Russisch-türkische Beziehungen: Eiszeit auch im Sport

Türkische Sportler sind ab sofort in russischen Vereinen unerwünscht.

Türkische Sportler sind ab sofort in russischen Vereinen unerwünscht.

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Die angespannten Beziehungen zwischen Russland und der Türkei haben auch Auswirkungen auf den Sport. Russische Fußballclubs verlegen ihre Trainingslager aus der Türkei in andere Orte, für türkische Spieler gilt ab sofort ein Transferverbot. Im Volleyball wurden Spiele abgesagt.

Die Verstimmungen zwischen Russland und der Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe am 24. November haben nun auch Auswirkungen auf den Sport. Bereits einen Tag nach dem Vorfall reagierten die russischen Sportfunktionäre. Der Russische Fußball-Bund empfahl den Vereinen, auf geplante Trainingslager in der Türkei zu verzichten. Die meisten Trainingslager finden im Januar und Februar statt, viel Zeit bleibt den russischen Fußballclubs also nicht mehr für die Suche nach Alternativen. Dennoch unterstützen die meisten den Vorstoß der Funktionäre. Möglichkeiten für Trainingslager in wärmeren Gegenden bieten sich etwa auf Zypern, in Israel, Spanien, Katar oder aber auch auf der Krim. Nur der Moskauer Verein Lokomotive will laut Aussage seiner Präsidentin Olga Smorodskaja auf jeden Fall an der Türkei als Ort für das Wintertrainingslager festhalten.

Zudem dürfen russische Proficlubs ab sofort keine türkischen Sportler mehr verpflichten, erklärte Russlands Sportminister Witali Mutko gegenüber der Zeitung „R-Sport“. Auf Altverträge hätte diese Regelung keine Auswirkungen, so der Minister. Der bekannteste Türke in den Reihen eines russischen Fußballclubs ist Gökdeniz Karadeniz, der für FK Rubin Kasan spielt. Erst im Sommer hatte der 35-Jährige einen neuen Vertrag bis 2018 unterschrieben.

Bahnt sich ein Skandal in der Champions League an?

Die angespannten russisch-türkischen Beziehungen haben auch Folgen für anstehende Fußballpartien auf internationaler Ebene. Am 9. November spielt im belgischen Gent der lokale Verein KAA Gent im Champions-League-Vorrundenspiel gegen Zenit Sankt Petersburg. Am vergangenen Freitag kündigte Gents Bürgermeister Daniël Termont zunächst an, die Fans der Sankt Petersburger Mannschaft dürften nicht ins Stadion. Er begründete dies mit Sicherheitsbedenken. In Gent gebe es eine große türkische Gemeinde. Gestern jedoch erklärte der örtliche Polizeichef Patrick Termont laut einem Bericht der Zeitung „R-Sport“, die Sankt Petersburger Fans dürften das Spiel nun doch im Stadion sehen, es würde jedoch als Risikospiel eingestuft und daher die Polizeipräsenz deutlich erhöht. 300 Polizisten sollen Auseinandersetzungen verhindern. Nach den Regelungen der Uefa stehen der Gastmannschaft zehn Prozent der Zuschauerplätze im Stadion zu.

Die russische Seite verlange indes, dass das Spiel ohne Zuschauer auf einem neutralen Spielfeld stattfinde, berichtet die russische Nachrichtenagentur „Tass“ und beruft sich dabei auf Russlands Sportminister. Witali Mutko habe diese Forderung bereits der Uefa mitgeteilt. Eine abschließende Entscheidung, wo und unter welchen Bedingungen das Spiel stattfinden wird, steht noch aus.  

 Volleyballer fahren nicht in die Türkei 

Auch die russischen Volleyballclubs mussten ihre Pläne ändern. Die Mannschaften von Belogorje und Dynamo sagten ihre Teilnahme an den Spielen der Volleyball-Champions-League gegen die türkischen Vereine Arkas Sport und Ziraat Bankasi ab. Beide Spiele sollten Anfang Dezember in der Türkei stattfinden. Alexander Jarjomenko von der russischen Volleyballföderation begründete die Entscheidung mit einem angeblichen „Befehl von oben“. Für die Spielabsage drohen den russischen Vereinen nun Bußgelder sowie Niederlagen am grünen Tisch. Das Team von Halkbank Ankara hat seine Teilnahme am Gastspiel gegen den Kasaner Verein Zenit, das am 2. Dezember stattfinden soll, bestätigt.

Dossier: Russland und die Türkei in der Krise

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