Russlands WM-Stadien: Teuer, aber „in time“

ie Kasan-Arena fasst 45 000 Zuschauer und erinnert an die Heimstätte des FC Arsenal London, das Emirates-Stadion.  Foto: Pressebild

ie Kasan-Arena fasst 45 000 Zuschauer und erinnert an die Heimstätte des FC Arsenal London, das Emirates-Stadion. Foto: Pressebild

Für die Fußball-Weltmeisterschaft wird Russland zehn neue Stadien bauen. RBTH schaute auf die Kosten, nahm Brasilien 2014 als Referenz und sprach mit Sportminister Witalij Mutko über das Weltereignis im Sommer 2018.

Das russische Sportministerium überschlug noch einmal die Kosten einer Durchführung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Laut dem Realisierungsplan des Vorbereitungsprogramms sanken die Kosten um circa 890 Millionen Euro und werden nun in Summe mit 12,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Die praktische Erfahrung bei solchen Großvorhaben zeigt jedoch, dass die endgültigen Kosten für den Bau von Stadien und der Infrastruktur immer von den ursprünglich geplanten abweichen. Deshalb kann die Gesamtsumme der Weltmeisterschaft wohl von niemandem seriös vorhergesagt werden.

„Außer den Stadien werden wir noch über 300 weitere Objekte bauen müssen: Unterkünfte der Fußballer und Funktionäre, Infrastruktur für die Kommunikation sowie Leitungen und Verkehrsbauten", sagt der russische Sportminister Witalij Mutko. „Wir werden Rechtstreitigkeiten zu Besitzverhältnissen haben und den Organisatoren wird ein zu langsames Bauen und einiges mehr vorgeworfen werden. Man sollte dem keine große Beachtung schenken, solche Diskussionen wird es immer geben. Ereignisse wie die Olympiade oder die Fußball-Weltmeisterschaft schaffen aber Tausende von neuen Arbeitsplätzen und helfen dem Land, eine neue Stufe zu erreichen", versichert der Minister.

 

Teure Arenen in Kasan und Sotschi sind fertig

Die Kasan-Arena ist das erste von zwölf Stadien der Weltmeisterschaft 2018, das bereits fertig ist. Das Einweihungsspiel in diesem Stadion wird am 26. Mai 2014 stattfinden. Die Kasan-Arena fasst 45 000 Zuschauer und erinnert an die Heimstätte des FC Arsenal London, das Emirates-Stadion. Diese Ähnlichkeit ist nicht unbeabsichtigt: Für den Bau des Stadions in Kasan war dieselbe Projektgesellschaft, die neben der neuen Gunners-Heimstätte auch schon das neue Wembley- und das Olympiastadion der Sommerspiele 2012 gemanagt hat, beauftragt.

Für die Kasan-Arena wurden 289 Millionen Euro ausgegeben. Vergleicht man die Summen mit den Bauten für die Weltmeisterschaft 2014 in

Die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien kostete das Gastgeberland ungefähr 14,5 Milliarden Euro.

Es wurden eigens für die Spiele fünf neue Arenas gebaut. In Russland werden für die Weltmeisterschaft 2018 zehn Stadien neu errichtet.

Brasilien, so fällt auf, dass die Errichtung von ähnlich großen Stadien in Brasilien erheblich billiger sind: Die Arena Das Dunas (45 000 Zuschauer) kostete nur 148 Millionen Euro, die Arena da Amazônia mit 44 000 Sitzplätzen schlug mit 187 Millionen Euro zu Buche. Das WM-Stadion in Pantanal mit einer Kapazität von 44 000 Plätzen kostete 184 Millionen Euro. Die Ausgaben für das Kasaner Stadion sind vergleichbar mit jenen, die Brasilien für die Final- und Vorschlussrundenspiele veranschlagt hat. So hat das Estádio Mané Garrincha mit einem Fassungsvermögen von 71 000 Zuschauern nur 288 Millionen Euro gekostet – dort finden ein Viertelfinale sowie das Spiel um den dritten Platz statt. Die neue Arena der Corinthians São Paulo bietet 68 000 Halbfinalgästen Platz und kostet 290 Millionen Euro.

