Plattform für Bürgerinitiativen

Aljona Popowa, Gründerin des Start-Ups "Gov2People". Foto: Pressebild

Aljona Popowa, Gründerin des Start-Ups "Gov2People". Foto: Pressebild

Das Projekt Gov2People war ursprünglich ein Blog über die weltweit erfolgreichsten Projekte im Bereich E-Government und Gesellschaftliche Kontrolle der Behörden. Inzwischen hilft das Projekt russischen Nachwuchs-Start-ups, Bekanntheit zu erlangen und Investoren zu finden.

Gemeinnützige Aktivitäten nehmen in Russland immer mehr zu. Die Protestbewegungen im Winter 2011 und Frühjahr 2012 haben viele, und zwar nicht nur die oppositionell eingestellten Bürger, dazu bewegt sich ehrenamtlich zu engagieren. Die Bürger haben erkannt, dass man in verschiedenen Bereichen durchaus Veränderungen bewirken kann – wenn man nur Initiative zeigt.

Gemeinnützige Initiativen in einem Verzeichnis zu vereinigen, genau darin besteht das Ziel des Projektes Gov2People. Das Projekt bietet zudem

Unterstützung bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an und hilft, Investitionen für die Entwicklung von Webseiten und Anwendungen zu akquirieren, die die Arbeit von Beamten kontrollieren und konkrete soziale Probleme effektiver lösen sollen.

„Die ‚Politik der kleinen Schritte' ist eine neue Tendenz in der modernen russischen Gesellschaft", sagt Olga Suworowa, Leiterin des Zentrums für gemeinnützige Initiativen Gov2People. „Tagtäglich tauchen in Russland Webseiten oder mobile Anwendungen auf, die den Menschen dabei helfen, ihre kleinen Alltagsprobleme zu lösen, seien es der ungepflegte Hof oder die kilometerlangen Staus. Viele Menschen wissen ja nicht, was sie tun sollen, wenn, sagen wir einmal, sich neben der Kita ein Müllberg angesammelt hat oder wenn in den Fluss neben der Ferienhaussiedlung ständig Industrieabfälle entsorgt werden", sagt Suworowa und erklärt weiter: „Die Internetseiten dieser sozialen Projekte bieten den Bürgern Formulare zum Ausfüllen an und leiten diese dann sogar für sie in die entsprechenden kommunalen Einrichtungen weiter. Und später überprüfen sie, ob das Problem gelöst wurde."

Aber es ist natürlich nicht alles so ungetrübt: Der realen Kontrolle der kommunalen Einrichtungen durch die Bürger steht die Intransparenz und träge Arbeitsweise der lokalen Verwaltungsstrukturen entgegen. Zudem steht nicht ausreichend Geld für die Unterstützung der gemeinnützigen Initiativen zur Verfügung.

 

Ein Start-up für Start-ups

Gov2People begann im Februar 2011 mit seiner Arbeit. Die Projektidee stammt von der russischen Expertin für E-Government und Start-up-Business sowie Person des öffentlichen Lebens Aljona Popowa. „Wir haben als Blog für russische und ausländische Initiativen im Bereich der gesellschaftlichen Kontrolle, des E-Governments und anderer sozialer Dienste begonnen", erzählt Olga Suworowa. Die Entwickler des Projekts beschlossen jedoch, sich nicht auf eine ausschließliche Beobachterfunktion zu beschränken. Gegenwärtig vereinigt das Projekt Gov2People bereits über einhundert Start-ups und die Entwickler beschäftigen sich aktiv mit deren Vermarktung. Es werden Lösungen geboten für Probleme im Bereich der Kommunalwirtschaft sowie Programme zur Suche und Ausbildung von Freiwilligen zur Bergung von Menschen in Katastrophensituationen, außerdem eine Plattform zur Akquirierung von Mitteln für verschiedenste Zwecke und Datenbanken zur Suche von russischen Anwälten und Richtern sowie ferner ökologische Kontrollen.

„Zu unseren ‚Zöglingen' gehören sowohl ganz junge Start-ups als auch bereits etablierte", sagt Olga Suworowa. Dazu gehört zum Beispiel das Projekt RosJama, das sich auf Lösungen sozialer und kommunalwirtschaftlicher Probleme konzentriert und seine Effektivität bereits unter Beweis gestellt hat. Die Organisation arbeitet erfolgreich mit Beamten in verschiedenen Städten Russlands zusammen. Ein anderes Projekt, das Bildungsportal Dnevnik.ru, wurde bereits mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet.

