Anastasija Nifontowa: Auf heißen Reifen durch Afrika

Anastasija Nifontowa startete als erste Russin beim Africa Eco Race. Foto: africarace.com

Anastasija Nifontowa startete als erste Russin beim Africa Eco Race. Foto: africarace.com

Anastasija Nifontowas Leidenschaft ist der Motorradsport, in dem sie sich bereits einen Namen gemacht hat: Als erste Russin absolvierte sie die fast 6 000 Kilometer der anspruchsvollen Rallye Africa Eco Race. Ihr Ziel für 2015: Weltmeisterin werden und den Motorradsport in Russland populärer machen.

Das Africa Eco Race führt seit 2009 über die traditionelle Route der legendären Rallye Paris Dakar. Im vergangenen Jahr am 28. Dezember im französischen Saint-Cyprien war auch die russische Motorradfahrerin Anastasija Nifontowa am Start. Sie ist die erste Russin und eine von nur zwei Frauen, die an dem Rennen teilnahmen und beweisen wollten, dass Motorradsport nicht nur reine Männersache ist.

Anastasija Nifontowa ist in Russland die einzige Frau unter den Top-Drei-Athleten in gleich fünf Rennsportkategorien: Motocross, Enduro, Rally, Supermoto und Road Racing. Ihre Konkurrenten sind alle Männer.

Mit der Teilnahme am Africa Eco Race hat sich Nifontowa einen Traum erfüllt. Es gilt als eines der schwierigsten mehrtägigen Offroad-Rennen, fast 6 000 Kilometer müssen dabei zurückgelegt werden. Die Russin hofft, so sagt sie, dass sie damit dazu beigetragen habe, dem Motorradsport in Russland zu mehr Bekanntheit zu verhelfen, denn das sei eines ihrer Ziele. Im russischen Fernsehen leistet sie dazu bereits ihren Beitrag: Den Zuschauern ist Nifontowa als Produzentin und Moderatorin einer Sendung über Motorradsport bekannt.

Geboren wurde Anastasija Nifontowa in den USA, sie lebt aber schon seit Langem wieder in Russland. „Mein Vater war am Bau der UdSSR-Botschaft in Washington beteiligt", erklärt sie ihren Geburtsort. Der Vater und auch die Mutter sind Ingenieure. Fünf Jahre nach ihrer Geburt kehrte die Familie in die Heimat zurück. „An die USA kann ich mich deshalb kaum erinnern und fühle mich dem Land auch nicht wirklich verbunden", erzählt sie. Den „American Way of Life" hat ihre Familie nicht verinnerlicht: Auch in den Vereinigten Staaten wurde zu Hause russisch gelebt. Aber Nifontowa schaute damals viele Filme auf Englisch, weshalb ihre Englischkenntnisse heute ausgezeichnet sind.

 

Eine frühe Leidenschaft spät gelebt

Die Eltern hatten mit Motorsport gar nichts im Sinn, dennoch entdeckte Anastasija ihre Leidenschaft für Motorräder schon in ihrer Kindheit. Sie erinnert sich: „Als wir noch in den USA lebten, habe ich auf einem Supermarktparkplatz ein Motorrad gesehen, das mich faszinierte. Ich konnte mich von dem Anblick gar nicht mehr losreißen und blieb einfach dort stehen. Mein Bruder musste schließlich da bleiben, um auf mich aufzupassen."

Mit 16 Jahren war es dann so weit, Anastasija sollte ein eigenes Motorrad bekommen, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter Galina: „Ich war dagegen, aber die Männer der Familie haben mich überstimmt." An einem Wochenende sind die Eltern losgefahren und haben eine passende Maschine für die Tochter gefunden. „Das Motorrad war allerdings ein

Vorführmodell, deshalb wollte man es uns zunächst nicht verkaufen. Erst, als wir gesagt haben, dass es ein Geburtstagsgeschenk für unsere Tochter sein soll, gab der Verkäufer nach", erinnert sich Galina Nifontowa.

Profisportlerin wurde Anastassija Nifontowa aber erst verhältnismäßig spät. Mit 24 Jahren machte sie einen Abschluss in Sprach- und Theaterwissenschaften. 2003 wurde sie Mutter einer Tochter, was zunächst ihre ganze Aufmerksamkeit und Kraft in Anspruch nahm. Aber zwei Jahre später, 2005, startete sie endlich durch. Ihre Familie ist jedes Mal dabei – vor dem Fernseher: „Die ganze Familie versammelt sich dann. Auch das jüngste Familienmitglied, das erst zweieinhalb ist, ist bereits ein Fan", erzählt Galina, „ebenso wie die elfjährige Mascha, die auch schon auf dem Motorrad saß. Anastasija hat ihr einmal auf unserer Datscha die Maschine erklärt. Das haben wir sogar mit der Kamera aufgenommen."

Dennoch macht sich Galina Nifontowa bei jedem Start der Tochter große Sorgen: „Motorradrennen sind gefährlich und Anastasija ist so klein und

dünn." Vor jedem Rennen sage sie deshalb zu ihr: „Keine Eile, bewahre die Ruhe."

Schwierig, wenn man Rennsport betreibt. Anastasija hat zudem noch ambitionierte Pläne. Sie will bei der Rallye Dakar starten, die nach Südamerika verlegt wurde. Sie will alle Etappen der Weltmeisterschaft absolvieren und sich den Titel der Frauen holen, den sie im letzten Jahr um nur einen Punkt verfehlt hat. Die Konkurrenz ist hart. Während viele in Russland früher nur von einer Teilnahme an Motorradrennen wie dem Africa Eco Race träumen konnten, gibt es heutzutage viele Motorradsportler, die ihre Kräfte messen wollen, auch in der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage, weiß Anastasija Nifontowa.

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