Russlands Sportler des Jahres 2014

Foto: AFP/East News

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Von den olympischen Triumphen der Eiskunstläufer, zum Super-Debüt von Daniil Kwjat in der Formel 1 bis hin zum erfolgreichen Comeback von Maria Scharapowa nach ihrer Verletzung: Das waren die russischen Sportler des Jahres 2014.

Julija Lipnizkaja, Eiskunstlauf


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Im Februar 2014 schaffte es die 16-jährige Julia Lipnizkaja auf die ersten Seiten der wichtigsten internationalen Medien, nachdem sie ihr Kurzprogramm beim Mannschaftswettkampf im Eiskunstlauf auf dem olympischen Eis in Sotschi zur Filmmusik von „Schindlers Liste" fehlerfrei absolviert hatte. Das Mädchen im roten Kleid wurde nicht nur von den Zuschauern und Experten mit Lob überhäuft, sondern sogar von Steven Spielberg höchstpersönlich, der Julia einen Brief schickte. Gold gab es für das gesamte russische Team, der Star war allerdings zweifellos Lipnizkaja.

Doch leider mangelte es dem jungen Talent an psychischer Stabilität, um das lange Turnier auf gleichbleibendem Niveau durchzustehen – bei den Einzelläufen erlaubte sie sich Fehler und kam nur auf den fünften Platz. In Interviews mit russischen Medien gestand Lipnizkaja ein, dass es für sie noch schwierig sei, das hohe Niveau über längere Zeit zu halten. Physische Ermüdung und die schwere Last der Verantwortung können wohl auch ihre Abwesenheit während der Preisverleihung des „Cup of China" im November erklären. Ihr Fehlen hatte schwere Kritik hervorgerufen. Die Eiskunstläuferin erklärte hinterher, dass sie einfach mit den Nerven am Ende gewesen sei und das Ereignis schlicht vergessen habe (TASS).

 

Adelina Sotnikowa, Eiskunstlauf


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Ähnlich spektakulär und erfolgreich war auch Adelina Sotnikowa, die ein Feuerwerk unter der Kuppel des Eispalasts „Eisberg" im olympischen Sotschi entzündete. Die 18-jährige Eiskunstläuferin stand zu Beginn im Schatten Julia Lipnizkajas, ihrer noch jüngeren Kollegin im Nationalteam, dann gelang es ihr aber in den Einzelläufen, ihr ganzes Können zu zeigen. Das Kürprogramm von Sotnikowa „Rondo capriccioso" beinhaltete einige extrem schwierige Elemente, dank derer die Russin nicht nur die berühmte Italienerin Carolina Kostner bezwang, sondern auch die Favoritin aus Südkorea, Kim Yuna.

Der Sieg Sotnikowas löste einen Skandal aus: Einige Experten waren der Meinung, dass die Preisrichter den Sieg unberechtigterweise an Sotnikowa vergeben hätten. Der prominente russische Trainer Alexei Mischin bemerkte im Gegenzug, dass Sotnikowa die choreografischen und künstlerischen Elemente besser ausgeführt und deshalb verdient gewonnen habe (Iswestija). Der südkoreanische Eiskunstlaufverband protestierte gegen die Entscheidung der Preisrichter, die Ergebnisse des Einzelwettbewerbs der Frauen wurden aber nicht revidiert.

 

Jewgeni Pljuschtschenko, Eiskunstlauf


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Held und Bösewicht zugleich: Der Eiskunstläufer Jewgeni Pljuschtschenko war eine der umstrittensten Figuren der Olympiade von Sotschi. Nachdem er hervorragende Leistungen im Mannschaftswettbewerb zeigte und dem russischen Team zu Gold verhalf, trat Pljuschtschenko zu seiner Kür im Einzelwettbewerb nicht an – der 33-jährige Athlet konnte wegen einer alten Rückenverletzung nicht aufs Eis. Bald nach der Olympiade wurde er operiert. Einen solchen Vorfall gab es in Russland nicht zum ersten Mal. Besonderen Unmut rief bei einem Teil der Fans die Tatsache hervor, dass Pljuschtschenko nicht aus sportlichen Erwägungen zu den Olympischen Spielen geschickt wurde. Wegen der schlechten Ergebnisse bei der vorhergegangenen Weltmeisterschaft hatte Russland nur einen einzigen Startplatz im Wettkampf der Männer bekommen. Bei den russischen Meisterschaften 2013 hatte Pljuschtschenko nicht teilgenommen und sich daher auch nicht für Sotschi qualifiziert. Trotzdem wurde er schließlich nominiert und versperrte somit anderen Sportlern den Weg. Pljuschtschenko jedoch, der Millionen Anhänger sowohl in Russland als auch außerhalb hat, zog es vor, die Kritiker zu ignorieren. Als er sich von seiner Verletzung erholt hatte, begann er seine eigene Eisshow. Auch sportliche Ambitionen hat der Eiskunstläufer nicht aufgegeben: Im Juli verkündete Pljuschtschenko, dass er die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2018 plane.

