Kontrollieren Sie Ihr nukleares Risiko mit dem DO-RA Strahlungsforscher

Russische Wissenschaftler haben als Reaktion auf Fukushima ein weltweit einzigartiges Strahlenmessgerät entwickelt, das in Mobiltelefone integriert werden kann. Nichtsdestotrotz gab es Probleme bei der Finanzierung und Vermarktung des Projektes – Wissenschaftler sind schließlich keine Geschäftsleute. Über die Erfindung und die Lösung der finanziellen Probleme berichtet der geistige Vater des Projektes Wladimir Jelin.

Wessen Idee war die Entwicklung des Gerätes DO-RA?

Die Idee mit dem DO-RA kam mir im März 2011, als man mich bat, einen Artikel über die Ereignisse in Fukushima zu schreiben. Bei meinem Studium an der Baumann-Universität, der Staatlichen Moskauer Technischen Universität, wurde uns beigebracht: Wenn du etwas nicht verstehst – mache dich schlau! Wenn du Zweifel hast – prüfe nach! Wenn du nicht sicher bist – mache es selbst! Daran habe ich mich in dieser Situation gehalten. Die Bezeichnung DO-RA wurde aus den jeweils ersten beiden Buchstaben der Begriffe Dosimeter und Radiometer gebildet.

Was macht das Gerät, wenn es erhöhte Radioaktivität feststellt?

Gegenwärtig bietet das Gerät DO-RA vier Funktionen an:

1. Die Funktion Radiometer: Auf dem Display des Handys wird die radioaktive Grundstrahlung des Gebietes dargestellt. Diese Funktion stellt dem Anwender die Information in drei Zonen dar: grün bedeutet normale, gelb erhöhte und rot  gefährliche Strahlenbelastung, was bedeutet, dass die Evakuierung des mit radioaktiver Strahlung verseuchten Gebietes umgehend zu erfolgen hat. 

2.   Die Funktion Dosimeter: Das Gerät zeigt die Strahlendosis an, die der Anwender aufgenommen hat. Wenn der Grenzwert der aufgenommen Strahlendosis erreicht ist, warnt das DO-RA seinen Besitzer gleichzeitig mit Sprach-, Ton-, Text- und Lichtmitteilungen. 

3.   Die Funktion Karten: Auf einer extra hochgeladenen Weltkarte wird auf dem Bildschirm des Smartphones das Radioaktivitätsniveau des entsprechenden Ortes, Objektes, Gewässers etc. im Echtzeitregime angezeigt. Die Karte kann jeder Anwender mit seinen eigenen Messdaten per GPS- bzw. GLONASS-Navigationssystem von seinem  Handy aus vervollständigen.

4.  Die Funktion Persönliche Daten: Mithilfe dieser  Funktion kann das Handy bzw. Smartphone operative und aktuelle Daten über mögliche Risiken für den Organismus oder aber einzelne Körperorgane, die mit der aufgenommenen und im persönlichen Dosimeter aufgezeichneten Strahlendosis korrelieren, erhalten. Diese persönlichen Daten können dem Anwender, aber auch anderen Personen, wie zum Beispiel dem behandelnden Arzt, an jedem Ort der Welt zugänglich gemacht werden.

Mit welchen Schwierigkeiten muss ein Wissenschaftler in Russland rechnen und wie können diese überwunden werden?

Das erste Problem war das Arbeitsteam – die richtigen Leuten hatten wir erst nach  fast zwei Monaten gefunden. Und es ist nur dem Zufall zu verdanken, dass wir eine solch kompetente Mannschaft aufgebaut haben.

Das nächste Problem war die Finanzierung der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Es gibt bei uns in Russland nicht all zu viele Banken, die bereit wären, ihr Kapital in solche Projekte zu stecken. Und die Venture-Kapital-Fonds, die sich auf Finanzierungen dieser Art spezialisieren, fangen gerade erst an, in diesen Riesen-Markt einzusteigen. Die Erfinder in Russland sind in der Regel keine sehr reichen Leute, und die, die über Geld verfügen, setzen es nicht aufs Spiel. Hieraus folgt das Hauptproblem der russischen Erfinder: Es fehlt an Geld, um seine Erfindungen voranzutreiben. Mein Ratschlag an die Erfinder in Russland: Kämpft um Fördergelder für eure Entwicklungsarbeit, zum Beispiel in Skolkowo.

Welche Rolle spielte Skolkowo bei der Umsetzung dieses Projektes?

Dank der Website von Skolkowo konnte ich das Projekt präsentieren und einen „Marschplan“ für das Projekt erstellen und seine Entwicklung in den Strukturen von Forschungsinstituten und Entwicklungsarbeit abbilden sowie einen Plan für die zukünftige Vermarktung ausarbeiten. Nachdem ich vorab von zehn Sachverständigen – fünf russischen und fünf ausländischen – Expertisen eingeholt hatte, bekam ich von der Kommission den Bescheid, dass das Projekt den Anforderungen von Skolkowo entspricht. Ich war nun ein vollwertiger Teilnehmer am Innovationsprozess in Russland und bekam einmalige Vergünstigungen in Skolkowo. Da die Projekt ausführende Organisation, die Firma Intersoft Eurasia AG, in Skolkowo angesiedelt ist, muss sie nur 14 % der Lohnkosten tragen. Die restlichen Steuern fallen für uns nicht an. Die einzige Bedingung, um solche Vergünstigungen im Rahmen des russischen Steuersystems zu erhalten, ist, dass die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für eigene Innovationsprojekte erbracht werden und die Erfindung anschließend vermarktet wird.