WM 2014 - Rote Karte für Fabio Capello?

Fabio Capello. Foto: Maxim Bogodvid/RIA Novosti

Fabio Capello. Foto: Maxim Bogodvid/RIA Novosti

Nach dem frühen Ausscheiden in der Gruppenphase der WM 2014 wurde der glücklose Coach Fabio Capello vor die Staatsduma zitiert. Für die Fußballfans steht jetzt schon fest, dass der Italiener eine Fehlbesetzung ist.

Die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war für die Sbornaja, die russische Fußballnationalmannschaft, schnell vorbei. Nach einer insgesamt schwachen Leistung schied die Mannschaft des italienischen Trainers Fabio Capello schon in der Vorrunde aus. Nun steht der Trainer in der Kritik.

Capello hatte mit neun Millionen Euro Jahresgehalt den höchstdotierten Vertrag aller WM-Trainer. Der Vertrag läuft bis 2018. Eine vorzeitige Kündigung käme den russischen Fußballverband teuer zu stehen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur ITAR-TASS würde eine Vertragsstrafe in Höhe von über 18 Millionen Euro fällig. Die Zeitung „Sport-Express“ berichtet sogar über eine Summe von 32 Millionen Euro, so viel wie Capello bis zum Ende der Vertragslaufzeit ohnehin verdienen würde.

Verband hält an Capello fest – zum Ärger der Fans

Nikolaj Tolstych, Vorsitzender des russischen Fußballverbandes, sagte im Interview der russischen Agentur „R-Sport“, dass Capello seine Arbeit bis zur WM 2018 in Russland fortsetzen solle. Nicht alle sind dieser Meinung. Capellos Rolle beim frühen WM-Aus der Sbornaja wird in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert. „Capello, go home“, fordert Fußballkommentator Iona Andronow und macht sich weiter Luft: „ Ich will nicht mehr, dass Capello die Nationalmannschaft meines Landes trainiert.“  Sergej Galickij, ein einflussreicher Geschäftsmann und Besitzer des Fußballclubs „Krasnodar“ kritisiert den russischen Fußballverband via Twitter für die großzügige Abfindungsregelung in Capellos Vertrag: „Das ist eine riesige Schande.“  

Der Fußballreporter Walerij Winokurow findet, dass Capello die schlechte Stimmung gegen ihn selbst zu verantworten habe. „Wie alle ausländischen Trainer in Russland hat er sich sehr schnell typisch russische Eigenschaften angewöhnt, leider nur negative“, sagte er. So sei es mit dem früheren Nationalmannschaftstrainer Dick Advocaat gewesen und auch mit Luciano Spaletti, der den Sankt Petersburger Fußballverein „Zenit“ trainierte. Sie hätten schnell gelernt, Verantwortung von sich zu weisen, stattdessen sei immer der Schiedsrichter Schuld.  In Holland und Italien kämen sie mit so einer Einstellung nicht durch. Einzig Guus Hiddink, der die russischen Fußballer ins Halbfinale der EM 2008 führte, sei eine Ausnahme gewesen, sagte Winokurow. Wladimir Geskin, Fußballanalytiker der Zeitung „Sport-Express“ teilt seine Meinung. Hiddink sei ein hervorragender Trainer gewesen, unter dem die Mannschaft einen tollen Zusammenhalt entwickelt hätte. Unter Capello herrsche dagegen eine Stimmung wie in der Kaserne.

Wie geht es weiter?

Geskin findet, Capello solle freiwillig zurück treten: „Wenn er ein anständiger Mensch ist, kündigt er von sich aus“, sagte er. Er sollte dem Beispiel anderer Nationaltrainer folgen, die nach dem Ausscheiden ihrer Mannschaften ihren Rücktritt zumindest angeboten hätten.

Die Frage ist nur, was danach kommt. „Die Wahrscheinlichkeit einen Trainer zu finden, der die Situation verbessern könnte, ist minimal. Im Inland gibt es keine geeigneten Nachfolger, viele ausländische Trainer trauen sich nicht, in Russland zu arbeiten“, erklärt Geskin. Und selbst wenn sich ein guter Trainer finden würde, müsste der schon sehr bekannt sein. „Ausländer werden bei uns nur nach ihrem Bekanntheitsgrad ausgewählt“, stellt Geskin fest.

Das glaubt auch Winokurow. Da das russische Parlament der Personalie Fußballnationaltrainer zustimmen müsse, werde von vorn herein nur nach Trainern gesucht, deren Namen die Politiker sicher kennen. Capello hatte einen solch bekannten Namen. „Aber schon die Engländer waren sehr unzufrieden mit seiner Arbeit und viele russische Fußballexperten rieten von ihm ab“, führt Winokurow weiter aus.   

„Im Moment weiß niemand, was zu tun ist. Behalten kann man Capello eigentlich nicht“, sagt Geskin. „Aber es könnte auch ein Risiko sein, einen neuen Trainer einzustellen“, warnt er. Es sei zu kurzsichtig, die Probleme nur bei Capello zu suchen, dessen Trainingsstil nicht mit der russischen Fußballtradition zu vereinbaren sei. „Jeder Trainer wird das Problem haben, dass wir keine wirklich starken Spieler haben“, lautet Geskins Fazit. Wie sich das auf die kommende EM-Qualifikation auswirken wird, steht noch in den Sternen.

Am 3. Oktober wird Capello dem russischen Parlament seine Pläne vorlegen müssen. Dann könnte er bessere Argumente haben, denn am 8. September wird die Sbornaja in der EM-Qualifikation gegen Lichtenstein antreten. Immerhin gilt ein Sieg gegen den Fußballzwerg selbst in der gegenwärtigen Situation als wahrscheinlich.