einfach erklären: Der Generaldirektor des russischen Unternehmens Oleg Sirotkin ist der Vater des Rennfahrers, und die Übernahme Sergejs war eine wesentliche Klausel bei der Unterzeichnung des Sponsorenvertrags.

Das Nationale Institut für Luftfahrttechnologie hat sich im Gegenzug dazu verpflichtet, in der folgenden Saison bei russischen Investoren für den Rennfahrer und seinen Boliden zwischen 20 und 30 Millionen Euro einzuwerben. Es ist kein Geheimnis, dass es bei Sauber ernsthafte finanzielle Probleme gibt und die Akquisition von Sponsoren aus Russland dem Team helfen könnte. Man sollte jedoch nicht glauben, dass der Einstieg Sirotkins in die „Königsklasse des Rennsports" ausschließlich mit der Position seines Vaters zu tun hat.

 

Sirotkin war bereits in kleineren Rennserien erfolgreich

Sergej Sirotkin begann sich als Zwölfjähriger für den Kartsport zu begeistern und debütierte mit 15 Jahren bereits bei Formel-Rennen, nachdem er einen Vertrag mit dem Team Jenzer Motorsport abgeschlossen hatte und in der ersten Saison der italienischen Rennserie der Formel Abart teilnahm. In seinem ersten Rennen, das er auf der Rennstrecke Vallelunga absolvierte, gelangte er bereits in die Punktezone. Bei den weiteren Rennen im Laufe der Saison konnte Sirotkin weitere vier Mal Punkte erzielen und belegte am Ende den 18. Platz.

In der folgenden Saison setzte Sirotkin sein Engagement in der Formel Abart für sein altes Team fort, wechselte jedoch vor dem Rennen in Spa zu Euronova Racing. Seit 2011 wurden im Rahmen der Formel Abart zwei Weltmeisterschaften mit Sonderwertungen durchgeführt: die europäische und die italienische. Mit fünf Siegen bei 14 Rennen errang Sergej Sirotkin den Meistertitel der Euroserie in der Formel Abart.

Im Jahr 2012 wechselte Sirotkin zu Auto GP, wobei er seine Zusammenarbeit mit Euronova Racing fortsetzte. Bei der ersten Etappe, die in Monza veranstaltet wurde, qualifizierte er sich als Zweiter und musste lediglich Adrian Quaife-Hobbs mit 0,04 Sekunden Rückstand den Vortritt

lassen. Wegen eines unglücklichen Starts kam Sirotkin in seinem ersten Rennen nur als 14. ins Ziel, konnte aber bereits im nächsten Rennen der Etappe den vierten Platz belegen. Bei beiden Rennen wies er jedoch die besten Rundenzeiten auf. In Valencia musste er sich nach der Qualifikation wieder mit einem Startplatz hinter Quaife-Hobbs zufriedengeben, vermochte es jedoch, diesen während des Rennens zu überholen, und wurde dadurch zum jüngsten Sieger in der Geschichte der Auto GP.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Sergej Sirotkin 2012 parallel zu den mit Rennender Auto GP auch noch an der italienischen Weltmeisterschaft der Formel 3 teilnahm und dort ein beeindruckendes Ergebnis erzielte.

 

Möglicherweise einmalige Chance für den jungen Russen

„Die Einladung von Sauber kam für mich vollkommen unerwartet", erzählte Sirotkin. „Alles sah danach aus, dass ich noch eine Saison in der Weltserie verbringen werde, aber dann ergab sich plötzlich die Gelegenheit, dass die Saison noch nicht abgeschlossen ist, ich aber bereits Erfahrungen in der Formel 1 sammeln kann. Spezialisten und Profi-Rennfahrer glauben, dass es für mich noch zu früh ist, in der Formel 1 mitzufahren. Ich will das gar nicht in Frage stellen, aber im nächsten Jahr bekomme ich solche Chance vielleicht wieder. Ich habe mir diese Möglichkeit nicht entgehen lassen, sonst hätte ich das vielleicht mein ganzes Leben lang bereut."

Nikolai Fomenko, der Präsident des Marussia-F1-Teams, des einzigen russischen Rennstalls in der Formel 1, gratulierte dem russischen Piloten.

„Sergej ist ein sehr talentierter Rennfahrer, der in der Formel 1 eine deutliche Leistungssteigerung erzielen kann", sagte Fomenko gegenüber Russland HEUTE. „Ich habe seine Karriere aufmerksam verfolgt und kann sagen, dass bereits ein offensichtlicher Fortschritt zu beobachten ist. Natürlich ist vollkommen klar, dass Sirotkin lediglich Testpilot sein wird, aber erstens wird er den Geist der Formel 1 verspüren und zweitens wird ihm möglicherweise die Chance geboten werden, an einem Rennen teilzunehmen. Es kommt schließlich nicht selten vor, dass die Testpiloten im Laufe der Saison die Position der Stammfahrer übernehmen. Es wird interessant sein, seine Erfolge in Zukunft zu verfolgen."

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