Kadyrows Fußballverein rettet Krebskranken

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow begrüßt Spieler von Terek Grosny. Foto: Said Tsarnaev / RIA-Nowosti

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow begrüßt Spieler von Terek Grosny. Foto: Said Tsarnaev / RIA-Nowosti

Der Fußballspieler Grischa Simonjan kämpft gegen Krebs. Der 18-Jährige wird nun zur Rehabilitation nach Deutschland kommen. Die Kosten trägt der tschetschenische Verein Terek, der Simonjan zudem einen Vertrag für die russische Premier League angeboten hat.

Grischa Simonjan ist ein vielsprechendes Talent im Fußball. „Er hat sein ganzes Leben lang fast nur Fußball gespielt“, erzählt sein Vater Wardan Simonjan. Doch dann wurde bei Grischa ein Krebsgeschwür in seinem Kopf entdeckt. Der Fußball rückte in den Hintergrund und der Kampf um sein Leben begann. „Als er erkrankte, haben wir nur noch zu Gott gebetet, dass er am Leben bleibt und wieder gesund wird“, erinnert sich Grischas Vater an die schwere Zeit. Mit einer Karriere als Profi-Fußballer rechnete niemand mehr, am wenigstens Grischa selbst.

Um das Leben des jungen Talents zu retten, wurde von der Sport-Journalistin Jekaterina Kiriltschewa, vom russischen Sportinformations-Portal „championat.com“ und der gemeinnützigen Stiftung Oranschewoje njebo („Orangefarbener Himmel“) die Aktion „Rette Grischa!“ ins Leben gerufen. Anderthalb Monate lang konnte für Grischas Behandlung gespendet werden. Zweimal am Tag wurden die Spendensumme aktualisiert und die Spender über den Verwendungszweck ihrer Gelder informiert.


Große Anteilnahme

Die Aktion war ein voller Erfolg. „Es kamen 3 333 000 Rubel (66 600 Euro) zusammen“, berichtet Samwel Awajkan, Redakteur von „championat.com“. Fast 100 000 Menschen spendeten für Grischa. Die höchste Einzelspende betrug eine halbe Million Rubel (10 000 Euro), von Grischas ehemaliger Schule Nr. 258 kamen 100 000 Rubel (2 000 Euro). Ein Benefiz-Konzert brachte 200 000 Rubel (4 000 Euro) ein. Durchschnittlich wurden 30 (etwa 0,60 Euro) bis 300 Rubel (etwa sechs Euro) gezahlt.

Die Spendenaktion war professionell organisiert. Die Initiatoren hatten noch viele weitere Ideen, die gar nicht alle umgesetzt werden konnten: „Am 29.

oder 30. März sollte eine Benefiz-Auktion stattfinden, die wir mithilfe von Julia Samedowa, der Frau des Fußballspielers Alexander Samedow, vorbereitet hatten“, erzählt Samwel Awakjan. „Wir hatten eine ganze Reihe Fußballspieler aus der russischen Premier-Liga, der italienischen Serie A und der spanischen Premier-Liga angesprochen und viele von ihnen schickten uns ihr Trikot zu, damit wir es auf dieser Auktion zugunsten Grischas versteigern konnten. Aus dem Ausland meldeten sich unter anderem Javier Matías Pastore, Ricardo Álvarez, Éver Banega und Fabian Rinaldi. Bei uns im Land erhielten wird T-Shirts vom Dynamo-Spieler Fernandez, von Roman Schirokow und vielen anderen“, führt Awakjan weiter aus. Um Geldspenden hätten sie die Fußballspieler nicht gebeten, da sie „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind und häufig mit solchen Anfragen konfrontiert werden“, wie Awajkan sagt.

Awajkan hebt die Zurückhaltung der hilfsbereiten Fußballer hervor: „Wir mussten zum Beispiel den russischen Fußballspieler Alexander Rjasanzew eine ganze Weile um Erlaubnis bitten, seine Spende publik machen zu dürfen.“ Das zeige die wirkliche Hilfsbereitschaft, niemand habe die Aktion für PR-Zwecke ausnutzen wollen. Bei dieser beeindruckenden Hilfsbereitschaft ist Awajkan überzeugt, dass die für Grischas Rehabehandlung im Ausland benötigten fünf  Millionen Rubel (etwa 100 000 Euro) zusammengekommen sind.


Neuer Lebensmut

Doch dann verkündete der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow über Twitter, dass Terek, der Fußballverein der Republik Tschetschenien, mit Grischa Simonjan einen Vertrag abschließen werde und beabsichtige, sich um Grischas Behandlung zu kümmern und die Kosten dafür zu übernehmen. Die Vereinsführung bat deshalb darum, die Spendensammlung einzustellen.

Grischas Vater glaubt, dass beide Seiten von dieser Vereinbarung profitieren werden. „Grischa verfügte bereits als Kind über eine ausgezeichnete Technik, war aber gleichzeitig auch ein sehr guter Teamplayer, der großen Spaß am Pass-Spiel und dem Zusammenspiel mit anderen Fußballern hat. Die letzten Jahre bin ich ständig mit ihm zu den verschiedensten Vereinen zur Sichtung gefahren – wir waren beim ZSKA und bei Spartak“, erzählt er stolz.

Ein Spieler von Spartak, der armenische Nationalspieler Jurij Mowsisjan, war einer der Ersten, der Grischa wirklich wieder Mut gemacht hat. Er schenkte Simonjan sein mit einem Autogramm versehenes Trikot zu dessen Geburtstag am 27. Februar. Einen Monat darauf erhielt Grischa eine ganze Kiste mit einer vollständigen Ausstattung, die jeder Spieler des Tereks erhält. Der Vertrag mit Terek bedeutet für Grischa und seine Familie viel mehr, als  nur die Übernahme der Behandlungskosten. Viel wichtiger ist noch, dass Grischas Kampfgeist geweckt wurde und er neuen Lebensmut geschöpft hat, was die Aussicht auf Genesung steigert.

„Die Ärzte haben mir gesagt, dass die Heilungschancen etwa 40 Prozent

betragen und der Erfolg vom seelischen und moralischen Zustand des Patienten abhängt“, berichtet Wardan Simonjan. „Deshalb könnte man gegenwärtig den Eindruck haben, dass Grischa gar nicht krank ist. Auch wenn ich es ihm regelmäßig verbiete, mein Sohn hört doch nicht auf mich. Er verbringt gegenwärtig zwischen einer halben und anderthalb Stunden mit dem Ball. Es ist ein Wunder und ein großes Glück, dass jemand wie Samwel Awakjan auf ihn aufmerksam geworden ist, der ihn versteht, der gesehen hat, wie diese Nummer 59 des Vereins Terek jetzt mit dem Bald umgeht.“ Grischa Simonjans Vater zeigt sich sehr optimistisch: „Ich sehe keinen Patienten, sondern einen Fußballspieler, der sich auf seinen Einsatz bei Terek vorbereitet.“

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