Formel-1: Countdown für Sotschi

Die vom deutschen Bauingenieur Hermann Tilke entworfene Rennstrecke fordert von Vettel, Kwjat & Co. höchstes Können.  Foto: ITAR-TASS

Die vom deutschen Bauingenieur Hermann Tilke entworfene Rennstrecke fordert von Vettel, Kwjat & Co. höchstes Können. Foto: ITAR-TASS

Im Oktober kommt die Formel-1 zum ersten Mal nach Russland. Der vom Deutschen Hermann Tilke entworfene anspruchsvolle Kurs des neu gebauten „Sochi International Street Circuit“ bietet auch den besten Rennfahrern der Welt neue Herausforderungen.

Es ist ein gutes Jahr für die russischen Motorsportfans. Nach den Superbike-Weltmeisterschaften und der DTM macht nun erstmals auch die Formel-1 in ihrem Land Station. Vom 10. bis 12. Oktober 2014 wird der Große Preis von Russland auf der neuen Rennstrecke in Sotschi ausgetragen.

Vorerst bis 2020 steht das Rennen auf dem ‚Sochi International Street Circuit' auf dem Programm der Königsklasse des Motorsports.

Die noch im Bau befindliche Strecke führt direkt durch den Olympiapark am Ufer des Schwarzen Meeres entlang. Wer es nicht geschafft hat, zu den Olympischen Spielen zu reisen, kann sich spätestens jetzt noch einen Eindruck vom Olympiadorf verschaffen und die einzige Rennstrecke der Welt, die auf einem Olympiagelände liegt, besichtigen.

 

Der Rennzirkus kommt

Pläne für eine F1-Rennstrecke in Russland gab es schon 2002. Aber erst am 17. Oktober 2010 unterzeichneten der russische Präsident Wladimir Putin und Formel-1 Boss Bernie Ecclestone den Vertrag, der die Formel-1 nach Russland bringen sollte.

Mit den Planungen der Rennstrecke wurde der Deutsche Hermann Tilke beauftragt. Tilke ist bekannt für seine anspruchsvollen Rundkurse. Weltweit tragen 28 Strecken seine Handschrift, unter anderem auch der Moscow Raceway, der in Wolokolamsk rund 80 Kilometer nordwestlich der russischen Hauptstadt liegt.

In Sotschi ist nun ein kombinierter Stadt- und Hochgeschwindigkeitskurs entstanden. Die Strecke wurde teilweise in das örtliche Straßennetz integriert und ist in zwei Abschnitte unterteilt. Auf dem ersten, größeren Abschnitt sollen ausschließlich die Formel-1-Rennen ausgetragen werden, der zweite und kürzere Abschnitt kann auch für andere Motorsportveranstaltungen genutzt werden.

Ein Höhepunkt der interessanten Streckenführung wird gleich nach dem Start erreicht. Auf einer 650 Meter langen Geraden, die zwischen der ersten und zweiten Kurve liegt, werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Stundenkilometern erwartet. Eine Herausforderung für die Rennfahrer ist auch die dritte sehr lang gezogene Kurve nach dem Start

mit der Form des Buchstabens „Omega". Sie wurde mit einem Gefälle geplant. Die Rennfahrer können ihre Boliden hier bis auf 305 Stundenkilometer beschleunigen. Eine wichtige technische Besonderheit der Strecke ist die oberste Asphaltschicht. Sie besteht aus einer einzigartigen Mehrkomponenten-Mischung mit mineralischen Bestandteilen. Nicht weniger besonders ist die einzigartige Aussicht, die den Zuschauern an der Rennstrecke auf Meer und Berge geboten wird.

Die Formel-1-Teams beziehen Quartier in den Gebäuden des Akkreditierungs- und Versorgungszentrums der Olympischen Spiele. Ein Teil der Zuschauer kann das Renngeschehen von den Stufen des olympischen Eispalastes „Bolschoi" aus verfolgen.

 

Rechtzeitiger Start garantiert

Beim Bau der Olympiastätten wurde die spätere Nutzung des Geländes als Formel-1-Strecke bereits berücksichtig. Die Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele und den Großen Preis von Russland liefen parallel. Daher sind die Gebäude der Teams, die Boxen und das Medizinische Zentrum schon fertiggestellt. „In der Kommandozentrale der Piste sowie auf der Haupttribüne laufen derzeit nur noch Innenausbau- sowie Fassadenarbeiten", teilt das Pressezentrum mit. Auch die Arbeiten an der Asphaltschicht werden rechtzeitig abgeschlossen sein. „Die Bauarbeiten laufen genau nach Plan", so das Pressezentrum.

Die Formel-1-Piloten hatten bisher noch keine Gelegenheit, die Strecke in der Praxis auszuprobieren, denn zuerst müssen noch Testläufe gemacht werden. Die einzigen, die schon einen Vorgeschmack auf die neue Rennstrecke bekommen konnten, waren der ehemalige Rennfahrer David Coulthard und der amtierende Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, die

letztes Jahr der Baustelle einen Besuch abstatteten. Die Formel-1-Piloten durften sogar eine Runde auf einem kurzen Streckenabschnitt drehen, allerdings nur in einem normalen Auto.

Vettel zeigte sich beeindruckt: „Alles sieht hier sehr interessant aus. Das ist hier ein großartiges Bauvorhaben." Bereits im vergangenen Jahr konnte Vettel seine Vorfreude auf einen Start auf der neue Rennstrecke nicht verbergen: „Ich bin schon ganz ungeduldig darauf, hier ein Rennen fahren zu dürfen", sagte er.

Am 10. Oktober wird es soweit sein. Dann wird Vettel nicht mehr warten müssen, ebenso wie die zahlreichen russischen Motorsportfans. Und die werden vor allem Daniil Kwjat die Daumen drücken. Der Torro-Rosso-Pilot konnte nicht nur erfolgreich sein Debüt in der Königsklasse feiern, indem er bereits in seinem ersten Formel-1-Rennen in Australien Punkte holte. Seitdem liefert er bei jedem Rennen gute Ergebnisse. In Sotschi wird er wohl nicht als Favorit an den Start gehen, doch die russischen Formel-1-Fans werden sich in jedem Fall auf ein Rennen der Extraklasse freuen können.

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