Russische Riesen sponsern Welt des Sports

In den ersten fünf Jahren des Vertrags zahlte Gazprom 100 Millionen Euro an FC Schalke. Foto: AP

In den ersten fünf Jahren des Vertrags zahlte Gazprom 100 Millionen Euro an FC Schalke. Foto: AP

Was haben Gazprom, Lukoil, Kaspersky Lab und Aeroflot gemeinsam? Sie sind alle Hauptsponsoren von großen Sportclubs, die sie mit Millionen fördern. Die Fans danken es ihnen.

In der Formel-1 ist ein neuer russischer Sponsor zu sehen. Die Gesellschaft YotaPhone, die das gleichnamige Smartphone herstellt, ist zu einem Partner der britischen Mannschaft Lotus geworden. Der Deal klingt nur konsequent, denn in dieser Saison wird in Russland zum ersten Mal der Grand Prix des Königsrennens stattfinden, genauer gesagt in Sotschi. Der Umfang des Sponsoring-Pakets wurde weder von der Mannschaft noch von dem Unternehmen bekannt gegeben, doch nach unbestätigten Angaben beläuft er sich auf knapp sieben Millionen Euro. YotaPhone ist allerdings bei Weitem nicht die erste russische Firma, die Sportmannschaften im Ausland sponsert.

 

Gazprom – FC Schalke

Der gesamte Nahverkehr von Gelsenkirchen ist mit den Logos von Gazprom und den Porträts der Fußballer des hiesigen Fußballclubs Schalke 04 beklebt. Diese Entscheidung ist Teil der Abmachung des Clubs mit Gazprom, die Ende 2006 abgeschlossen wurde. In den ersten fünf Jahren des Vertrags zahlte das Unternehmen 100 Millionen Euro an den Verein, doch nach einem neuen Vertrag, der bis Mitte 2017 läuft, wird der Ruhrclub seinen Haushalt jährlich mit 16 Millionen Euro des russischen Gasgiganten aufstocken. Schalke taufte zudem eine der Tribünen des heimischen Stadions auf den Namen „Gazprom“ und platzierte sein Logo auf den Trikots der Spieler.

Der russische Konzern erklärt die Zusammenarbeit mit dem deutschen Club mit zwei Gründen: Zum einen sei Deutschland der größte Abnehmer von russischem Gas und zum anderen sei Schalke 04 einer der beliebtesten Clubs der Bundesliga. Der Plan zur Imageverbesserung der Gesellschaft durch Sponsoring hat im Großen und Ganzen funktioniert. Nach einer Studie der Agentur Edelman wurde der russischen AG kurz nach dem Abschluss des Deals im Jahr 2006 nur von 16 Prozent der Deutschen Vertrauen entgegengebracht, 2013 waren es hingegen schon 39 Prozent.

 

Lukoil – Sportvereine in Philadelphia

Der größte russische Mineralölkonzern Lukoil nutzt das Sponsoring von Sportmannschaften seit Langem als Teil seiner globalen PR-Strategie. Wenn Lukoil in eine neue Region kommt, wird es zum Partner einer lokalen Mannschaft. In den USA begann Lukoil in Philadelphia. Die russischen Ölarbeiter nahmen gleich drei ansässige Mannschaften unter ihre Fittiche: die „Flyers“ (Hockey), die „Phillies“ (Baseball) und die „Eagles“ (American Football).

Der Hintergrund für seine groß angelegten Sponsoring-Tätigkeiten ist der, dass Lukoil nach dem Kauf der Firmen Getty und Mobil in den USA schnell an Bekanntheit zulegen wollte. Nach dem Kauf besaß das Unternehmen über 2 000 Tankstellen in den östlichen Staaten. Als das Unternehmen im Jahr 2005 beschloss, die alten Namen gegen das eigene rot-weiße Logo auszutauschen, protestierten die Leiter der Tankstellen. Sie wollten nicht unter einer unbekannten Marke arbeiten. Um die Marke bekannter zu machen, beschloss Lukoil also, die beliebtesten Sportmannschaften der Städte zu fördern.

Der Umsatz der Tankstellen der russischen Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen und die Fans der Sportvereine lieben Lukoil. Das hat allerdings seinen Grund vor allem darin, dass der russische Konzern die Ticketpreise für Heimspiele der drei Clubs Philadelphias um die Hälfte reduziert konnte. Nun kann man die Spiele der „Flyers“, „Phillies“ und „Eagles“ für nur umgerechnet 21 Euro der üblichen 39 Euro besuchen.

 

Kaspersky Lab – Ferrari

Nach der Unterzeichnung des Werbevertrags mit dem berühmten Hollywood-Schauspieler Jackie Chan hat die russische IT-Firma Kaspersky Lab beschlossen, noch weiter zu gehen. 2010 schloss der Antivirus-Hersteller einen Vertrag mit der Formel-1-Mannschaft Ferrari.

Kaspersky Lab wählte bewusst die Mannschaft und nicht einen bestimmten

Rennpiloten. „Wenn wir einen russischen Piloten hätten sponsern wollen, würden wir unser Logo auf seinem Overall haben und mehr auch nicht. Wenn wir jedoch an Ferrari zahlen, bekommen wir zahlreiche weitere Boni“, erklärte Unternehmenschef Jewgenij Kasperskij. Einer dieser Boni ist der Zugang zur VIP-Zone von Ferrari. Wie Kasperskij sagt, seien in den Jahren, in denen der Vertrag mit Ferrari läuft, über 3 000 Gäste des Kaspersky Lab in die VIP-Zone des Paddocks der Formel-1 eingeladen worden. Außerdem habe man es aufgrund der persönlichen Kontakte zu anderen Sponsoren von Ferrari geschafft, mehrere attraktive Verträge mit großen Firmen über die Bereitstellung der Software abzuschließen.

 

Aeroflot – FC Manchester United

2013 wurde bekannt, dass der große englische Club FC Manchester United sein offizielles Lufttransportunternehmen wechselt. Den Platz der Turkish

Airlines nahm die größte russische Fluggesellschaft Aeroflot ein. Der Vertrag wurde für fünf Jahre unterzeichnet – während dieser Zeit erhält der Club von seinem neuen Sponsor 30 Millionen Euro. Das heißt übrigens nicht, dass die Fußballer nur noch mit den Linien von Aeroflot fliegen. Das russische Transportunternehmen soll den Partner nur beraten, Charterflüge in der Zwischensaisonzeit organisieren und die Mannschaft von Manchester nach Russland und zurück bringen, wenn der Bedarf besteht.

Eines der Flugzeuge von Aeroflot ist jetzt in den Farben der Mannschaft zu sehen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass bald auf dem Gelände des Stadions Old Trafford ein Modell des Flugzeugs „Sukhoi Superjet“ mit dem Logo des russischen Sponsors zu sehen sein wird.

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