Weniger Geld für Fußballstars in Russland?

Die Spieler von Zenit Sankt Petersburg Hulk (links) und Axel Witsel (rechts) gehören zu den hochbezahltesten Fußballspielern in Russland. Foto: ITAR-TASS

Die Spieler von Zenit Sankt Petersburg Hulk (links) und Axel Witsel (rechts) gehören zu den hochbezahltesten Fußballspielern in Russland. Foto: ITAR-TASS

Das russische Parlament will nach US-amerikanischem Vorbild eine Gehaltsobergrenze für die Premier-Liga – die höchste Spielklasse im russischen Fußball – einführen. Experten betrachten diesen Vorstoß als einen Schritt in Richtung des Financial Fairplay, das die UEFA und ihr Präsident Michel Platini nachdrücklich fordern.

Die Premier-Liga, die höchste Spielklasse im russischen Fußball, könnte bald eine Gehaltsobergrenze für Spieler und Trainer festlegen. Ein entsprechendes Gesetz will das russische Parlament noch in der Frühjahrs-Sitzungsperiode verabschieden. Die Abgeordneten glauben, eine solche Gehaltsdeckelung könnte dabei helfen, die Bezüge unqualifizierter, größtenteils ausländischer Fußballspieler und -trainer zu begrenzen. Der erste stellvertretende Vorsitzende des Dumakomitees für Körperertüchtigung, Sport und Jugend, Dmitri Swischtschew, schätzt die Einführung einer Gehaltsobergrenze jedoch als ein sehr kompliziertes Vorhaben ein. Dennoch könnte seinen Worten zufolge eine grundsätzliche Vereinbarung in absehbarer Zeit erreicht werden: „Ich gehe davon aus, dass wir in der aktuellen Sitzungsperiode einen Gesetzentwurf verabschieden werden", wird Swischtschew im Fernsehsender „Mir24" zitiert. Nach seiner Auffassung sollten jedoch nicht die offiziellen Gehälter im Blickpunkt stehen – diese könnten von den Vereinen leicht manipuliert werden – sondern die Gesamtsumme der bezahlten Honorare, einschließlich der Zulagen und weiteren Prämien.

Zuvor hatte sich bereits Gennadi Solowjew, Vizepräsident von Dynamo Moskau, für die Einführung einer Gehaltsobergrenze ausgesprochen. „Wir halten eine Beschränkung der Gehälter in der Premjer-Liga und auch in anderen Profiligen für unumgänglich. Den Gegnern des Gesetztes, die behaupten, informelle Zahlungspraktiken oder Honorare in Couverts seien mit der Einführung eines solchen Gesetzes vorprogrammiert, kann ich nur eines entgegnen: Diese Fälle gehören dann vor das Gericht."

Über die Begrenzung von Gehältern junger russischer Fußballer sprach sich Ende April auch Roman Babajew, Generaldirektor von ZSKA Moskau, aus. „Wir müssen eine Gehaltsobergrenze für junge russische Fußballer unter 21 Jahren einführen. Auch sollten wir die Ausgleichszahlungen bei dem Übergang eines Spielers aus dem Jugend- in den Profibereich erhöhen, damit die Sportschulen mehr an der Ausbildung junger Spieler interessiert sind", betonte er auf einer Pressekonferenz.

 

Eine revolutionäre Idee für die Fußballwelt

Eine Gehaltsdeckelung ist in der Fußballwelt eher ungewöhnlich. Solche Regelungen gibt es hauptsächlich in anderen Sportarten, insbesondere in den amerikanischen Profiligen NFL (American Football), NBA (Basketball) und NHL (Eishockey).

In Russland waren die Manager der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL) die ersten, die sich eine Gehaltsbeschränkung ihrer Spieler auf die Fahnen

geschrieben hatten. Die Einführung einer Obergrenze gelang ihnen allerdings nicht. Immer wieder konnten die Vereine das festgelegte Niveau dank der sogenannten Luxussteuer, einer zusätzlichen Zahlung in das Budget der Liga, oder durch die Einführung der Kategorie „exponierter Spieler" erhöhen. In diese Kategorie fallen Stars wie Alexander Radulow und Ilja Kowaltschuk, deren Gehälter infolge nicht in der allgemeinen gehaltslisten berücksichtigt werden.

In der 1. Division, der zweiten russischen Fußball-Spielklasse, wird es wohl schon bald eine Gehaltsobergrenze für die Spieler oder Trainer geben: 300 000 Rubel (rund 6 000 Euro). Eine allgemeine Gehaltsobergrenze für die Mannschaft möchte man allerdings nicht festlegen.

Die europäischen internationalen und nationalen Fußballturniere werden auch weiterhin auf Gehaltsobergrenzen verzichten. Jedoch bekräftigte die UEFA 2009 das Konzept des Financial Fairplay. Dieses soll dabei helfen, die Gehaltsausgaben der Top-Vereine nicht zu weit ansteigen zu lassen.

 

Die Entwicklung des Konzepts des Financial Fairplay

Wie Wjatscheslaw Koloskow, Ehrenpräsident des Fußballverbands der Russischen Föderation, gegenüber der Zeitung „Gazeta.ru" erklärte, begrüßt er die Unterstützung der Parlamentsinitiative. Koloskow sprach sich jedoch dafür aus, die Umsetzung dieses Vorhabens den Sportverbänden zu überlassen und es nicht nur auf den Fußball zu beschränken. „Die Frage ist natürlich ziemlich heikel", betont Koloskow,

„aber ich verstehe nicht, warum sie nur den Fußball betreffen soll. Im Hockey und im Basketball haben wir vergleichbare, teilweise deutlich höhere Gehälter. Wenn das Problem gesetzlich geregelt werden soll, dann müssen alle Sportarten einbezogen werden. Ich würde in diesen Gesetzentwurf auch die Vergütung der Agenten aufnehmen. Viel Geld aus dem Fußball fließt in ihre Tasche."

Für Koloskow ist die Einführung einer Gehaltsobergrenze eine konsequente Fortführung der UEFA-Initiative im Bereich des Financial Fairplays. „Natürlich ist diese Gesetzinitiative neu für den Fußball. Aber dies trifft auch auf das Financial Fairplay zu", so der ehemalige Funktionär. „Vielleicht ist das Financial Fairplay nicht so konkret, aber prinzipiell stellt es eine Voraussetzung für eine Gehaltsobergrenze dar. Nicht zufällig haben sich Platini und seine Mitstreiter dieses Thema vorgenommen."

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Gazeta.ru

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