Moskau wird wieder Metropole des Marathons

Mehr als 13 000 Läufer starteten am 21. September beim Moskau-Marathon. Foto: Jewgenji Biljatow/RIA Novosti

Mehr als 13 000 Läufer starteten am 21. September beim Moskau-Marathon. Foto: Jewgenji Biljatow/RIA Novosti

Der Laufsport wird in Russland wieder beliebter. Insgesamt 13 000 Läufer nahmen am diesjährigen Moskau-Marathon in der russischen Hauptstadt teil. Das sind zweimal so viel wie im vergangenen Jahr. Laut Experten tragen vor allem soziale Netzwerke und die digitale Technik zur wachsenden Beliebtheit des Laufsports bei.

Am Sonntag fand in der russischen Hauptstadt der zweite internationale Moskau-Marathon statt. Das Ziel erreichte nach der klassischen Entfernung von 24 Kilometern und 195 Metern als Erster der Kenianer Kibet Barngetuni. Das Preisgeld betrug knapp 1,7 Millionen Rubel (etwa 34 817 Euro). Mehr als 13 000 Läufer nahmen an dem Marathon teil. Zum Vergleich: 2013 liefen noch lediglich 6 500 Teilnehmer den Moskau-Marathon.

 

Ein Lauf für die Freundschaft

Doch 13 000 Teilnehmer stellen für den Moskau-Marathon bei Weitem keinen Rekord dar. Am ersten Moskau-Marathon im Jahr 1981 nahmen

Am Moskau-Marathon nahmen in diesem Jahr mehr als 13 000 Menschen teil. Davon sind 4 257 Personen die komplette Marathondistanz gelaufen (42 Kilometer und 195 Meter). 5 300 Personen haben zumindest 10 000 Meter geschafft.

Im vergangenen Jahr haben von 6 500 Teilnehmern 2 366 Läufer die volle Distanz absolviert und 2 412 die 10 000 Meter.

zunächst nicht mehr als 200 Sportler teil, doch ihre Anzahl wuchs von Jahr zu Jahr. In Mode kam das neue Hobby Laufen, nachdem Michail Gorbatschow an die Macht gekommen war. Die neue politische Orientierung in dieser Zeit öffnete das Land auch gegenüber Neuheiten im Sport. Während der Perestroika standen die Moskauer Marathonläufe ganz im Zeichen der Freundschaft mit den USA. Damals waren ausländische Sportler ständige Teilnehmer am Moskauer „Feiertag der gesunden Lebensführung". Der Höhepunkt dieser Massenbewegung war der Marathon 1990, an dem 18 500 Menschen teilnahmen – 11 000 schafften die gesamten 42 Kilometer.

Im Jahr darauf hätte der Moskau-Marathon seine Teilnehmerzahl nochmals verdoppeln können, doch der Zerfall der Sowjetunion und die darauffolgende Wirtschaftskrise setzten der weiteren Entwicklung des Massensports ein jähes Ende. Das Laufen als Hobby verblieb einer sehr überschaubaren Gruppe von Sportlern. Bis vor Kurzem schien die Tradition des Laufsports fast vollständig verloren gegangen zu sein, die großen Laufsport-Veranstaltungen lagen längst in der Vergangenheit.

„Vor drei Jahren habe ich, inspiriert von den Läufen in Berlin und Paris, entschieden, einen Marathon zu veranstalten", erzählt Dmitri Tarasow, der Organisator des internationalen Moskau-Marathons. Gemeinsam mit dem Konzern Nike gründete er den Verein Run Moscow, den er an Universitäten bekannt machte. Schon nach dem ersten Wettlauf habe die Teilnehmerzahl der Laufclubs stark zugenommen, erinnert sich Tarasow, das Interesse am

Laufsport in Moskau sei deutlich gestiegen. „Die neue Generation Läufer hat sich auf gut organisierten Veranstaltungen herausgebildet, und wir möchten diesen Leuten einen Marathon in Moskau schenken, der ihren hohen Anforderungen genügt", sagt der Laufbegeisterte.

