Russland auf die harte Tour: Mit dem Rad von Ost nach West

Der österreichische Radfahrer Wolfgang Fasching will in 24 Tagen von Wladiwostok nach Sankt Petersburg. Foto: Pressebild

Der österreichische Radfahrer Wolfgang Fasching will in 24 Tagen von Wladiwostok nach Sankt Petersburg. Foto: Pressebild

„Russia coast to coast“ heißt das ehrgeizige Projekt des österreichischen Extremsportlers und Motivationstrainers Wolfgang Fasching. In nur 24 Tagen will er die 10 000 Kilometer von Wladiwostok nach Sankt Petersburg mit dem Fahrrad zurücklegen. Vergangenen Mittwoch fiel der Startschuss für den Weltrekordversuch.

Stell dir vor, du wachst auf und weißt, dass du heute 450 Kilometer auf deinem Fahrrad zurücklegen musst. Und das nicht nur heute, sondern morgen und übermorgen und die ganzen nächsten 24 Tage. Für Wolfgang Fasching ist das eine schöne Vorstellung, er findet das einfach „fantastisch".

Der 46-jährige Österreicher startete sein Projekt „Russia coast to coast" am vergangenen Mittwoch und möchte seinen zahlreichen Rekorden damit einen neuen hinzufügen. Innerhalb von nur 24 Tagen will er von der russischen Pazifikküste zur russischen Ostseeküste fahren – von Wladiwostok nach Sankt Petersburg. Das sind 10 000 Kilometer oder, etwas anschaulicher, einmal quer durch die USA und wieder zurück oder die dreifache Strecke der diesjährigen Tour de France. Für Fasching ist es „die größte Herausforderung in meinem Leben", wie er gegenüber RBTH erklärt. Und das soll etwas heißen, denn Fasching ist kein Unbekannter in der Welt des Extrem-Radsports. Drei Mal schon gewann er das „Race Across America", das in neun Tagen von Kalifornien nach Maryland führt. Auch den

australischen Kontinent hat er schon in Rekordzeit mit dem Rad durchquert.

Aber das alles sei nicht mit der Tour durch Russland vergleichbar, sagt er. „Der größte Unterschied ist die Länge der Strecke. Die ist bei ‚Race Across America' etwa 5 000 Kilometer lang, in Australien habe ich etwa 4 200 Kilometer zurückgelegt", erklärt Fasching. In Russland warten 10 000 Kilometer auf ihn. Dabei sind 80 000 Höhenmeter zu bewältigen. Die klimatischen Bedingungen ändern sich mehrfach auf der Strecke. Zudem seien die Straßen nicht so gut wie in den USA oder Australien, beschreibt Fasching die Herausforderungen, die auf ihn warten. Aber gerade das mache auch den Reiz aus. Ähnlich wie bei einem Bergsteiger, für den die Besteigung des höchsten Berges der Welt der größte Erfolg ist, ist es für Fasching die Fahrradtour durch das größte Land der Welt.

 

Nicht nur die Beine zählen, sondern auch der Kopf

Ein ganzes Jahr hat Fasching in die Vorbereitungen investiert. Eine zwölfköpfige Crew unterstützt ihn auf der Tour. Die Crew begleitet ihn und transportiert in ihren Fahrzeugen unter anderem zwei Ersatzfahrräder, eine Dusche und sogar eine Waschmaschine. Um sich für sein außergewöhnliches Vorhaben fit zu machen, hat Fasching ein kräftezehrendes Training absolviert und nach eigener Schätzung innerhalb der vergangenen acht Monate 50 000 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt. Fasching isst und trinkt während der Fahrt. Er nimmt hochkalorische Nahrung zu sich, um trotz seines übermäßig hohen Energieverbrauchs bei Kräften zu bleiben.

Bis zu 18 Stunden wird Fasching pro Tag im Sattel sitzen. „Ich werde nicht mehr als drei bis vier Stunden am Tag schlafen können", sagt er. Er rechnet damit, dass der erste körperliche Einbruch nach etwa zehn Tagen kommen wird: „Dann werde ich wohl sehr erschöpft sein", glaubt er. Die Müdigkeit mache ihn anfälliger für Stürze und Verletzungen. Fasching fügt hinzu: „Dann kommt es auf die mentalen Kräfte an." Daher sei in der Vorbereitung ein „hartes mentales Training" ebenso wichtig wie die physische Vorbereitung gewesen, so Fasching. Der Extremsportler kennt sich damit aus: Er ist auch ein bekannter Motivationstrainer und Autor von Büchern wie „Leben an der Grenze" und „Du kannst erreichen, was Du willst!". Kein Wunder, dass er da schon vor Beginn der Tour Gelassenheit demonstrierte: „Ich hoffe auf einen glücklichen Ausgang", sagt er ganz unaufgeregt.

Russland ist für Fasching nicht nur in sportlicher Hinsicht interessant. Es sei ein „sehr schönes Land" voller „netter Menschen", findet er. Vielleicht wird

er dann auch durch die faszinierende geografische Vielfalt des Landes für seine Strapazen entschädigt. Faschings Weg führt durch endlose Pinienwälder und vorbei am Ufer des Baikal-Sees, aber auch durch die Straßen Moskaus. Der Extremsportler begegnet dabei vielerorts der Geschichte, so etwa in Birobidschan, der Hauptstadt des Jüdischen Autonomen Gebiets. In dieser sumpfigen Ecke von Russlands Fernem Osten sollten einst russische Juden zu sowjetischen Bürgern umerzogen werden, ein antisemitisch motiviertes Vorhaben der Stalin-Ära.

Inzwischen dürfte Fasching seinem Ziel näher gekommen sein. Aktuellen Angaben auf seiner Homepage  zufolge war er dem Zeitplan in der dritten Nacht bereits 13 Stunden voraus.

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