„Normalerweise werden gemeinnützige Projekte nicht dazu entwickelt, um mit ihnen Geld zu verdienen", bemerkt die Gründerin des Projekts Gov2People Aljona Popowa. „Die Entwickler, eine Gruppe junger Programmierer, hatte es satt, jeden Tag das Gleiche zu sehen: Der Staat unternimmt nichts gegen die Korruption und die Behörden bessern die Straßen nicht aus. Unser Ziel ist es, aus gemeinnützigen Initiativen ein Geschäft zu machen, damit die Jungs nicht nur aus Spaß an der Freude arbeiten, sondern erkennen, dass sie an einem richtigen Projekt mitwirken."

„Gov2People ist eine sehr gute Ausgangsplattform für jene, die gerade erst mit gemeinnützigen Initiativen beginnen", sagt der Leiter des Unternehmens für die Entwicklung mobiler Anwendungen Hint Solutions Igor Barinow. Seiner Meinung nach können politische und soziale Projekte per Definition anfangs keine Gewinne generieren. Wenn man jedoch in so ein Verzeichnis wie dem von Gov2People aufgenommen wird, steigen die Chancen bemerkt zu werden, glaubt der Experte: „Wenn man sich erst einmal einen Namen gemacht hat, kann man damit Geld verdienen wie mit anderen, kommerziell ausgerichteten Projekten auch."

Nicht ganz so rosig sieht der Experte für Projekte im Bereich der Verwaltung Iwan Begtin die Zukunftsaussichten von Gov2People: „Gov2People bietet ein sehr prägnantes und meiner Meinung nach nicht ganz aussichtsloses Format für die Suche nach Investitions- und Verkaufsprojekten, aber für die gemeinnützige Gesellschaft taugt es nichts."

 

Non-Profit als erfolgreiches Geschäftsmodell

Der Enthusiasmus der Entwickler von Gov2People wird aber durch rein pragmatische Fakten bestärkt: Das Geschäftsmodell des Projektes erwirtschaftet bereits Erlöse, im Wesentlichen dank Aufträgen von kommunalen Behörden für die Durchführung von Ausschreibungen für Softwareentwickler. „Unser größter Erfolg war die Ausschreibung Code4Russia, die im Juni 2012 in Perm durchgeführt wurde", erklärt Olga Suworowa.

Das Beispiel Code4Russia zeigt sehr gut, wie Behörden vom Potenzial des Projekts Gov2People profitieren können. In diesem Fall hat das Projekt mehrere Programmierer-Teams zur Erstellung touristischer Spiele-Apps für Android und iOS auf die Beine gestellt. Ziel war es, auf interessante und spielerische Weise die Sehenswürdigkeiten der Stadt Perm vorzustellen. Am Ende konnten die beiden Gewinner – die Entwickler der Anwendungen Route59 und Kreatives Ausmalbuch „Perm" – sich ein Preisgeld in Höhe von etwa 25 000 Euro teilen.

„Das ist eine äußerst erfolgreiche Herangehensweise", meint Olga Suworowa. „Der Staat kann sich unter mehreren Varianten das beste Produkt aussuchen, die Entwickler erhalten eine angemessene Entlohnung für ihre Arbeit und kostenlose Werbung. Darüber hinaus festigt Gov2People seinen Status als Bindeglied zwischen den Behörden und den Entwicklern von sozial bedeutenden IT-Lösungen."

 

Profil

 

Bezeichnung: Gov2People

Webseite: http://Gov2People.ru/

Beschreibung: Verzeichnis der besten russischen Gov-2.0-Projekte

Alleinstellungsmerkmal: Schaffung eines effektiven Kommunikationskanals zwischen Behörden und der Bevölkerung

Gründungsdatum: Februar 2011

Finanzierung: Eigenkapital von Aljona Popowa

Entwicklungspläne: Vorbereitung und Durchführung von Ausschreibungen für die Entwickler von Anwendungen, Akquirierung von Geschäftsstrukturen als Sponsoren für diese Vorhaben

 

SWOT-Analyse

Stärken: Effektives Tool zur Unterstützung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit neuer gemeinnütziger Projekte

Schwächen: Geringes Interesse der staatlichen und kommunalen Behörden und der Geschäftswelt an der erwendung gemeinnütziger IT-Lösungen

Chancen: Möglichkeit, Unternehmen zur Verwendung und Unterstützung gemeinnütziger Start-ups zu animieren

Risiken: Druck vonseiten staatlicher und kommunaler Behörden

 

Kontaktdaten: Olga Suworowa,Geschäftsführerin, mail@Gov2People.ru