Das „Fisht"-Stadion in Sotschi, wo die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympiade und Paralympiade verliefen, wird auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in vier Jahren zum Einsatz kommen. Es wurde von dem Architekturbüro Populous entworfen, das zuvor das Yankee-Stadion in New York, das Estádio da Luz in Lissabon und das Stadion So Kon Po in Hongkong realisiert hatte. „Das Design des Stadions sieht vor, dass es im Winter das Licht unter einem bestimmten Winkel reflektieren wird, damit die Sonne in den Zuschauerraum gelangt, im Sommer hingegen, wenn die Sonne hoch steht, sollen die Zuschauerränge schattig sein", sagte Populous-Chef Damon Lavelle. Die Kosten für das Stadion in Sotschi haben sich auf über 550 Millionen Euro belaufen.

 

Moskauer Stadien sind solide geplant

Zwar sind die Stadien in Kasan und Sotschi schon WM-bereit, andernorts laufen die Dinge jedoch langsamer. Den größten Baufortschritt verzeichnet die Moskauer Otkrytije-Arena, die neue Heimstätte von Spartak Moskau. Das Stadion soll Ende Juli 2014 eingeweiht werden. Dahingehend wird die Zenit-Arena in Sankt Petersburg, an der schon seit 2006 gebaut wird, erst Mitte 2016 fertig.

Nicht so bald dürfte auch ein anderer WM-Austragungsort in der Hauptstadt fertig werden: Das legendäre Olympiastadion Luschniki ist

zurzeit wegen Umbau geschlossen. Für die Renovierung des UEFA-Elitestadions und Ertüchtigung als Finalstadion für die Weltmeisterschaft sind 383 Millionen Euro geplant.

Die Arenen in den russischen Regionen werden von russischen Konzernen gebaut. So wird der Bau des Stadions in Nischni Nowgorod und Wolgograd von Strojtransgas übernommen, in Kaliningrad und Rostow am Don baut die Crocus Group. In Jekaterinburg ist Sinara-Development für die Modernisierung der Arena verantwortlich. „Als Auftraggeber treten die Regionen auf. Unser Ziel ist es, dass die Stadien ohne Beanstandung von FIFA-Kontrolleuren abgenommen werden", hofft Sportminister Mutko. „Für diese Projekte werden die Regionalbehörden persönliche Verantwortung tragen."

 

Die Erfahrung Brasiliens wird berücksichtigt

Die russischen Behörden versichern, dass sie brasilianische Erfahrungen in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2014 gründlich analysiert haben und alles Mögliche tun wollen, um die Fehler der Lateinamerikaner

Im Januar 2014 sagte der Generalsekretär der FIFA Jérôme Valcke, dass Russland mit den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 2018 der Zeit um sechs bis acht Monate voraus sei.

nicht zu wiederholen. „Meine Kollegen aus dem Organisationskomitee werden während der gesamten Weltmeisterschaft in Brasilien vor Ort sein. Wir organisieren auch einen umfassenden Erfahrungsaustausch für unsere Regionen mit den entsprechenden Vertretern der Regionen Brasiliens", sagt Alexej Sorokin, Generaldirektor des Organisationskomitees „Russland 2018".

„Eines der Hauptprobleme des russischen Fußballs ist die Infrastruktur", bemerkte Anatolij Worobjew, Generalsekretär des russischen Fußballverbands, in einem Interview mit RBTH. „Nach den Olympischen Spielen von 1980 wurde in Moskau lediglich ein neues Stadion gebaut, das von Lokomotive Moskau. Heute müssen die Moskauer Clubs im Moskauer Umland spielen, in Chimki und Ramenskoje. Die Weltmeisterschaft wird die Situation positiv verändern", ist Worobjew überzeugt. „Russland sollte auch die Erfahrungen der Ukraine berücksichtigen, die noch im letzten Moment die Stadien für die Europameisterschaft 2012 fertigstellen konnten. Doch die Erfahrung mit der Olympiade in Sotschi hat gezeigt, dass unsere Infrastruktur und unsere Planung in Ordnung sein sollten."

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