Russlands Bodybuilderinnen-Nachwuchs überzeugt

Wer bei Bodybuilding nur an muskelbepackte Männer denkt, muss umdenken. Die jungen Russinnen Marjana Naumowa und Julia Wins sind die starke Zukunft. Ihre Kraft setzen sie nicht nur beim Sport ein. Maria Naumowa zum Beispiel kämpft nebenbei noch für den Weltfrieden.

Marjana Naumowa: Stark und hilfsbereit

Foto aus dem persönlichen Archiv

Marjana Naumowa ist erst fünfzehn Jahre alt und schon dreifache Weltmeisterin im Bankdrücken. Im März nahm sie am Bodybuilding-Wettbewerb Arnold Classic im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio teil und traf dort auf eine Legende in dieser Sportart: Arnold Schwarzenegger, siebenmaliger Mr. Olympia, Leinwandheld und ehemaliger Gouverneur von Kalifornien. Marjana übergab Schwarzenegger Fotos und Briefe von Kindern aus dem Donbass und bat ihn, sich für bessere Beziehungen der USA zu Russland einzusetzen.

„Als ich Arnold Schwarzenegger sah, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Für mich war er schon immer ein Vorbild", sagte Naumowa. „Er versprach, die Briefe der Kinder zu lesen und alles in seiner Macht stehende zu tun, um zu helfen. Für mich ist das ein persönlicher Sieg. Ich hoffe, dass die Kämpfe in der Ukraine in absehbarer Zeit ein Ende finden und Frieden herrscht", so die junge Sportlerin.

Bei den Wettkämpfen war Naumowa auf die Unterstützung US-amerikanischer Trainer und Assistenten angewiesen. Ihrem persönlichen Trainer Aleksej Serebrjakow wurde ein Visum verweigert. Naumowa zeigte sich unbeeindruckt und stemmte eine 150-Kilo-Langhantel. Damit ist sie neue Weltrekordhalterin der Jugendlichen.


Foto aus dem persönlichen Archiv

Marjana ist nicht nur im Sport stark. Sie engagiert sich zudem bei verschiedenen Hilfsprojekten. Das ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Meine Eltern haben mich so erzogen: Wenn du etwas besitzt, dann solltest du es mit anderen teilen", erklärt Naumowa ihren Wunsch, zu helfen, wo immer es nötig ist. Im Juni 2014 leitete sie einige Seminare in Schulen in Nordkorea. Im Oktober desselben Jahres fuhr sie nach Donezk und Lugansk. Damit zog sie sich den Unmut der ukrainischen Regierung zu, die ihr alle Titel und Auszeichnungen aberkannte, die sie jemals in der Ukraine gewonnen hatte.

Hintergedanken hat sie bei ihrem Engagement für den Frieden nicht. „Ich habe Schwarzenegger diese Briefe nicht wegen der Öffentlichkeit übergeben. Ich habe mir gar nicht vorstellen können, das so etwas für Journalisten von Interesse sein könnte", sagt sie zu ihrer Aktion beim Arnold Classic.

 

Julia Wins: Bizeps wie Schwarzenegger

Foto aus dem persönlichen Archiv

Die 18-jährige Russin Julia Wins ist eine ebenfalls in der ganzen Welt bekannte starke junge Russin. Sie wurde Weltmeisterin in der Kategorie der Amateure. Ihre Erfolge brachten ihr bereits Werbeverträge mit verschiedenen Herstellern von Sportnahrung und -kleidung ein.

Julia begann erst vor drei Jahren mit dem Fitnesstraining. Während dieser Zeit erhöhte sie ihr Körpergewicht von 48 auf 64 Kilogramm, vor allem durch den Aufbau von Muskelmasse. Der Umfang ihres Bizepses misst 40,5 Zentimeter. Das ist beachtlich. Als der 20-jährige Schwarzenegger im Jahr 1967 Mister Universum wurde, hatte er einen Bizeps-Umfang von 52 Zentimetern. Beim letzten Turnier stemmte die Russin 100 Kilogramm beim Bankdrücken, 165 Kilogramm beim Kreuzheben und schaffte 175 Kilogramm beim Kniebeugen. Die Sportlerin erklärte, im Training noch weitaus mehr zu können. Bei Wettbewerben sei es ihr aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht erlaubt, mit höheren Gewichten zu arbeiten.

 

Zu viel Gewicht kann schädlich sein

Jurij Wasilkow, ehemaliger Trainer der russischen Fußball-Nationalmannschaft sowie der Vereine Spartak und Dynamo Moskau, sieht

durchaus die Gefahr negativer Auswirkungen eines übermäßigen Trainings auf die Gesundheit von Leistungssportlern.

„Wenn ein Sportler mit schweren Gewichten arbeitet, sollte er die ganze Zeit über unter der Beobachtung von Spezialisten stehen. Insbesondere wenn es dabei um junge Sportler geht", meint er und erklärt, wo er mögliche Probleme sieht: „Der Organismus ist noch im Wachstum. Beim Gewichtheben kann man sich schwere Verletzungen der Bänder oder der Wirbelsäule zuziehen. Ein großes Gewicht kann auch zu Zerrungen führen. Außerdem regen Übungen mit schweren Gewichten nicht die Durchblutung in den Muskeln an und tragen auch nicht zu einer Dehnung der Faszien bei." Wasilkow sorgt sich vor allem um die jungen Frauen im Kraftsport: „Sie sollten besonders vorsichtig sein, vor allem, wenn sie später noch Kinder bekommen wollen."

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