Die Bemühungen der Orgnisatoren waren nicht vergeblich: Die Popularität des Laufsports ist in Moskau in den vergangenen Jahren stark angestiegen, besonders unter jungen Leuten. Experten merken an, dass die digitale Technik bei dieser Entwicklung eine nicht unwichtige Rolle spiele. „Laufen ist mittlerweile nicht nur modern, sondern auch interessant – es geht nicht mehr nur darum, seinen Lauf zu beenden", sagt Wladislaw Melkow, Trainer der Laufschule loverunning. Man überwache seinen Lauf mit Programmen, die den Puls und den Kalorienverbrauch erfassen und die bewältigte Strecke aufzeichnen, führt er aus. „Nach dem Laufen werden diese Daten in ein Online-Trainingstagebuch oder auf ein soziales Netzwerk hochgeladen, wo gleichgesinnte Freunde die Zusammenfassung und den nächsten Lauf sehen können und inspirierende Kommentare schreiben. Das spornt den Läufer an und ermuntert ihn, einen Schritt weiter zu gehen", erklärt der Laufexperte.

 

„Warum laufen Sie nicht?"

Auch Sportler im fortgeschritteneren Alter laufen. „Ich bin durch eine ganz persönliche Geschichte zum Laufen gekommen", erzählt beispielsweise Eduard Besuglow, der an vielen Läufen der World Marathon Majors, unter anderem am Boston Marathon, teilgenommen hat und auch am Sonntag in Moskau an den Start ging. „Vor drei Jahren war ich Mannschaftsarzt beim Fußballclub Lokomotive Moskau, und Freunde baten mich, jemanden zu untersuchen", erzählt der Marathon-Mann. „Es stellte sich heraus, dass diese Person, die ich untersuchen sollte, Aleksei Panferow war, ein Triathlon-Star." Der Leistungssportler wollte sich bei Besuglow einem bestimmten Test unterziehen lassen, der die maximale Leistungsfähigkeit eines Sportlers bestimmt. Seine Ergebnisse beeindruckten den Arzt, sie seien besser gewesen als die der meisten Spieler in der Mannschaft. Besuglow erinnert sich: „Als er ging, fragte er mich: ‚Warum laufen Sie nicht?' Eine Woche später schickte er mir ein Geschenk: Laufschuhe. Zu dieser Zeit habe ich 115 Kilogramm gewogen und einmal pro Woche Fußball gespielt. Damals konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass ich jemals laufen würde." Doch dann, so erzählt Besuglow weiter, sei die Gelegenheit gekommen, die geschenkten Laufschuhe zu tragen. „In meinem Fitnessstudio fand eine Sommerolympiade statt, dazu gehörte auch ein

Wettrennen über drei Kilometer. Ich nahm daran teil, habe aber nur den sechsten Platz belegt. Ich steckte mir selbst das Ziel, im folgenden Jahr zu gewinnen. Ich habe mich gut vorbereitet, gewann und blieb dabei." Danach begann er, an großen Marathonläufen teilzunehmen, unter anderem war er in New York, Berlin, Rio und Amsterdam am Start. „Es hat mich einfach gepackt und jetzt würde ich ohne das Laufen keinen Sinn mehr in meinem Leben sehen", erklärt Besuglow.

Der Moskau-Marathon ist bislang noch eine lokale Veranstaltung: 80 Prozent der Teilnehmer sind Einwohner der russischen Hauptstadt, bisher haben nicht viele Läufer aus dem Ausland teilgenommen. Dieses Jahr waren rund 400 US-Amerikaner und 100 Franzosen mit dabei. Die Organisatoren wollen den Marathon jedoch international attraktiver machen: „In ein paar Jahren werden wir uns mehr auf das ausländische Publikum konzentrieren. Wir haben Beziehungen zu den Vorsitzenden von Laufclubs auf der ganzen Welt, und viele von ihnen wollen selbst hierher kommen und ihr Team vorstellen", sagt Dmitri Tarasow, der mit seinem Marathon erst noch am Anfang steht.

Neben dem Moskau-Marathon gibt es noch zwei weitere große Laufsport-Veranstaltungen in Russland: den internationalen Marathon „Weiße Nächte“ in Sankt Petersburg, der im Juni stattfindet, sowie den internationalen Sibirien-Marathon in Omsk im Süden Sibiriens, rund 2 700 Kilometer von Moskau entfernt. Der Sibirien-Marathon fand ebenfalls am 21. September statt.

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