Russische Wunderkinder des Sports

Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

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RBTH stellt fünf außergewöhnliche russische Sportlerinnen und Sportler vor, die bereits in jungen Jahren im Hochleistungssport erfolgreich waren.

Hinsichtlich der Zahl von Wunderkindern pro Sportart belegt Russland zweifellos den ersten Platz im Eiskunstlauf. Der zweifache Olympiasieger Jewgeni Pljuschtschenko errang seine ersten Erfolge bei den Senioren bereits 1998, als er mit 15 Jahren der jüngste Welt- und Europameister wurde. Irina Sluzkaja, die zweimalige Olympiamedaillengewinnerin, absolvierte ihren ersten Wettkampf bei den Seniorinnen, die Nebelhorn Trophy, im Alter von 14 Jahren.

 

Julija Lipnizkaja (Eiskunstlauf)

Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Heutzutage gibt es im Eiskunstlauf eine strenge Altersgrenze, die die Teilnahme von sehr jungen Mädchen bei den großen internationalen Wettkämpfen der Seniorinnen verhindert. Deshalb war Julija Lipnizkaja sehr lange Zeit vom Kader ausgeschlossen, obwohl sie mit 13 Jahren russische Vizemeisterin bei den Seniorinnen geworden war und alle saisonalen Juniorenwettkämpfe gewonnen hatte. Aber als sie schließlich aus dem Schatten trat, staunte die Welt. In Sotschi 2014 wurde Lipnizkaja zur wichtigsten Läuferin im Teamwettbewerb der Eiskunstläuferinnen. Sie holte die Höchstpunktzahl und wurde somit zur jüngsten Olympiasiegerin in der gesamten Geschichte des Eiskunstlaufs.

 „Als ich in Moskau die Kür verpatzte, hieß es zuerst, dass die Mannschaftsauswahl gemäß der Ergebnisse dieses Turniers stattfindet. Dann hieß es, dass die Mädchen für die Olympiade beim Grand-Prix-Finale in Japan ausgewählt werden. Ich zeigte das beste Ergebnis von allen russischen Teilnehmerinnen, aber mir wurde gleich mitgeteilt, dass die Auswahl trotzdem bei der russischen Meisterschaft getroffen wird. Doch nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass auch das nicht stimmte, alles sollte sich bei der Europameisterschaft entscheiden. Als ich gewann, war mir daher trotzdem nicht klar, dass jetzt alles vorbei ist und ich in der Auswahl dabei bin..." (Aus einem Interview mit „Sport-Express" vor der Olympiade 2014)

 

Maria Scharapowa (Tennis)


Foto: Anton Denissow/RIA Novosti

In den beiden letzten Jahrzehnten lief es auch für die Wunderkinder im Tennissport ausgezeichnet. Die Vertreterin dieser Phalanx, die am meisten hervorstach, ist die Silbermedaillengewinnerin der Olympiade in London, Maria Scharapowa.

Im Alter von sieben Jahren siedelte Scharapowa mit ihrem Vater in die USA über, um mit dem Training an den dortigen Tennisakademien zu beginnen. Im November 2000 gewann Scharapowa mit 13 Jahren die Eddie Herr

International Junior Tennis Championships für Tennisspielerinnen in der Altersklasse bis 16 Jahre und bekam den Rising Star Award als „außerordentlich vielversprechende Sportlerin". Nur vier Jahre später gewann Marija sensationell in Wimbledon und wurde somit die erste Russin, die in diesem Turnier siegte. Sie schlug im Finale die Wimbledon-Titelverteidigerin Serena Williams, die sie auch am Ende dieser Saison und im Finale der WTA Tour Championships bezwang. Am 22. August 2005 führte Scharapowa als erste Russin die Weltrangliste der WTA an. Und 2012, bei den Olympischen Spielen in London, ging sie als erste Fahnenträgerin in die Geschichte des russischen und sowjetischen Sports ein.

„Ich fühle mich einfach russisch, das ist tief in mir drinnen. Immer, wenn das Flugzeug hier (in Russland) landet, ist es, als ob ich endlich wieder nach Hause komme." („Wedomosti")

 

Andrei Kirilenko (Basketball)


Foto: AP

Basketball ist in Russland keine allzu populäre Sportart, deshalb sind bekannte Wunderkinder hier selten. So ist der Erfolg von Andrei Kirilenko, der im Januar 1997 mit nicht einmal 16 Jahren in den Mannschaftskader der Profibasketballmannschaft von BK Spartak Sankt Petersburg aufgenommen wurde, eher eine Ausnahme von der Regel. Fünf Jahre später, nach der Durchgangsstation ZSKA, war der russische Basketball-Star bereits bei der NBA. Bei den Utah Jazz spielte Kirilenko dann zehn Saisons und erwarb sich den Ruf des wichtigsten Allrounders der Liga. In dieser Phase spielte Andrei als erster Russe beim NBA All-Star Game (2004), gewann Gold bei der Europameisterschaft 2007, wurde wertvollster Spieler (MVP) dieses Turniers und von der Fiba Europe als „Spieler des Jahres" ausgezeichnet. In Kirilenkos Vita gibt es auch eine Olympiamedaille – Bronze in London 2012.

