Russland will Weizenimporte erleichtern

Der russische Getreideimport kann 2013 weiter zunehmen. Foto: RIA Novosti

Der russische Getreideimport kann 2013 weiter zunehmen. Foto: RIA Novosti

Russland muss nach einer Dürre im Sommer 2012 verstärkt Weizen einführen. Doch die hohen Preise auf dem Binnenmarkt machen Importe unrentabel. Deshalb prüft das Landwirtschaftsministerium die Abschaffung des fünfprozentigen Einfuhrzolls.

Im Dezember 2012 hat Russland 65.000 Tonnen Getreide, 32.000 Tonnen Weizen sowie Braugerste und Reis, importiert. Insgesamt führte das Land im zweiten Halbjahr 457.000 Tonnen Getreide, darunter 201.000 Tonnen Weizen, ein, berichtet der Leiter der Abteilung „Analyse und strategisches Marketing" des Transportunternehmens Rusagrotrans, Igor Pawenskij.

In der gesamten Saison 2011/2012 hatte Russland 324.000 Tonnen Getreide, darunter 104.000 Tonnen Weizen importiert. Grund für die

gestiegenen Importe im letzen Halbjahr ist insbesondere eine anhaltende Dürre im Sommer 2012 in Russland, die erhebliche Ernteausfälle nach sich gezogen hat. Nach Meinung von Pawenskij könnte der Import ab Februar 2013 weiter deutlich zunehmen, vor allem aus Kasachstan. Das Nachbarland ist in der Lage, in der ersten Jahreshälfte den russischen Markt mit 200.000 bis 250.000 Tonnen Weizen monatlich zu beliefern.

Das Problem sind jedoch die stetig gestiegenen Preise. Deshalb arbeitet das russische Landwirtschaftsministerium derzeit an Alternativen, um das ungestüme Anwachsen der Getreidepreise auf dem Binnenmarkt zu bremsen. Zu den möglichen Varianten gehört auch die Abschaffung des fünfprozentigen Einfuhrzolls für Importgetreide, wobei die Einfuhren aus Kasachstan keinen Zöllen unterliegen.

Die vorgesehene Maßnahme wäre vor allem für den Nordwesten des Landes von Bedeutung. Getreidelieferungen aus Frankreich oder Deutschland dorthin seien momentan schlichtweg unrentabel, erklärte der Präsident des Russischen Getreideverbandes Arkadij Slotschewskij. Sollte der Einfuhrzoll tatsächlich abgeschafft werden, könnten die Händler bis zu 20 US-Dollar pro Tonne Getreide mehr verdienen, was auch Lieferungen in diese Regionen wieder attraktiv machen könnte.

Experten erhoffen sich von Importanreizen und einem Anstieg des Verkaufs von gestütztem Getreide aus der Staatsreserve vor allem eine mäßigende Wirkung auf den Preisanstieg auf dem Binnenmarkt. Allerdings, eine endgültige Entscheidung oder offizielle Stellungnahme des Landwirtschaftsministeriums steht noch aus.

Marktanalysten gehen davon aus, dass das Einfuhrvolumen für Weizen nach Russland in dieser Landwirtschaftssaison, die am 30. Juni 2013 endet, etwa eine Million Tonnen Getreide betragen könnte.

Russland war in den letzten Jahren nach den USA und Australien weltweit drittgrößter Weizenexporteur. Aufgrund des Ernteeinbruchs im Sommer 2012 sieht die Situation jetzt anders aus. Laut Einschätzungen von Analysten der Bank JP Morgan wird der gemeinsame Weizenexport aus Russland und der Ukraine im Zeitraum zwischen Dezember 2012 und Juni 2013 1,7 Millionen Tonnen betragen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag diese Zahl bei 11,6 Millionen Tonnen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily.