Wir sind verrückt genug zu denken, dass wir die Kultur ändern können

Foto: RIA Novosti

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Experte: Skolkowo verändert die akademische Kultur in Russland.

Ich werde oft gebeten, die Kernmission des Skolkovo Institute of Technology zusammenzufassen. Dafür brauche ich nur zwei Worte: Kultur ändern. Skolkowo verändert die akademische Kultur in Russland, indem es zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology eine wissenschaftliche Einrichtung mit einem neuen akademischen Niveau schaffen wird. Wir glauben, dass es die erste derartige Hochschule in der Welt sein wird, die Bildung, Forschung, Innovation und Unternehmertum umfassend integriert. Studierende werden nicht ihre eigene Firma starten, wenn sie den Abschluss machen, aber sie werden wissen, wie das geht. Die Unternehmenskultur wird ebenso verändert. Wir informieren große russische Firmen über den Wert von Auftragsforschung an diesem neuen Institut und bringen ihnen bei, wie man mit Risikokapitalanlegern arbeitet und wie man Innovation als etwas, das entscheidend ist für den Erfolg, wenn nicht gar fürs Überleben, willkommen heißt.

Hinsichtlich der Unternehmenskultur sollte man nicht vergessen, dass vor gar nicht langer Zeit private Unternehmen in Russland entweder illegal waren oder davon stark abgeraten wurde. Es wird Zeit brauchen, dieses Erbe abzulegen und den angeborenen kreativen russischen Geist aufblühen zu lassen. Skolkowo ist ein Beschleuniger bei dieser Verwandlung. Indem wir Unterstützung, Finanzierung und Vorteile für Startupunternehmen bieten, hoffen wir, faire Voraussetzungen zu schaffen. Unsere Aufgabe ist es auch, nervöse junge Unternehmer, die ihre Träume verwirklichen wollen, moralisch zu unterstützen. Schließlich wollen wir auch das kulturelle Verständnis der Vermögensbildung ändern. Der russische Handel war lange dominiert von den materiellen Ressourcen von Öl, Gas, Metallen und Holz. In der Sowjetära lag der Fokus ausschließlich auf materiellen Produktionsleistungen, mit den berühmten 5-Jahres-Plänen.

Auch heute haben praktisch alle führenden russischen Geschäftsleute ihr Vermögen durch materielle Ressourcen gemacht. Will Russland allerdings in der globalen Knowledge Economy bestehen, muss es einen Gang höher schalten, und mit Skolkowo ist dies möglich. Wir schaffen dies, indem wir im Bereich geistiges Eigentum ausbilden; indem wir Unternehmern und Startups helfen, ihr geistiges Eigentum zu schaffen, verteidigen und kommerzialisieren; indem wir frühe und höchstsichtbare Erfolge zeigen, wie russisches geistiges Eigentum weltweit zu Geld gemacht werden kann; und schließlich, indem wir einen völlig neuen rechtlichen Rahmen für geistiges Eigentum schaffen, der in ganz Russland gilt. Kurz gesagt, unsere Aufgabe ist die Schaffung von Mechanismen, die Russlands wissenschaftliche und intellektuelle Pferdestärke in global wettbewerbsfähige wissensbasierte Produkte und Dienstleistungen umwandeln. Kultur und Mentalität sind wahrscheinlich die Dinge, die man am schwierigsten ändern kann. Ist man allerdings erfolgreich, dann wird die Wirkung eindrucksvoll sein. Große Länder sind wie Supertanker: sie drehen sich nicht schnell, aber bewegt man sie nur ein paar Grad in die richtige Richtung - hat man ihre Richtung verändert.

Skolkowo hat viele Vorteile. Der erste ist Russlands reiches wissenschaftliches und technisches Fundament. Im Kontrast dazu war meine vorherige Aufgabe, eine ähnliche Innovationsstadt für Abu Dhabi zu bauen, mit nur 400.000 Einwohnern und praktisch keinen wissenschaftlichen Ressourcen. Im globalen Wettrennen um eine Knowlede Economy ist Russland gut positioniert. Der zweite: mit späterem Start hat Russland den Vorteil dessen, der als zweiter beginnt. Wir haben den Erfolg und Misserfolg von Innovation untersucht und haben das, was wir gelernt haben, in unser Modell integriert. Der dritte: Im Bruch mit russischen Traditionen ist Skolkowo eine offene Plattform für eine globale Kooperation in R&D. Geschlossene Wissenschaftsstädte haben ihren Zweck erfüllt, das Tempo und Ausmaß der globalen Verknüpfung allerdings diktiert Offenheit und Zusammenarbeit. Warum tun wir das also? Steve Jobs hat es am besten zusammengefasst, als er sagte: „Das hier ist für die Verrückten. Weil die Leute, die verrückt genug sind zu denken, dass sie die Welt verändern können, auch gewöhnlich die sind, die das tun".

Steven Geiger ist leitender Geschäftsführer der Skolkovo Foundation, dem Programm für Innovation und Technologie der russischen Regierung.

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