Europaspiele 2015: Russland will an die Spitze

Russland nimmt die neue Multisportveranstaltung sehr ernst. Foto: Konstantin Tschalabow/RIA Novosti

Russland nimmt die neue Multisportveranstaltung sehr ernst. Foto: Konstantin Tschalabow/RIA Novosti

Mehr als 6 000 Athleten aus 50 Nationen werden am Freitag in Baku, Aserbaidschan, zu den ersten Europaspielen erwartet. In 20 Sportarten kämpfen sie um Siege. Die russischen Sportler sind entschlossen, am Ende den Medaillenspiegel anzuführen.

Vom 12. bis 28. Juni werden in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku erstmals die Europaspiele ausgetragen. Über 6 000 Sportler aus 50 Nationen kämpfen in 20 Sportarten um Medaillen. Auf anderen Kontinenten haben vergleichbare Sportveranstaltungen bereits Tradition. Die Panamerikanischen Spiele finden in diesem Jahr bereits zum 17. Mal statt, Gastgeber ist im Juli Kanada. Die XII. Panarabischen Spiele fanden 2011 in Katar statt, die XVII. Asienspiele 2014 in Südkorea. Für September 2015 sind die elften Afrikaspiele in Brazzaville, Republik Kongo, geplant.

 

Russland will Gold

Russland nimmt die neue Multisportveranstaltung sehr ernst. Ziel sei es, am Ende den Medaillenspiegel anzuführen, erklärte Alexander Schukow, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands. Zur Eröffnung in Baku am Freitag, zugleich russischer Nationalfeiertag, wird Russlands Präsident Wladimir Putin erwartet. Die Fahne der russischen Mannschaft soll der erfolgreiche russische Ringer Chadschimurad Gazalow tragen. Er wurde bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Olympiasieger.

Die größten Medaillenhoffnungen machen sich die Russen im Beachsoccer, also dem Strandfußball. Russland gewann die letzten beiden Beachsoccer-Weltmeisterschaften 2011 und 2013. Siege werden auch in der Rhythmischen Sportgymnastik erwartet. In Baku treten die russischen Mehrfach-Weltmeisterinnen Jana Kudrjawzewa und Margarita Mamun an. Beide werden auch als Medaillenfavoritinnen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im nächsten Jahr gehandelt. Amina Saripowa, Nationaltrainerin der rhythmischen Sportgymnastinnen, holte zwischen 1995 und 1997 selbst fünf Weltmeistertitel in dieser Disziplin. Sie gibt sich entschlossen: „Wir nehmen die Europaspiele mehr als ernst. Ein Grand Prix findet in der Rhythmischen Sportgymnastik beinahe wöchentlich statt. Die Europaspiele werden nur alle vier Jahre ausgetragen werden." Die Sportlerinnen wollen daher Sportgeschichte schreiben: „In den ersten Europaspielen wollen wir die ersten sein."

In der Leichtathletik werden die besten Sportler hingegen nicht antreten. Sie bereiten sich lieber auf die Weltmeisterschaften vom 22. bis 30. August in Peking vor. Bei den Schwimmern sieht es ähnlich aus. Deren Favoriten stecken mitten in den Vorbereitungen für die Schwimmweltmeisterschaften, die vom 24. Juli bis zum 9. August im russischen Kasan stattfinden.

 

Erfolg garantiert?

Experten und Beobachter beschäftigt im Vorfeld vor allem die Frage, ob die Europäischen Spiele ähnlich erfolgreich wie die Asienspiele sein werden, und zwar in sportlicher und kommerzieller Hinsicht. Witali Smirnow, der schon seit 1971 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, glaubt an eine glanzvolle Zukunft der Europaspiele: „Die Europäischen Spiele werden in naher Zukunft den Asienspielen Konkurrenz machen können. Ich bin sicher, dass die europäischen Länder den asiatischen im Hinblick auf Organisation und Spektakel in nichts nachstehen werden."

Zu den Hauptsponsoren der Europaspiele gehört laut Smirnow unter anderem das Erdölunternehmen BP. Smirnow glaubt nicht, dass das Fehlen der sportlichen Elite im Schwimmen und der Leichtathletik allzu negative Auswirkungen auf den Erfolg der Spiele haben werde. Bei den nächsten Europaspielen 2019 könne das bereits ganz anders aussehen, meint er. „Schon jetzt gehen viele Anfragen ein für die Austragung der zweiten Europaspiele. Das zeigt, dass das Interesse daran sehr groß ist", so Smirnow.

Die Idee der Europaspiele geht auf einen Vorschlag von Patrick Hickey, Präsident des Europäischen Olympischen Komitees, aus dem Jahr 2011 zurück. Die Spiele sollten die wichtigsten olympischen Sportarten beinhalten. Unterstützung bekam er vom damaligen IOC-Präsidenten Jacques Rogge.

Die Entscheidung für die Europaspiele fiel im Dezember 2012 auf der Generalversammlung des Europäischen Olympischen Komitees in Rom.

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