Boykott-Aufruf: Russland bleibt WM-Gastgeber 2018

Die Fifa zeigt sich unbeeindruckt von Boykottaufrufen westlicher Politiker. Foto: AP

Die Fifa zeigt sich unbeeindruckt von Boykottaufrufen westlicher Politiker. Foto: AP

Eine Reihe hochrangiger Politiker aus europäischen Ländern hat dazu aufgerufen, Russland als Gastgeber für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 auszutauschen. Die Fifa besteht jedoch weiterhin darauf, dass die nächste Weltmeisterschaft in Russland ausgetragen wird.

Kaum sind die Sambaklänge der Weltmeisterschaft 2014 verklungen, tritt das kommende Turnier 2018 in Russland in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch nicht sportliche Themen stehen im Vordergrund, vielmehr geht es um eine Entscheidung von hoher politischer Brisanz: Eine Reihe westlicher Politiker stellt die Frage, ob man Russland aufgrund seiner Haltung im Ukraine-Konflikt die Weltmeisterschaft in vier Jahren nicht entziehen könne.

 

Fußball-WM als Bestandteil von Sanktionen

Wenn auch der Forderung der US-Senatoren Mark Kirk und Dan Coats, die russische Nationalmannschaft nach Angliederung der Krim von der Weltmeisterschaft 2014 auszuschließen, nicht ernsthaft nachgegangen wurde, so ist das Thema Ausschluss nun wieder aktuell. Hochrangige westliche Politiker haben die Fifa aufgefordert, den Austragungsort der WM 2018 zu überdenken.

So rief der britische Vize-Premierminister Nick Clegg zu härteren Sanktionen gegenüber Moskau auf. Seinen Worten zufolge ist es „unvorstellbar", Moskau die Möglichkeit zu geben, in den Prestigegenuss einer Durchführung der Weltmeisterschaft zu kommen. Clegg findet, das Verhalten Russlands habe alle Grenzen überschritten, und wenn man es

erlaube, die Weltmeisterschaft durchzuführen, würde sich die restliche Welt als schwach und scheinheilig darstellen.

Der britische Vize-Premierminister wird von Mitgliedern aus dem Deutschen Bundestag unterstützt. Die Aberkennung der Fußball-Weltmeisterschaft würde Russland weit mehr einschränken als wirtschaftliche Sanktionen, sagte der christdemokratische Politiker Michael Fuchs der deutschen Wirtschaftszeitung „Handelsblatt Online".

Kritik kam auch aus den Reihen der Fußballspieler. Der ehemalige Co-Trainer der niederländischen Nationalmannschaft John van 't Schip rief zu einem Boykott der Weltmeisterschaft in Russland auf: „Ich wende mich an die Königliche Fußballunion der Niederlande, an die Regierung des Landes und die Fifa: Boykottieren Sie die Fußball-WM in Russland!", schrieb der ehemalige Nationalspieler via Twitter. Der Eintrag war auch mit dem Hashtag #MH17 versehen, der Nummer des Flugs der Malaysian Airlines, der auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur am 17. Juli im Südosten der Ukraine abgeschossen wurde.

 

Russland sichert sich die Unterstützung der Fifa

Doch diese Aufrufe haben die Fifa-Leitung bisher nicht überzeugt. In einer offiziellen Stellungnahme sagten die Vertreter der Organisation, dass ein Boykott von Sportereignissen sowie eine Politik der Isolation und Konfrontation keine effektiven Methoden für eine Konfliktlösung seien. „Die Weltmeisterschaft verbindet die Mannschaften und Länder der ganzen Welt", heißt es in der Mitteilung. Die Fifa ist weiterhin überzeugt davon, dass die Weltmeisterschaft 2018 in Russland stattfinden wird.

Der russische Sportminister Witalij Mutko meinte indes, es sei nicht zielführend, auf jede schrille Äußerung von Politikern zu reagieren. „Es hat schon Boykotte in der Geschichte des Weltsports gegeben: Die Olympiade

in Moskau wurde 1980 boykottiert. Später haben alle eingeräumt, dass das ein Fehler war. Deshalb ist es sinnlos, auf Äußerungen von Politikern zu reagieren, die sich damit nur einen Namen machen wollen", sagte Mutko.

Eine ähnliche Position nimmt auch der Präsident der russischen Fußballunion Nikita Simonjan ein. Gegenüber RBTH erklärte er: „Das Ziel der Weltmeisterschaft ist es, alle teilnehmenden Länder zu vereinen und ein Turnier unter dem Fair-Play-Motto durchzuführen. Die Weltmeisterschaft ist ein Fest des Fußballs und nicht ein Feld für politische Diskussionen." Er bemerkte weiter: „Vor der WM 2014 gab es viele Diskussionen, dass die Infrastruktur Brasiliens nicht bereit sei, die Spiele aufzunehmen, und die Zuschauer wegen der hohen Straßenkriminalität nicht nach Südamerika fahren würden. Das Ergebnis war, dass die WM 2014 die bestbesuchte WM in der gesamten Geschichte des Fußballs war, und die Qualität der Stadien ließen keine Zweifel übrig." Der Sportexperte finde Äußerungen über einen Boykott schade, doch er habe keine Zeit, darüber nachzudenken. „Jetzt müssen sich alle wieder beruhigen und dem Tagesgeschäft sowie der Vorbereitung des Turniers 2018 nachgehen."

Der Ehrenpräsident der Fußballunion der Russischen Föderation und früherer Vizepräsident der Fifa (1980-1996), Wjatscheslaw Koloskow, sagte gegenüber RBTH, die russische Regierung habe sich die Unterstützung der Fifa gesichert: „Die Weltmeisterschaft 2018 wird in Russland stattfinden, daran gibt es keinen Zweifel. Wir haben diese Situation mit den Herren

Blatter und Valcke von der Fifa besprochen und sie unterstützen uns. In der Fifa sind alle daran interessiert, dass die Ereignisse in der Ukraine nicht die Organisation der Weltmeisterschaft behindern." Koloskow glaubt auch nicht, dass eine Nationalmannschaft dem Boykott-Aufruf nachkommen werde, „nur, damit manche heimischen Politiker den Zuspruch dafür ernten". „Ein Boykott ist auch ein sehr starker Schlag gegen das Ansehen des Landes und die eigenen Fußballer, die eine kräftezehrende Qualifikation durchstehen müssen, um an der Endrunde teilzunehmen", unterstrich Koloskow. „Wir bereiten uns akribisch darauf vor, die WM bei uns auszurichten", ergänzte der Funktionär: „Zurzeit bauen wir die nötige Infrastruktur: Stadien, Quartiere, Hotels und so weiter. Vielleicht verzögern sich die Fristen beim Bau ein bisschen, aber ich bin sicher, dass man alles pünktlich schaffen wird."

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