Mademoiselle Scharapowa: Die Diva von Paris

Abseits des Sports engagiert sich Scharapowa seit Februar 2007 als Goodwill-Botschafterin der Vereinten Nationen. Foto: AP

Abseits des Sports engagiert sich Scharapowa seit Februar 2007 als Goodwill-Botschafterin der Vereinten Nationen. Foto: AP

Am Sonntag, dem 8. Juni, kämpften die Rumänin Simona Halep und die Russin Maria Scharapowa um den Sieg bei den French Open. Am Ende gewann Scharapowa zum zweiten Mal nach 2012 in Roland Garros und holte damit ihren fünften Grand-Slam-Titel auf der Tour. Fünf Fakten, die Sie über den 27-jährigen Tennisstar wissen müssen.

Rich Girl aus Sibirien

Mit ihrem Sieg bei den French Open rückte Scharapowa in der Weltrangliste auf Platz fünf vor. Die 27-jährige Russin steht damit auf Platz zwei, wenn es darum geht, wer die meisten Turniere in der Geschichte des Tennissports gewonnen hat. Bei 32 Turnieren ging Scharapowa als Siegerin vom Platz. Das hat sich auch finanziell ausgezahlt: Der im sibirischen Njagan geborene Tennisstar hat inzwischen etwa 22,9 Millionen Euro an Preisgeldern eingespielt und damit die US-Amerikanerin Venus Williams überholt. Nur deren Schwester Serena hat mit ihrem Tennisspiel noch mehr Geld verdient, nämlich rund 40,6 Millionen Euro.

Maria Scharapowa ist stolz auf ihren finanziellen Erfolg„Wenn ich mir meine Altersgenossinnen so anschaue, wie sie in ihren teuren Autos sitzen, dann wird mir immer wieder bewusst, dass ich mein Auto selbst erarbeitet habe. Das erfüllt mich mit Genugtuung.“ Neider können ihr nichts anhaben:  „Manchmal spürt man schon diesen scheelen Blick, wenn dich jemand anschaut und denkt, der Papa hat seinem verzogenen Püppchen das Auto geschenkt. Dann denke ich immer wieder: Nein, diesen Range Rover habe ich mir selbst geschenkt.“



Spontaneität kontra Berechnung

Scharapowa ist ein spontaner Spielerinnentyp. Matchpläne und Spielanalysen sind nicht ihr Ding: „Egal, was wir vor dem Match

besprechen, ich gehe auf den Tenniscourt und spiele, wie ich will“sagt sie. Ein Umstand, der bisher noch jeden ihrer Trainer auf die Palme gebracht hat. „Nach dem Match sagt mir der Trainer immer: Mal im Ernst – wofür brauchst du mich überhaupt?“, erzählt Scharapowa. Sie entschuldige sich dann zwar, mache es beim nächsten Mal aber nicht anders. Auch die nachträgliche Besprechung eines Matchs ist nichts, wofür sich Scharapowa begeistern kann: „Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein Match von mir in voller Länge angeschaut habe. Mir fehlt die Geduld dazu, sie reicht gerade mal für zehn bis 15 Minuten. Ich schaue nicht gerne zurück“, gibt sie zu. Der schwedische Tennistrainer Thomas Hogstedt hat es drei Jahre mit Scharapowa ausgehalten, bevor er schließlich aufgab. Scharapowa war ihm zu undiszipliniert und kapriziös. Seit August 2013 wird die Russin vom US-Amerikaner Jimmy Connors, der in den 1970er-Jahren selbst ein Weltklassespieler war, trainiert. Man muss abwarten, wie lange diese Zusammenarbeit anhält.

 

Eine Diva des Sports

Maria unterhält sich nicht gern mit Journalisten. Die zahlreichen Pressekonferenzen, die aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben und die ständigen Anfragen nach Interviews hinterlassen ihre Spuren. Maria kann ziemlich schroff mit Medienvertretern umgehen. Es geht ihr auf die Nerven, dass oft nicht der Sport, sondern ihre Tennis-Outfits oder ihre

legendären Wettkampfschreie im Mittelpunkt stehen. Letztere können einmal schon so laut sein wie ein Raketentriebwerk beim Start. Um die Lautstärke zu messen, nehmen manche Journalisten eigens Messgeräte zu einem Spiel von Scharapowa mit. Sie selbst spottet darüber: „Vergesst das alles und konzentriert euch auf das Match. Ich bin mir sicher – danach habt ihr interessantere Fragen“, sagt sie zu den Journalisten. Sie selbst konzentriere sich „nur auf Tennis“ und wünsche sich, dass bei der Berichterstattung dieser faszinierende Sport im Vordergrund steht.


 
Soziales Engagement

Abseits des Sports engagiert sich Scharapowa seit Februar 2007 als Goodwill-Botschafterin der Vereinten Nationen. Dabei setzt sie sich gegen Trinkwassermangel in Afrika, Drogenabhängigkeit in den Entwicklungsländern oder den Naturschutz ein. Scharapowa ist froh, ihre Prominenz sinnvoll einsetzen zu können. Ihr Engagement liegt ihr sehr am Herzen. Das zeigt sich spätestens dann, wenn die im Umgang mit Journalisten sonst so coole Sportlerin von ihrer ersten Pressekonferenz bei der UN berichtet: „Mir stand der kalte Schweiß auf der Stirn. Sonst geht es nur um meinen rechten Arm. Nun wurde ich gefragt, was wir Menschen tun sollten, damit  es auf der Welt keine Kriege und keine Armut mehr gibt.“ Das sei eine der stressigsten Situationen in ihrem Berufsleben gewesen, erzählt Scharapowa.


 
Sibirische Wurzeln

Maria Scharapowa wurde im sibirischen Städtchen Njagan geboren. Heute ist sie die meiste Zeit des Jahres in der Welt unterwegs. Doch immer

wieder betont Scharapowa, dass sie ihre Wurzeln nicht vergessen habe. Es sei schon etwas Besonderes, wenn bei der Vorstellung auf dem Tenniscourt nicht gesagt wird, „geboren in Russland“, sondern „geboren in Njagan, Sibirien“. Dies beeindrucke auch die Zuschauer. Dass sie es aus der Kleinstadt am Ural an die Weltspitze geschafft hat, erfüllt Scharapowa mit Stolz: „Das bedeutet mir fast mehr, als French-Open-Gewinnerin oder eine der besten Tennisspielerinnen der Welt zu sein.“

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