 

Viktor Ahn, Shorttrack


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Der gebürtige Koreaner Viktor Ahn schaffte es innerhalb weniger Tage im Februar, das ganze Land zu verzaubern. Ahn Hyun-soo siedelte 2011 nach Russland über, als er in Südkorea nach einer Verletzung nicht mehr in den Nationalkader aufgenommen worden war. Der Koreaner, zu dieser Zeit bereits dreifacher Olympiasieger, plante einen Neustart seiner Karriere. Der russische Staat glaubte an den asiatischen Athleten: Man erteilte Ahn relativ zügig die Staatsbürgerschaft und gab ihm die Möglichkeit, mit der russischen Mannschaft zu trainieren. Die Resultate überstiegen in der Folge alle Erwartungen: In Sotschi war Ahn auf der 1 500- und 1 000-Meter-Distanz der Schnellste und spielte ebenfalls die entscheidende Rolle beim Sieg der russischen Mannschaft im Staffellauf.

Ahn hat mittlerweile auch seine Ehefrau nach Moskau geholt, wo der Shorttrack-Läufer lebt und trainiert. Er hat Russisch gelernt und ist mittlerweile voll integriert. Die sportlichen Leistungen des frischgebackenen Russen sind nach wie vor beeindruckend: Doppeltes Gold bei der Weltmeisterschaft im März in Kanada lassen auf eine erfolgreiche neue Saison hoffen.

 

Maria Scharapowa, Tennis


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Die russische Nummer eins im Tennis legte eine relativ gute Saison hin, zieht man in Betracht, dass Maria sich lange mit einer Verletzung herumschlagen und das Jahr ohne Vorbereitung starten musste. 2014 präsentierte sich Scharapowa als unerwartet starke Kämpfernatur: Die Siege bei den French

Open sowie bei einigen anderen Sandplatzturnieren zeigten, dass die Russin ziemlich vielseitig ist. Allerdings musste sich Maria bei drei weiteren Turnieren des Grand Slam mit weniger begnügen: Die vierte Runde wurde für sie jedes Mal zum Verhängnis. In Australien wurde sie am Ende der ersten Woche von Dominika Cibulková aufgehalten, bei Wimbledon von Angelique Kerber, bei den US Open in Flushing Meadows fand sie keine Antwort auf die starke Spielerin Caroline Wozniacki.

Im Herbst lieferte Maria zur Freude ihrer Fans eine gute Serie in Asien, die durch den Sieg in Peking gekrönt wurde. Allerdings verlief das anschließende Turnier in Singapur für sie wieder weniger erfolgreich und sie unterlag im Finale. Insbesondere Serena Williams scheint außer Reichweite. Allerdings gibt die Tatsache, dass die Grand-Slam-Turniere 2014 vier verschiedene Spielerinnen gewannen, Grund zu der Annahme, dass Serenas Vorherrschaft im nächsten Jahr beendet werden könnte. Und wer, wenn nicht Scharapowa, wäre dazu in der Lage?

 

Daniil Kwjat, Formel 1


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Die russische Sensation in der Formel 1 – ein so großspuriges Beiwort wird kaum übertrieben sein für den 20-Jährigen aus Ufa, der es innerhalb eines Jahres schaffte, sich einen Namen in der Königsklasse des Motorsports zu

machen. Zu Beginn der Saison hätte wohl kaum jemand gedacht, dass der Debütant bereits im ersten Rennen am Steuer des „Torro Rosso" Punkte sammeln könnte. Aber Hartnäckigkeit und Konzentration halfen Daniil Kwjat, ohne größere Probleme unter die besten Zehn zu fahren. Nach seinem Achtungserfolg beim Debütrennen in Australien folgten ähnlich überzeugende Auftritte in Malaysia und China.

Das Talent des russischen Wunderkinds erkennen auch die großen Bosse der Formel 1 an: Vor dem Grand Prix in Russland in Sotschi bestellte der Teamchef von Red Bull Racing, Christian Horner, seinen Schützling – Kwjat ist Absolvent der Jugendakademie von Red Bull – ins Team – auf den Platz des zu Ferrari gewechselten Sebastian Vettel, viermaliger Formel-1-Weltmeister. Am Steuer eines leistungsstärkeren Wagens eröffnen sich für Kwjat neue Perspektiven. 2015 könnte das entscheidende Jahr in der Karriere des jungen Rennfahrers werden.

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