Beachsoccer: Russland erneut Weltmeister

Mit zwei Weltmeistertiteln in Folge bricht die russische Mannschaft erfolgreich die brasilianische Dominanz. Foto: Alamy/Legion Media

Mit zwei Weltmeistertiteln in Folge bricht die russische Mannschaft erfolgreich die brasilianische Dominanz. Foto: Alamy/Legion Media

Die russische Mannschaft unter Leitung von Trainer Michail Lichatschew hat den Weltmeistertitel im Beachsoccer erfolgreich verteidigt und krönt sich zwei Jahre nach dem Erfolg in Italien auch auf Tahiti zum Sieger.

Beachsoccer-Weltmeisterschaften werden schon seit über 20 Jahren ausgetragen. Das erste Turnier fand 1995 statt. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis die Wettkämpfe den Status eines von der Internationalen Föderation des Verbandsfußballs (FIFA) anerkannten Turniers erlangten. Alles änderte sich 2005, als die FIFA den Beachsoccer in ihre Organisation aufnahm und den ersten World-Cup, wie das Turnier dann genannt wurde, organisierte. Der neue Titel änderte in der ersten Zeit jedoch nichts an dem Kräfteverhältnis der Teilnehmer – wie auch zuvor waren die brasilianischen Fußballer außer Konkurrenz.

2009 fiel die Entscheidung, die Turniere nicht jährlich, sondern alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Die letzte Weltmeisterschaft fiel somit in das Jahr 2011. Aus diesem Turnier ging das russische Team erstmals als Sieger hervor, nachdem es sich im Finale gegen die brasilianische Mannschaft durchgesetzt hatte.

 

Russisches Team von Anfang an siegessicher

Um die diesjährige Meisterschaft wurde auf Tahiti gekämpft. Wie der Kapitän der russischen Mannschaft Ilja Leonow bemerkte, war sein Team mit der Gewissheit angereist, seinen vor zwei Jahren in Italien errungenen Titel verteidigen zu können. „Diese Sicherheit verdanken wir wahrscheinlich unserem Sieg im Euro-Beachsoccer-Cup in diesem Jahr. Der gab uns die Gewissheit, dass wir die stärkste Mannschaft unseres Kontinents sind und es auf der Welt nicht mehr so viele Herausforderer gibt, die mit uns auf Augenhöhe um den Weltmeistertitel kämpfen können", sagte Leonow.

Diese Einschätzung des Kapitäns sollte sich bewahrheiten – auch wenn er persönlich um seine Position im Turnier hart kämpfen musste. Direkt im ersten Spiel gegen die japanische Mannschaft zog Leonow sich eine Verletzung zu. Man ging davon aus, dass er nicht aufs Feld zurückkehren würde. Er spielte aber trotzdem weiter. Vermutlich mit einer ansehnlichen Dosis Schmerzmittel, vor allem aber auch mit einem ungebremsten Spielwillen trat er im Halbfinale gegen den Iran an, welches Russland mit 6:5 für sich entscheiden konnte. Sogar im Finale konnte ihn seine Verletzung nicht aufhalten, als man gegen die Spanier antrat.

Aus Sicht der Russen brachte das Spiel gegen die iranische Mannschaft die entscheidende Wendung. „Allein deshalb, weil wir es danach psychologisch leichter hatten. Der Eintritt ins Halbfinale bedeutet schließlich, dass deine Mannschaft unter den letzten Vier ist, du konkret um eine Medaille kämpfst und das Minimalziel schon fast erreicht hast", sagte Ilja Leonow.

 

Das Erreichen des Halbfinales setzt neue Kräfte frei

Nachdem der psychische Druck abgefallen war, legte das Team von Michail Lichatschew ein wahres Weltklassespiel hin. Die Spanier konnten sich gegenüber den Russen im Grunde nur in der ersten Spielperiode behaupten. In der zweiten schoss die russische Mannschaft innerhalb von fünf Minuten drei Tore. Die Spanier konnten dieser Offensive nichts entgegensetzen und auch selbst nur ein Tor erzielen. Dabei blieb es allerdings. In der dritten Periode traf Russland das gegnerische Tor weitere zwei Mal.

„Im Finalspiel gegen Spanien ist uns alles gelungen, was wir uns vorgenommen haben – sowohl in der Offensive als auch in der Verteidigung", sagte der Torhüter des russischen Teams Andrej Buchlizkij

in einem Gespräch mit der Zeitung Gazeta.ru. „Wir hielten uns strikt an die Anweisungen unseres Trainers für dieses Spiel und wurden mit einem großen Erfolg belohnt. Wir konnten den Spaniern ein ordentliches Spieltempo aufzwingen, und die waren diesem Druck nicht gewachsen."

Buchlizkij zweifelt nicht daran, dass seine Mannschaft jeden Gegner geschlagen hätte, so auch die Brasilianer. Diese waren jedoch bereits im Halbfinale überraschend gegen die Spanier ausgeschieden. „Wenn wir gegen die Brasilianer angetreten wären, dann hätten wir uns auch durchgesetzt. Das ist kein wichtigtuerisches Gerede. Wir haben nicht erst einmal bewiesen, dass das brasilianische Team auch nur eine Mannschaft wie jede andere ist und kein unbesiegbarer Gegner. Die Spanier haben das auch gezeigt, indem sie sich als überlegenes Team im Turnier gegenüber Brasilien behaupteten."

Nikolai Pasarew, früher Spieler bei Spartak Moskau und von 2005 bis 2010 Trainer der russischen Beachsoccer-Mannschaft, glaubte fest an den russischen Sieg: „Das ist ein großer Erfolg für den ganzen russischen Fußball. Einen Weltmeistertitel zu verteidigen ist bedeutend schwerer, als ihn erstmals zu erringen. Vor allem, da das Turnier auf Tahiti ausgetragen wurde, also unter besonderen klimatischen Bedingungen", erklärte der aktuelle Trainer der russischen U-21-Fußballmannschaft in einem Gespräch mit der Zeitung Iswestija.

„Den Einzug ins Finale musste sich das Team hart erkämpfen. Ein sehr knapper Viertelfinalsieg gegen Iran (6:5), ein einsatzstarker Sieg gegen Tahiti (5:3). Als man jedoch ins Finale einzog, wusste ich, dass wir gegen Spanien gewinnen würden. Unsere Gegner hatten sich sehr im Halbfinalspiel gegen die Brasilianer verausgabt. Es war abzusehen, dass sie physisch und psychisch den russischen Herausforderern nichts entgegenzusetzen haben werden."

 

Schischin mit elf Treffern WM-Torschützenkönig

Der beste Torjäger der Endrunde war Dmitri Schischin, Stürmer der russischen Mannschaft. Er erzielte elf Tore. Nach dem Finalspiel konnte der

Held des Turniers seine Gefühle nicht mehr zurückhalten. „Ich bin sehr glücklich über unseren Erfolg", sagte Schischin dem Sportportal championat.com. „Wir haben allen gezeigt, dass wir die letzte Weltmeisterschaft verdient gewonnen haben. Wir haben es der ganzen Welt klargemacht, dass wir die Besten sind. Die Gefühle sind so stark, dass es kaum möglich ist, überhaupt zu reden. Man möchte nur dauernd wiederholen: Wir sind glücklich!"

Derzeit sei Schischin der beste Beachsoccer-Spieler der Welt, meint Pisarew. „Dmitri hat während des gesamten Turniers hervorragend gespielt und in jedem Spiel die entscheidenden Bälle verwandelt", so Pisarew. „Er ist heute der beste Spieler der Welt."