Kevin Kuranyi: „Der Abschied fällt nicht leicht“

Kevin Kyranyi feiert sein Tor gegen FC Rubin Kazan in seinem vorletzten Spiel im Trikot von Dynamo Moskau. Foto: Wladimir Fedorenko/RIA Novosti

Kevin Kyranyi feiert sein Tor gegen FC Rubin Kazan in seinem vorletzten Spiel im Trikot von Dynamo Moskau. Foto: Wladimir Fedorenko/RIA Novosti

Fünf Jahre spielte der frühere Bundesligaprofi und Nationalspieler Kevin Kuranyi für Dynamo Moskau. Im Juni läuft sein Vertrag aus und Kuranyi wird nicht verlängern. Gegenüber RBTH spricht er über seine Zeit in Russland und die Perspektiven des russischen Fußballs.

RBTH: Sie haben fast fünf Jahre in Russland verbracht. Haben Sie sich an den russischen Lebensstil gewöhnt? Gab es am Anfang Probleme im Alltag? Und wie gut beherrschen Sie zum Ende Ihrer Zeit hier die russische Sprache?

Kevin Kuranyi: Ich habe mich schnell an das Land und den Alltag hier gewöhnt. Auch die Sprache beherrsche ich inzwischen ganz gut. Aber auch am Anfang gab es keine Probleme, denn meine Frau spricht Russisch. Das hat natürlich sehr geholfen.

Sie spielen bei Dynamo Moskau. Dort sind sie zurzeit Vize-Kapitän. Wie gut kennen Sie die Geschichte eines der ältesten Vereine Russlands?

Ich glaube ganz gut. Ich wurde von Anfang an bestens informiert.

Wie schätzen Sie Ihre persönliche Leistung bei Dynamo Moskau ein? Sind Sie zufrieden?

Ich glaube, es war eine gute Zeit. Wir haben uns auch immer weiter entwickelt als Mannschaft und zuletzt zum Beispiel eine tolle Europa-League-Saison gespielt. Ich habe über 50 Tore geschossen, das war wohl auch ganz ok. Aber ich bin nie ganz zufrieden. Am meisten trauere ich dem verlorenen Pokalfinale nach. Und ich verspüre ein wenig Trauer, weil ich nun gehen werde. Es war eine schöne Zeit in einem tollen Verein. Ich werde Dynamo immer im Herzen behalten.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Haben Sie schon konkrete Angebote aus Deutschland?

Es gibt ein paar Anfragen und Angebote aus der Bundesliga und dem Ausland, aber ich habe mich noch nicht ausführlich damit befasst. Das mache ich nach der Saison. Ich habe da keine Eile.

Russische Vereine sind ziemlich spendabel wenn es um die Verpflichtung von Fußballstars wie Hulk oder Ihrem Vereinskollegen Mattieu Valbuena geht. Bisher ist es dennoch keiner russischen Mannschaft gelungen, in den internationalen Wettbewerben, insbesondere in der Champions League, restlos zu überzeugen. Was fehlt den russischen Vereinen noch, um mit den Großen des europäischen Fußballs mithalten können?

Ein großer Nachteil ist natürlich der Spielplan. Immer wenn im Europapokal die Playoff-Spiele beginnen, ist die russische Liga noch in der Winterpause. Aber das lässt sich leider nicht ändern. Insgesamt fehlt den Top-Clubs nicht viel. Es sind nur Kleinigkeiten.

In Russland wird seit langem über eine bessere Nachwuchsarbeit diskutiert. Der deutsche Fußball gilt zurzeit in diesem Bereich als Vorreiter. Was können russische Vereine von Deutschland lernen? Und wie haben Sie die Integration junger Spieler in Ihrer Zeit bei Dynamo Moskau erlebt?

Ich glaube, dass nicht nur Russland, sondern auch andere Nationen von der deutschen Nachwuchsarbeit lernen können. Das System wurde so verbessert, dass Talente einfacher entdeckt werden können. Ich bin überzeugt, dass der WM-Titel 2014 ein direktes Resultat dieser

Nachwuchsarbeit war. Die Integration junger Spieler habe ich bei Dynamo als sehr positiv empfunden. Ich glaube, der Verein ist da schon auf einem sehr guten Weg.

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien überzeugte die deutsche Nationalmannschaft auf ganzer Linie. Bedauern Sie es, nicht mehr Teil dieser Mannschaft zu sein? Und glauben Sie, dass Sie der Nationalmannschaft heute noch helfen könnten?

Die Zeit des Bedauerns ist schon lange vorbei. Ich habe mich einfach von ganzem Herzen über diesen Titel gefreut – auch weil einige Freunde von mir dabei waren. Ich habe der Mannschaft vor dem Turnier sogar Glücksbringer geschickt und war ihr größter Fan. Ob ich noch helfen könnte? In bestimmten Situationen vielleicht schon. Aber das ist für mich wirklich kein Thema mehr!

Russland setzt große Hoffnungen auf die Weltmeisterschaft 2018 im eigenen Land. Kann ein solches Großereignis aus Ihrer Sicht ein Sprungbrett für den russischen Fußball sein? Sehen Sie Parallelen zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland?

Auf jeden Fall. Die WM und der Bau und Umbau der Stadien haben dem deutschen Fußball noch einmal einen gewaltigen Schub gegeben. Dasselbe kann auch in Russland passieren.

Russland ist ein sehr großes Land mit vielen unterschiedlichen Regionen. Hatten Sie die Möglichkeit, andere Orte außerhalb Moskaus zu besuchen? Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Mich hat schon einmal allein die Größe des Landes beeindruckt. Und die Vielfalt an Völkern und Landschaften. Außerhalb Moskaus war ich nur mit dem Verein unterwegs. Vor allem die Auswärtsspiele jenseits des Ural und im Kaukasusgebiet waren in dieser Hinsicht sehr interessant.

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