Alexander Choroschilow: "Bisherige Erfolge sind das letzte, an das man denkt"

Im österreichischen Schladming gelingt Choroschilow der erste russische Weltcupsieg seit 1981. Foto: Reuters

Im österreichischen Schladming gelingt Choroschilow der erste russische Weltcupsieg seit 1981. Foto: Reuters

Der dreißigjährige Ski-Alpin-Rennläufer Alexander Choroschilow ist der erste Russe, der seit 1981 Sieger eines Weltcuprennens wurde. Die Saison 2014/2015 beendete er auf Platz drei der Gesamtwertung im Slalom. Im Interview verrät er sein Erfolgsgeheimnis.

Lenta.ru: In Russland zählt Ski Alpin nicht zu den populärsten Sportarten. Wie sind Sie gerade zu dieser Disziplin gekommen?

Choroschilow: Ich bin in Kamtschatka groß geworden. Mein Vater hat mich zum Sport gebracht. In meiner Heimat ist Ski Alpin populärer als Hockey oder Fußball. Es ist schwer zu sagen, warum es mich begeistert hat. Wahrscheinlich lag das an meinem ersten Trainer.

Wie und wo trainieren Sie gewöhnlich für die Saison? Wer unterstützt Sie dabei?

Wir haben ein festes Team aus dem Ski-Alpin-Trainer, einen Fitnessexperten, einem Physiotherapeuten, einem Arzt und Servicepersonal. Ich bekomme von sehr vielen Fachleuten Unterstützung. Das allgemeine Training findet entweder in der Nähe von Moskau oder in einer Küstengegend statt, also zum Beispiel in Sotschi. Für die Ski-Alpin-Vorbereitung im Sommer geht es dann nach Südamerika oder in die Gletscherskigebiete Österreichs oder der Schweiz.

Sie haben bereits an drei Olympischen Spielen teilgenommen: Turin 2006, Vancouver 2010 und Sotschi 2014. Werden Sie auch an den nächsten Spielen teilnehmen?

 Ja, natürlich. Ich habe bisher noch nie den Wunsch verspürt, meine Karriere zu beenden und in Rente zu gehen. Es hängt natürlich nicht alles von meinen eigenen Vorstellungen ab. Wenn meine Leistungen nachlassen, werden mich jüngere und begabtere Sportler verdrängen. Aber bislang halte ich mich gut.

Sie haben sich auf den Slalom spezialisiert. Haben Sie diese Disziplin selbst gewählt oder waren Ihre Trainer für die Entscheidung ausschlaggebend?

Im Laufe der Jahre ergibt sich das einfach. In manchen Disziplinen bringt man bessere Leistungen als in anderen. Bei mir war es so, dass ich beim Slalom schon immer die besten Ergebnisse erzielt habe.


Was hat Ihnen in der vergangenen Saison zu Ihrem großen Erfolg verholfen?

Das lässt sich schwer auf einen einzigen Grund zurückführen. Unser Team arbeitet ununterbrochen, fortwährend wird das Training analysiert. Wir versuchen herauszufinden, was die Leistung steigert und was sie mindert. Der Erfolg ist also das Ergebnis unserer guten Zusammenarbeit im Team.

Wird Ihnen nicht schwindelig von Ihren vielen Erfolgen? Sie haben immerhin die Geschichte der russischen Erfolge neu geschrieben.

Wenn man am Start steht, sind die Rekorde und bisherigen Erfolge das

letzte, an das man denkt. Das ist nicht der Sinn des Sports. Es ist mir vollkommen gleichgültig, ob mein Name einmal in den Geschichtsbüchern stehen wird oder nicht. Wenn ich 50 Jahre alt bin, dann mag die Zeit dafür gekommen sein. Natürlich freue ich mich über diese Ergebnisse, aber ich habe wiederum nur ein Weltcuprennen gewonnen, andere holen da zehn Siege in einer Saison.

 Vor der Aufmerksamkeit der Damenwelt müssen Sie sich wahrscheinlich verstecken. Wie findet Ihre Frau Ihre Beliebtheit?

Es ist nicht so, dass mir alle Frauen der Welt hinterherlaufen. Ich bin aber auch nicht leicht zu finden, denn in sozialen Netzwerken bin ich nicht aktiv und dort suchen die meisten Menschen heutzutage zuerst nach Personen.

Skiurlaube sind im Trend. Wo verbringt ein Skirennfahrer seinen Urlaub?

Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber in meiner Freizeit fahre ich auch Ski. Ich nehme dann meine Frau mit und wir fahren ins Moskauer Umland. Oft schaffen wir das natürlich nicht, in den letzten zehn Jahren waren es gerade vier Mal. Ich fahre aber auch sehr gerne in Gletscherskigebiete. Außerdem verbringen wir unseren Urlaub auch sehr gerne am Meer.

Sie sind ein erfahrener Sportler. Haben Sie trotzdem manchmal noch weiche Knie?

Das kommt vor. Manchmal ist eine gewisse Anspannung sogar förderlich, sie kann aber auch  fatal sein. Aufregung hilft, die Muskeln unter Spannung

zu halten. Das ist beim Start wichtig. Manchmal schwächt aber Aufregung die allgemeine Verfassung und steht einer Bestleistung im Weg.

Wünschen Sie sich für Ihre Tochter auch eine Sportlerkarriere?

Sie ist erst zehn Monate alt. Über Profisport, und besonders über Skifahren nachzudenken, wäre verfrüht. Mich hat niemand jemals zu dieser Sportart gedrängt, und das werde ich bei meiner Tochter auch nicht machen. Sie soll das selbst entscheiden. Ich werde ihr natürlich alle Wege zum Sport ebnen. Sport als Lebensstil ist für mich selbstverständlich. Das Kind soll wissen, dass Sport Gesundheit bedeutet.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Lenta.ru

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