Formel 1: Daniil Kwjats grandioses Debüt

 Foto: Getty Images/Fotobank

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Daniil Kwjat hat bei seinem Formel-1-Debüt für das italienische Rennteam „Toro Rosso“ einen Rekord aufgestellt: Mit 19 Jahren, zehn Monaten und 18 Tagen ist der Russe der jüngste Rennfahrer, der je Punkte bei einem Grand Prix sammeln konnte.

Gewonnen hat den Grand Prix von Melbourne, wenig überraschend, ein Mercedes-Vertreter – allerdings nicht Lewis Hamilton, der im Vorfeld als Favorit galt, sondern der Deutsche Nico Rosberg. Der Brite, der von der Pole Position aus ins Rennen ging, fiel bereits nach der dritten Runde mit einem Motorschaden aus. „Ich hatte das Gefühl, dass nur fünf der sechs Zylinder im Motor funktionierten“, klagte der Pilot. Im Gegensatz zu Hamilton war sein Partner Nico Rosberg ein Vorbild an Verlässlichkeit, das heißt, nicht er, sondern vielmehr sein Mercedes. Der Wagen von Rosberg, ein identischer Counterpart von Hamilton, fuhr den Deutschen als Erster ins Ziel.

Der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel kam wie Hamilton nicht ins Ziel, sondern schied bereits nach wenigen Runden aus dem Rennen aus. Sein Mannschaftskollege Daniel Ricciardo wurde im Endklassement Zweiter. Diese Tatsache schien sogar den australischen Rennfahrer selbst erstaunt zu haben. Er betonte wiederholt, mit welchen Problemen sein Team vor der

aktuellen Formel-1-Saison zu kämpfen hatte: Nach der Dominanz im Verlauf der letzten vier Saisons konnte der Rennstall in diesem Jahr wegen vielfacher Probleme mit Renault-Motoren kein einziges Mal eine richtige Generalprobe für das erste Rennen absolvieren. Umso mehr freute sich Ricciardo, dass Red Bull nach all den Unannehmlichkeiten doch noch den richtigen Weg gefunden hatte.

Doch die Freude währte nicht lang – schon kurz nach der Siegerehrung musste er den Tribünenplatz wieder abtreten: Nach dem Rennen wurde er disqualifiziert, weil der Spritverbrauch seines Wagens die vorgeschriebenen 100 Kilogramm pro Stunde überschritten hatte. An Ricciardos Stelle kam der 21-jährige McLaren-Pilot Kevin Magnussen auf den zweiten Platz. „Passiert das wirklich alles mit mir?“, fragte der junge Rennfahrer überglücklich – schon nach seinem ersten Rennen kam er aufs Podium.


Erfolgreiches Debüt von Kwjat

Der Russe Daniil Kwjat, ein weiterer Formel-1-Debütant, der für das Team „Toro Rosso“ an den Start ging, kann ebenfalls zufrieden sein mit dem Ergebnis des australischen Grand Prix. Zwar war er mit Platz 9 ziemlich weit vom Podium entfernt, doch sollte man bedenken, dass „Toro Rosso“, eigentlich ein Farm-Team von Red Bull, einen völlig anderen Leistungsanspruch hat.

Kwjat fuhr ein relativ sicheres Rennen. Er kam als Zehnter ins Ziel und wurde nach der Disqualifikation von Riccardo Neunter. Mit seinen 19 Jahren, zehn Monaten und 18 Tagen ist Daniil Kwjat der jüngste Rennfahrer in der Formel-1-Geschichte, der Punkte bei einem Grand Prix sammeln konnte. Davor war Sebastian Vettel, der seine ersten Punkte 2007 bei dem Grand Prix in den USA sammelte, Rekordhalter in dieser Kategorie. „Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, dass ich gleich beim ersten Rennen mit Punkten ins Ziel komme“, sagte Daniil Kwjat nach dem Rennen. „Ich bin sehr glücklich. Das war ein sehr spannendes Rennen. In den letzten Runden konnte ich meine Position noch verbessern, aber ich musste ein wenig Sprit sparen und habe deshalb von einem Zweikampf abgesehen. Ich verschiebe das aufs nächste Mal“, versicherte der russische Rennfahrer dem Portal „F1News.Ru“.

Sein Erfolg war überraschend, wie der junge Rennfahrer dem Portal „Autosport“ erklärte: „Ich bin nie Rennen gefahren, die länger als 35 Minuten dauerten. Dieses aber ging anderthalb Stunden lang. Der Tag war intensiv und das Gefühl, einen Punkteplatz erreicht zu haben, ist klasse. Alle haben sehr angestrengt gearbeitet und der gewonnene Punkt hat den Grand Prix optimal abgerundet.“

„Ich freue mich für Daniil, der zum jüngsten Rennfahrer wurde, der einen Punkt in seinem ersten Formel-1-Rennen gewonnen hat. Das ist sehr vielversprechend und ich bin sicher, dass dies ein erstes Ergebnis einer langen Entwicklung ist. Jetzt müssen wir uns auf das nächste Rennen in Malaysia konzentrieren. Dort hoffen wir, unsere Arbeit fortzuführen und wieder Punkte zu erzielen“, sagte der Rennleiter von „Toro Rosso“ Franz Tost.


Petrow glaubt an Kwjat

Der russische Rennfahrer Witalij Petrow, der von 2010 bis 2012 in der Formel 1 fuhr, ist überzeugt, dass Daniil Kwjat beste Aussichten in der „Königsklasse“ hat: „Kwjat hat beste Chancen auf erfolgreiche Auftritte für ‚Toro Rosso‘“, sagte er der Zeitung „Iswestija“. „Er ist schon vor seinem Debüt viele gute Rennen in der Formel 1 gefahren und hat viel Erfahrung bei Testfahrten gesammelt. Er ist viel besser mit der Formel 1 vertraut, als ich es zu Zeiten meiner ersten Testfahrten war. Ich hatte wenig Zeit, mich an die Rennserie zu gewöhnen. Das Wichtigste ist jetzt, dass Kwjat sich schnell einlebt und sich an den Trubel rund um seine Person gewöhnt: an die ständige Kommunikation mit den Journalisten, den Druck vonseiten des Teams und der anderen Fahrer. Ich denke, dass er das schaffen kann“, wird Petrow von der Zeitung „Iswestija“ zitiert.

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