Acht vergoldete Fußballrekorde

Russlands Fußballnationalmannschaft ist noch nie Weltmeister geworden. Dennoch hält sie einige Rekorde. RBTH erinnert an die skurrilsten Momente der sowjetischen und russischen Fußballgeschichte.

Der vierte Platz bei der Fußballweltmeisterschaft in London 1966 ist bis heute der größte Erfolg, den die damals noch sowjetische Nationalmannschaft je erreicht hat. Doch damals wie heute haben die Fußballer Geschichte geschrieben und positive wie negative Rekorde aufgestellt.

 

Die erste gelbe Karte


Ewgenij Lowtschew. Foto: RIA Novosti

Lange Zeit konnten Schiedsrichter Spieler bei Regelverstößen nur die Rote Karte zeigen und den Spieler vom Platz verweisen. Abgestufte Strafen wie die Gelbe Karte als Verwarnung wurden erst bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko eingeführt. Die erste Verwarnung in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaften bekam ein Spieler der damaligen sowjetischen Nationalmannschaft: Ewgenij Lowtschew. Auch der Schiedsrichter, der sie vergeben hat, ist in die Geschichte eingegangen: Es handelte sich dabei um Kurt Tschenscher aus Deutschland.

 

Die erste Auswechslung


Viktor Serebrjannikow (links). Foto: ITAR-TASS

Kaum jemand erinnert sich noch daran, dass bis zur Weltmeisterschaft 1970 im Fußball keine Spieler ausgewechselt werden durften. Die ein und dieselbe Mannschaft musste die gesamten 90 Minuten über spielen, eventuell auch noch länger. Wenn ein Spieler verletzt wurde und nicht weiterspielen konnte, musste die Mannschaft in Unterzahl weiterspielen, was sehr oft geschah. Im Jahr 1970 entschied die FIFA schließlich, den Spielern entgegenzukommen. Der erste Spieler, der jemals bei einer Weltmeisterschaft ausgewechselt wurde, war der sowjetische Fußballer Viktor Serebrjannikow. Er spielte die erste Halbzeit im Spiel gegen Mexiko, bevor der Trainer Gawriil Katschalin entschied, ihn gegen Anatolij Pusatsch auszuwechseln.

 

Der erste „Goldene Ball" für einen Torhüter


Lew Jaschin. Foto: Imago/Legion Media

Der einzige Torhüter in der Geschichte des Fußballs, der jemals die einstige Trophäe für Europas „Fußballer des Jahres", den „Ballon D'or"

beziehungsweise „Goldenen Ball", erhielt, war Lew Jaschin. Er debütierte mit der Mannschaft der UdSSR bei der Weltmeisterschaft 1958. Die Mannschaft kam bis zum Viertelfinale, wo sie den schwedischen Gastgebern unterlag. Jaschin ging auch als der einzige Torhüter, der bei dieser Weltmeisterschaft einen Strafstoß halten konnte, in die Geschichte ein. Der Österreicher Hans Buzek hatte gegen ihn keine Chance. In der Rangliste der Torhüter, die die meisten Elfmeter gehalten haben, steht Jaschin auf Platz sieben.

 

Der erste sowjetische Torjäger


Walentin Iwanow (rechts). Foto: RIA Novosti

Bei der Weltmeisterschaft 1962 in Chile wurde erstmals ein sowjetischer Fußballer in die Liste der besten Torjäger aufgenommen, nämlich Walentin Iwanow. Der großartige Stürmer der Mannschaft Torpedo Moskau traf viermal, genauso wie die Brasilianer Mané Garrincha und Vavá, der Chilener Leonel Guillermo Sánchez Lineros, der Ungar Florian Albert und der Jugoslawe Dražan Jerković. Da nun sechs Spieler gleichauf waren, entschied das Los, wer den „Goldenen Schuh" des Turniers erhielt. Glück hatte dabei der Brasilianer Garrincha.

 

Der erste sowjetische Schiedsrichter im Finale


Nikolaj Latyschew (in der Mitte). Foto: Imago/Legion Media

Der sowjetische Schiedsrichter Nikolaj Latyschew war bei dem Finalspiel der Weltmeisterschaft 1962 Hauptschiedsrichter und damit der einzige in der Geschichte des russischen Schiedsrichterwesens, dem das gelungen ist. Latyschew pfiff 1962 außerdem, teilweise als Linienrichter, bei den Spielen England-Argentinien, Tschechien-Russland und Deutschland-Schweiz.

Bei der WM 1966 stand mit Tofik Bachramow erneut ein sowjetischer Schiedsrichter im Finale. Er war der Schiedsrichterassistent des Schweden Gottfried Dinst. In seiner Heimat Baku ist ein Stadion nach ihm benannt. Damit ist Bachramow wohl der bekannteste Schiedsrichterassistent der Welt.

 

Das erste Bruderpaar im Tor


Viktor und Wjatscheslaw Tschanow. Foto: RIA Novosti

Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien waren erstmals in einer Mannschaft zwei Brüder als Torwarte nominiert. Die sowjetischen Tormänner Viktor und Wjatscheslaw Tschanow konnten ihre Leistung allerdings nicht unter Beweis stellen, denn bei allen fünf Spielen der Mannschaft der UdSSR stand Rinat Dasajew im Tor.

 

Die erste afrikanische Mannschaft im Viertelfinale – dank russischem Trainer


Waleri Nepomnjaschtschi (in der Mitte). Foto: ITAR-TASS

Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien kam erstmals eine afrikanische Mannschaft bis ins Viertelfinale. Die „unzähmbaren Löwen" aus Kamerun wurden von dem russischen Experten Waleri Nepomnjaschtschi trainiert. Während des Turniers warfen seine Schützlinge die Auswahl der UdSSR, die Argentinier unter der Führung von Diego Maradona und die starke kolumbianische Mannschaft aus dem Wettbewerb. Erst die Stammväter des Fußballs, die Engländer, bereiteten der Siegesserie Kameruns ein Ende, indem sie die Afrikaner schließlich im Elfmeterschießen besiegten. Dieser Erfolg einer Mannschaft vom „Schwarzen Kontinent" bei einer WM konnte 2002 von Senegal und 2010 von Ghana wiederholt werden.

 

Der erste Torjäger mit fünf Treffern in einem Spiel


Oleg Salenko. Foto: Imago/Legion Media

Bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA gelang dem russischen Fußballspieler Oleg Salenko ein grandioser Torerfolg. Salenko traf das Tor der Kameruner fünf Mal, darunter durch einen verwandelten Elfmeter. Erstmals in der Geschichte des Turniers hatte es damit ein Spieler geschafft, bei einer Begegnung fünf Tore zu erzielen. Salenko erzielte alle Tore mit rechts und mit nur einer Ballberührung. Das Spiel endete 6:1 für Russland. Diese Leistung machte Salenko neben der bulgarischen Torjägerlegende Christo Stoitschkow zum besten Torjäger des Turniers. Beide Spieler erzielten insgesamt sechs Tore – Salenko spielte allerdings in nur drei Spielen mit, Stoitschkow dagegen in sechs.

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