Russische Fußballliga: Wer wird Meister 2015?

Der Kauf von Ezequiel Garay für sechs Millionen Euro Ablöse von Benfica Lissabon soll die Abwehr von Zenit St. Petersburg verstärken. Foto: ITAR-TASS

Der Kauf von Ezequiel Garay für sechs Millionen Euro Ablöse von Benfica Lissabon soll die Abwehr von Zenit St. Petersburg verstärken. Foto: ITAR-TASS

Am Wochenende startet die neue Fußballsaison in Russland. Experten zufolge sind Zenit und Dynamo als Titelanwärter zu sehen, die anderen Top-Clubs wie ZSKA, Lokomotive und Spartak werden wohl Anlaufschwierigkeiten bekommen. RBTH hat sich die Mannschaften genauer angesehen.

ZSKA Moskau: Die Zeichen stehen auf Stabilität

Vom Meister, dem Moskauer Klub ZSKA, könnte man spektakuläre Neueinkäufe erwarten, vor allem, wenn man die eigenen internationalen Ansprüche und Ziele in der Champions League betrachtet. Doch Klubpräsident Jewgenij Giner und der Trainer Leonid Sluzkij finden, dass die letzten Erfolge im Vertrauen auf altbewährte Kräfte und langjährige Stammspieler begründet lag.

Nach der Weltmeisterschaft in Brasilien waren viele Fußballklubs an der Übernahme des 21-jährigen ZSKA-Spielers Achmed Musa interessiert. Der nigerianische Stürmer hatte sich durch sein Tor in der Gruppenphase gegen Argentinien hervorgetan und geriet in den Fokus englischer Vereine. Der Serbe Zoran Tošić und der Schweizer Steven Zuber erhielten Angebote aus der Bundesliga. Doch Präsident Giner teilte in einem Gespräch mit, alle drei hätten sich dafür entschieden, bei ZSKA zu bleiben.

„Coach Sluzkij hat eine sehr eingespielte Mannschaft, die erneut um die russische Meisterschaft spielen wird", erklärt der ehemalige Spieler von ZSKA und der russischen Nationalmannschaft Andrej Solomatin. Er fügt aber hinzu. „Für einen erfolgreichen Auftritt in der Champions League braucht das Team jedoch Verstärkung. Wenn der Klub bis zum 1. September und dem Ende des Transferfensters nicht je einen starken Spieler für die Verteidigung und für die Außenbahn kauft, wird die Mannschaft wieder in der Gruppenphase scheitern."

 

Zenit Sankt Petersburg: Schlüsselpositionen in der Verteidigung zu vergeben

Im Gegensatz zu ZSKA war der Vizemeister aus Sankt Petersburg bisher aktiver auf dem Transfermarkt. Der Kauf von Ezequiel Garay für sechs

Millionen Euro Ablöse von Benfica Lissabon wird die Abwehr verstärken. Wie der portugiesische Zenit-Trainer André Villas-Boas sagte, sei man in der Meisterschaft zurückgefallen, weil ein starker Innenverteidiger gefehlt habe. Garay wurde soeben Vizeweltmeister mit Argentinien und in die Top-Elf der Endrunde gewählt. „Für einen Innenverteidiger ist Garay kompromisslos und schnell, er hat ein exzellentes Kopfball- und Positionsspiel", bemerkte der ehemalige Zenit-Coach Anatolij Byschowez. „Es ist schade, dass der Argentinier sich bei Real Madrid nicht durchsetzen konnte. Doch seine Auftritte in Portugal bei Benfica und in Brasilien bei der WM beweisen seine Weltklasse. Der Kauf Garays macht Zenit für mich zum Titelaspiranten Nummer eins."

 

Dynamo Moskau: Französisches Flair im Anflug

Der Moskauer Klub Dynamo, der vor Kurzem vom Milliardär Boris Rotenberg gekauft wurde, macht aktuell die meisten Schlagzeilen. Rotenberg verfügte rasch den Kauf der russischen Stars Alexandr Kokorin und Igor Denisow. Und auch für diesen Sommer tätigte er Neuerwerbungen: Der französische Mittelfeldspieler William Vainqueur von Standard Lüttich und der holländische Verteidiger bei Manchester United Alexander Büttner wurden Teil der Mannschaft. Für die beiden Spieler wendete der Klub 11,5 Millionen Euro auf. Eine Reihe russischer Medien vermeldet aktuell, dass Dynamo auch den französischen Internationalen Mathieu Valbuena von Olympique Marseille kaufen wird.

„Viele Fans der Weiß-Blauen sind besorgt, dass Valbuena nur des Geldes wegen nach Russland kommt. Doch durch seine bisher tadellose Einstellung als Fußballprofi auf und neben dem Platz hat sich der quirlige Offensivspieler einen guten Ruf in Europa gemacht", bemerkte Experte Anatolij Byschowez und fügte hinzu: „Genau so ein Kreativer fehlt Dynamo noch. Valbuena kann zum interessantesten Russland-Legionär in der Liga werden!"

Klicken Sie das Bild an, um es näher anzusehen. Bild: Natalia Michajlenko.

 

Spartak Moskau: Mit Schweizer Präzision und Schirokows Power

Die Führung des Hauptstadtklubs meldete ebenfalls Ambitionen für den Meistertitel an. In der neuen Saison setzte der erfolgreichste russische Klub auf einen neuen Fachmann an der Linie, Murat Yakin. Der Schweizer Übungsleiter hat sich beim FC Basel international einen Namen gemacht. So führte er sein Team zweimal zur Schweizer Meisterschaft und in der Saison 2012/2013 bis zum Halbfinale der Europa-League und ein weiteres

Jahr später bis ins Viertelfinale. Auch der Kapitän der russischen Nationalmannschaft Roman Schirokow soll die mehr als zehnjährige titellose Zeit von Spartak beenden. Der erfahrene 33-jährige Mittelfeldstratege schloss sich der Mannschaft im Juli an und unterschrieb bei den Rot-Weißen einen Zweijahresvertrag.

Nach Ansicht des ehemaligen Spartak-Trainers Sergej Juran wird Yakin es allerdings schwer haben, Spartak voranzubringen: „Die russische Meisterschaft ist sehr speziell, Ausländer haben es schwer. Zico, Nevio Scala, Ruud Gullit, Slaven Bilić und Unai Emery – keiner von ihnen hat je eine Trophäe gewonnen, obwohl sie recht erfahrene Trainer waren", sagt Juran. „Für Yakin ist es die erste Auslandsstation als Trainer, er könnte daran zerbrechen. Der Druck ist immens, da die Klubführung und die Fans nach Titel gieren."

 

Lokomotive Moskau: Verlust der Spitze

Der Drittplatzierte der Vorsaison Lokomotive Moskau hatte bisher eher eine holprige Saisonvorbereitung: Den Klub haben zwei seiner besten Spieler verlassen, der Marokkaner Moubarak Boussoufa und der Franzose Lassana Diarra. „Ich beneide den Trainer des Eisenbahnerklubs Leonid Krawtschuk nicht. Seine zwei Schlüsselspieler, die das System am Laufen hielten, eine Woche vor dem Start der Meisterschaft zu verlieren, ist ein schwerer Schlag. Der Kauf von Charles Kaboré aus Burkina Faso und Manuel Fernandes aus Portugal als Ersatz wird die Abgänge wohl nicht kompensieren", bemerkt Sergej Juran.

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