Die Freiwilligen von Sotschi: 5 Geschichten

Foto: RIA Novosti

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Fünf freiwillige Helfer erzählen von ihrer Motivation, bei den Olympischen Spielen in Sotschi unentgeltlich mitzuarbeiten.

Anton Wolochow, Kurier

Anton arbeitet eigentlich als Kurier. Es gibt zurzeit aber noch eine andere wichtige Aufgabe in seinem Leben: Er ist Teamleiter – unter seinem Kommando steht das Team der Freiwilligen.

„Ich arbeite gern als Freiwilliger und bekomme dadurch, dass ich anderen helfe, eine Menge Erfahrung. Ich werde in Moskau bleiben und Freiwillige aus anderen Ländern am Flughafen Wnukowo in Empfang nehmen. Wir werden ihnen bei der Pass- und Zollkontrolle behilflich sein als auch bei sonstigen Problemen, zum Beispiel mit dem Gepäck.

Durch meine Mitarbeit bei den Olympischen Spielen in Sotschi sammle ich

Erfahrungen bei der Durchführung von Großveranstaltungen. Ich mache neue Bekanntschaften und schließe Freundschaften. Und meine Sprachkenntnisse kann ich dadurch verbessern. Ja, und mit Sportlern und Trainern zu tun zu haben, ist auch interessant. Du erfährst, was in anderen Ländern passiert, wie sie dort leben. Wir werden sie ja in Empfang nehmen und sie haben zwei, drei Stunden Zeit bis zum Weiterflug. Wir werden mit ihnen zusammensitzen und uns unterhalten, um die Zeit zu verkürzen. Und wenn sie uns fragen, warum wir das machen, werden wir antworten: Es macht uns einfach Spaß."

Aljona Krawzowa, Studentin

Aljona aus Orenburg studiert an der Moskauer Lomonossow-Universität Molekularbiologie. Eiweißmodellierung, DNA-Screening, Entwicklung neuer Antibiotika – das ist ihre Zukunft.

„Es ist super bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, noch dazu in Russland. Das ist eine sehr seltene Gelegenheit. Ich werde zu den Paralympics fahren. Ich soll nur die Akkreditierungen von jedem, der in die Eisarena hineinwill, überprüfen. Sehr praktisch ist, dass man während der Arbeitszeit Eishockey anschauen und die Sportler kennenlernen kann.

Wenn man im Sportbusiness tätig werden will, dann ist Olympia eine großartige Gelegenheit, wichtige Kontakte zu knüpfen. Bei den Testwettkämpfen für die Paralympics konnte ein junger Mann den Vorsitzenden des Internationalen Paralympischen Komitees kennenlernen und wurde gleich eingeladen, in der Schweiz zu arbeiten."

Anna Karelowa, Doktorandin

 Anna schreibt gerade ihre Dissertation über die Motivation von Freiwilligen, außerdem leitet sie Meisterklassen bei der Bemalung von Matrjoschkas.

"Für mich ist das Wichtigste der Umgang mit den Menschen. Ich arbeite im Zentrum für die Entwicklung der Freiwilligenarbeit in Moskau und habe bei

vielen sozialen und sportlichen Großveranstaltungen mitgeholfen. Und da habe ich beschlossen, dass ich so ein wichtiges Ereignis wie die Olympischen Spiele in Sotschi auf keinen Fall verpassen darf. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich das Schulungsprogramm für die Freiwilligen schreiben, die am Bahnhof die Delegationen aus Polen und Weißrussland abholen. Ich stelle mir vor, wie ich irgendwann einmal meinen Kindern erzählen werde, dass ich freiwillige Helferin bei Olympia war und ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt, dass meine Kinder dann stolz auf mich sein werden."

 

Lilija Samambetowa, Studentin

 Lilija studiert Linguistik und spricht drei Sprachen. Mit der Linguistik kombiniert sie seit Längerem eine intensive Freiwilligenarbeit im Sportbereich: bei den Testwettkämpfen in Sotschi, der Universiade in Kasan, dem Rugby World Cup in Moskau, der Leichtathletik-Weltmeisterschaft und beim olympischen Fackellauf in Moskau.

„Ich fahre zum Snowboarden nach Sotschi, in den ‚Extreme Park' von Rosa Chutor. Ich habe eine Betreuerfunktion bei den Veranstaltungen: Zuschauerbetreuung, Hilfe beim Einlass, Ticketkontrolle. Mich interessiert in erster Linie die Atmosphäre, weil es sich um ein Ereignis von Weltrang handelt. Obendrein sammelt man Erfahrungen in der Teamarbeit. Ich glaube, wenn die Leute für Geld arbeiten würden, wäre die Hingabe nicht so groß. Und die Stimmung wäre eine ganz andere. Zieht man einen Vergleich mit der Freiwilligenarbeit im Ausland, dann waren bei den Olympischen Spielen in London hauptsächlich Freiwillige fortgeschrittenen Alters dabei. Aber bei uns in Russland sind es 80 Prozent junge Leute zwischen 18 und 23 Jahren. Das spricht dafür, dass unserer Generation nicht alles egal ist."


Alexandra Gupal, Studentin

Alexandra war bei der Universiade in Kasan dabei, zweimal bei den Testwettkämpfen in Sotschi und jetzt fährt sie zu den Olympischen und Paralympischen Spielen. Sie hat Glück, denn die Freiwilligenarbeit bei

Olympia zählt als Praktikum. Alexandra studiert die Fachrichtung „Organisation von Jugendarbeit".

„Ich versuche immer, bei den Sachen, die ich mache, Position zu beziehen. Ich besuche Kinderheime, spende Blut, helfe alten Leuten. Das ist meine Entscheidung, meine Politik. Vor ungefähr zwei Jahren hat man mir angeboten, zu den Testwettkämpfen nach Sotschi zu fahren. Mir haben die Atmosphäre und die Leute gefallen. Ich glaube, Freiwillige fördern das Ansehen ihres Landes. Die Freiwilligen sind diejenigen, die die Olympia-Gäste als erste zu Gesicht bekommen und deshalb hängt viel von ihnen ab. Gerade sie können unser Land von der besten Seite zeigen: Die Russen sind nett und gastfreundlich und empfangen ihre Gäste mit einem Lächeln."

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russkij Reporter.

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