Karen Chatschanow: Die neue russische Tennis-Hoffnung

Mit seinem Sieg in Chengdu ist Karen Chatschanow auf der großen Bühne angekommen.

Mit seinem Sieg in Chengdu ist Karen Chatschanow auf der großen Bühne angekommen.

AP
Der 20-jährige Karen Chatschanow ist der erste russische Tennisspieler seit 2013, der auf der ATP World Tour ein Turnier gewinnen konnte. Der 1,98-Meter-Riese wird bereits mit Marat Safin und Juan Martin del Potro verglichen.

Russische Tennisfans hatten schon lange nicht mehr die Gelegenheit, Erfolge zu feiern. In diesem Herbst änderte sich das. Der 20-jährige Karen Chatschanow gewann Anfang Oktober die Chengdu Open, im Finale setzte er sich in drei Sätzen gegen den Spanier Albert Ramos-Vinolas durch, immerhin 31. der Weltrangliste.

Für Chatschanow ist der Turniersieg auf der ATP World Tour Series der erste in seiner Karriere. Wichtig ist er aber nicht nur für ihn, sondern auch für das russische Tennis. Zuletzt hatte Michail Juschni vor drei Jahren die Valencia Open gewonnen. Dort besiegte der Russe im Finale den damaligen Dritten der Weltrangliste David Ferrer aus Spanien.

Der russische Nachwuchs kommt

Chatschanows Sieg in China war zwar eine Überraschung, ein No Name ist der junge Russe, mittlerweile auf Rang 55 der Weltrangliste, dennoch nicht. Im letzten Jahr konnte er bereits zwei Turniere der niedrigeren ATP Challenger Tour in Istanbul und Samarkand gewinnen.

In Russland gab es seit Marat Safin und Nikolai Davydenko keine großen Tennisnamen mehr. Mit Chatschanow verbindet man nun große Hoffnungen. Grundsätzlich zeigt sich das russische Tennis begeistert von seinen Jugendlichen, die in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre zur Welt kamen. Schamil Tarpischew, Vorsitzender des russischen Tennisverbandes, bezeichnete sie gar als goldene Generation.

Für diesen Nachwuchs, der heute langsam ins Profitennis aufsteigt, wurde schon früh eine Trainingsgruppe gegründet. Zunächst machte Andrei Rubljow mit einem Sieg bei den French Open der Junioren im Jahr 2014 auf sich aufmerksam. Auf der Profitour ist er im Gegensatz zu Chatschanow aber noch nicht sonderlich erfolgreich.

Zudem sammeln die Youngster Erfahrung bei Davis-Cup-Duellen. Chatschanow wird bei der anstehenden Partie gegen Serbien (3. bis 5. Februar 2017) unter anderem gegen den großen Novak Djokovic spielen.

Ist Chatschanow der neue Safin?

Der 1,98-Meter-Recke erinnert sowohl äußerlich als auch spielerisch an Marat Safin. Neben den mächtigen Aufschlägen verfügt Chatschanow trotz seiner Körpergröße über eine starke Rückhand. Bezeichnend ist, dass er den Sandboden bevorzugt und den Argentinier Juan Martin del Potro sowie Marat Safin als seine Vorbilder sieht.

Der Youngster könnte so erfolgreich werden wie sein Landsmann, glaubt Andrei Tschesnokow, Halbfinalist der French Open 1989. „Er hat alle Fähigkeiten, sowohl der Aufschlag als auch das Spiel hinter der Grundlinie. Er hat die Power von Safin. Wenn er konstant spielt, dann haben seine Gegner ihre Probleme mit ihm", sagte Tschesnokow in einem Interview mit „R-Sport“. Er glaubt zudem, dass Chatschanow bereits in der kommenden Saison in die Top 20 der Welt aufsteigen könnte.

Die Experten sehen in ihm aber auch die für Safin typischen Schwächen, wie zum Beispiel sein Temperament. „In Chengdu machte Karen einige Fehler, ihm fehlten die Kaltblütigkeit, das Vertrauen und ab und zu das Spielverständnis. Er ist manchmal zu ungeduldig", sagt Anna Tschakwetadse, Wimbledon-Finalistin von 2003.

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