„Als Kind hatte ich ein einziges Paar Sportschuhe pro Saison. Wenn sie kaputt gingen, musste man sie wieder zusammenflicken und ausbessern. Aber jetzt – das ist purer Luxus! Alle drei Spiele bei der NBA gibt es neue Sportschuhe. Sie werden in großen Kartons geliefert, da kannst du zu jedem Training in neuer Ausstattung kommen." („Sowjetski sport")

 

Michail Aljoschin (Motorsport)


Foto: Witali Beloussow/RIA Novosti

Im russischen Automobilsport gab es immer genügend junge, aussichtsreiche Piloten. Aufgrund von Finanzierungsproblemen sind sie bei den ausländischen Fans jedoch fast alle unbekannt.

Michail Aljoschin hatte mehr Glück. Mit elf Jahren wurde er Landesmeister im Kartfahren, mit 14 trat er sein Debüt bei der russischen Formel-1600 an (zwei Podiumsplätze und fünfter Platz in der Gesamtwertung der Saison 2001). Zwei Jahre später nahm Aljoschin bereits an der deutschen Formel

Renault 2000 teil. Dort vergingen einige Jahre, bis der Anpassungsprozess abgeschlossen war und sich danach eine herausragende Saison 2005 ergab: Sieg, Pole-Position, sieben Podiumsplätze und der zweite Platz in der Gesamtwertung. Dann eine neue Stufe: das internationale Rennen Formel Renault 3.5 und der Sieg in der Einzelwertung 2010 – Aljoschin besiegte damit unter anderem Daniel Ricciardo und Jean-Éric Vergne. Danach schlossen sich Testfahrten im Team von Renault F1 an. Der Weg zur Formel 1 schien also offen, doch es gab massive Budget-Probleme. Die Karriere stockte, bis Aljoschin sich zu einem gewagten Schritt entschloss – zum Sprung über den großen Teich, zu den IndyCar Series als erster Russe. Schmidt Peterson Motorsports zählt nicht zu den Großen der Serie, aber beim Grand-Prix Houston feierten beide Piloten des Teams – der Franzose Simon Pagenaud und der Russe Michail Aljoschin – den ersten Doppelsieg der Team-Geschichte.

„Schon Hemingway sagte, dass er nur Stierkampf, Bergsteigen und Autorennen als Sport ansieht, alles andere sind bloß Spiele. Ich glaube, in gewisser Hinsicht soll es auch so sein. Rennen sollten riskant sein, und die, die daran professionell teilnehmen, sollten das Risiko kennen. In Europa ist diese Gefahr heute nicht mehr so offensichtlich wie hier (bei den IndyCar Series)." (f1news.ru)

 

Igor Akinfejew (Fußball)


Foto: Alexander Wilf/RIA Novosti

Die Torhüterrolle im Fußball ist etwas ganz Spezielles. Ohne eisernen Willen geht hier nichts. Aber wenn durchtrainierte Burschen auf dem Feld herumhacken, reicht ein starker Wille allein nicht aus. Es braucht auch noch überdurchschnittliches Talent. Deshalb stehen in den Toren der russischen Meisterklubs nur sehr wenige Junioren.

Igor Akinfejew spielte sein erstes Spiel für den Kader des ZSKA im Alter von

nicht einmal 17 Jahren: 2003 in Petersburg, beim Duell gegen Zenit um den russischen Pokalsieg. Akinfejew kam in der zweiten Halbzeit beim Stand von 0:2 zum Einsatz und schaffte es, sein Tor sauber zu halten. Zwei Monate später erfolgte dann das Debüt in der Premjer-Liga. Wieder verteidigte Igor sein Tor und hielt bei dieser Gelegenheit einen Elfmeter gegen Ende des Spiels. Direkt danach folgte der Ruf in die russische Nationalmannschaft. Das erste Mal spielte Akinfejew im April 2004 für die Nationalmannschaft, da war er etwas über 18 Jahre alt, und wurde damit zum jüngsten Torhüter der Mannschaftsgeschichte.

„Ich habe nur eine Motivation: Fußballspielen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand, der Fußball nicht liebt, diese ganzen Etappen durchlaufen kann: für die Jugend spielen, den Double machen, in die Nationalmannschaft kommen, Hunderte Spiele absolvieren. Da geht's nicht nur um Geld oder Ruhm, das ist Schwerstarbeit. Wenn du Fußball liebst und bereit bist, bis zum Umfallen zu ackern, dann hast du die Chance, dass alles gelingt. Andere Rezepte gibt es nicht." (www.bobsoccer.ru)