Internationaler Respekt für russischen Finanzsektor

Unter den russische Banken verfügt die Sberbank über den größten Markenwert. Bezogen auf Europa liegt die Sberbank hinter HSBC, Santander, BNP Paribas und Deutscher Bank auf dem fünften Platz. Foto: fotoimedia

Unter den russische Banken verfügt die Sberbank über den größten Markenwert. Bezogen auf Europa liegt die Sberbank hinter HSBC, Santander, BNP Paribas und Deutscher Bank auf dem fünften Platz. Foto: fotoimedia

Acht russische Banken laut "The Banker" und "Brand Finance" unter den "Top 500" der wertvollsten Banken der Welt.

Trotz Euro- und Staatsschuldenkrise hat sich der Markenwert der größten 500 Banken der Welt deutlich erhöht: Nach Analysen des britischen Fachmagazins "The Banker" legte der Gesamtwert dieser Häuser im letzten

Jahr von 746,8 Mrd. Dollar um 15 Prozent auf 860,7 Mrd. Dollar zu. Der Gesamtwert der acht russischen Bankenmarken Sberbank, VTB, Moskauer Bank of Moscow, Rosbank, NOMOS Bank, Uralsib, TKB und Wosroschdenije erreichte 19,5 Mrd. US-Dollar. Seit der Krise 2008 konnten die Geldhäuser Russlands ihren Wert um beachtliche 453 Prozent steigern.

Für die Ermittlung des Rangs einer Bank wurden deren aktuellen Finanzergebnisse, ihre prognostizierten Kennwerte für die kommenden fünf Jahre, aber auch Marktpräsenz, Marktanteil, Attraktivität und Kundenzufriedenheit herangezogen. „Die Ergebnisse dieses Jahres zeigen, dass die Bankenkrise weltweit zu Ende geht und der Wert der Bankenbrands wieder zunimmt", bemerkt David Haigh, Geschäftsführer von Brand Finance.

Während sich die traditionellen Bankenplätze - Großbritannien oder die Schweiz - eher seitwärts bewegen, nimmt die Bewertung von Banken in den Entwicklungsländern, namentlich in den BRICS-Staaten, besonders stark zu. Russlands Bankenbrands liegen trotz außergewöhnlicher Steigerungsraten noch deutlich hinter denen Chinas und Brasiliens zurück. Brasilien zwar in der Rangliste auch nur mit acht Banken vertreten, aber der Wert dieser Banken ist mit 37,9 Mrd. US-Dollar fast doppelt so groß wie der der russischen. Der Wert der Handelsmarken der 23 chinesischen Finanzhäuser beträgt sogar 95,7 Mrd. US-Dollar, der der zwanzig gelisteten indischen Geldhäuser kommt auf 14,5 Mrd. US-Dollar.

Unter den russische Banken verfügt die Sberbank über den größten Markenwert. Sie ist in der Rangliste im Vergleich zum letzten Ranking um vier Positionen nach oben geklettert und belegt nun den 13. Platz. Der Markenwert ist dabei um 31 Prozent auf 14,16 Mrd. US-Dollar angestiegen. Bezogen auf Europa liegt die Sberbank hinter HSBC, Santander, BNP Paribas und Deutscher Bank auf dem fünften Platz.

2012 vergrößerte die Sberbank deutlich ihre Aktiva. So übernahm sie zum Beispiel die türkische Denizbank und das Osteuropageschäft VBI von der österreichischen Volksbank, konsolidierte ihr Investmentgeschäft durch den Zukauf von Troika Dialog und platzierte im September an den Börsen Londons und Moskaus erfolgreich 7,6 Prozent ihrer Aktien. Im September 2012 landete der russische Bankenkonzern im Ranking der Zeitschrift The Economist bei der Gewinnrendite der Aktien über die letzten zehn Jahre direkt hinter Apple auf dem zweiten Platz. Für jede Milliarde US-Dollar, die die Bank Rossii, die Zentralbank der Russischen Föderation, vor zehn Jahren in die Sberbank investiert hätte, bekäme sie als Hauptanteilseigner jetzt 37 Mrd. US-Dollar zurück, kommentierte Präsident Wladimir Putin kürzlich das hervorragende Ergebnis.

Die frühere Außenhandelsbank Vneschtorgbank VTB konnte sich von Platz 87 auf den 80. Platz verbessern. Das Bankhaus wird mit 2,34 Mrd. US-Dollar (+30 Prozent) bewertet. Den beeindruckendsten Anstieg legte allerdings die Bank of Moskow hin, die vom 190. Platz auf den 104. Platz kletterte. Ihr Wert legte innerhalb eines Jahres um 87 Prozent auf 1,7 Mrd. US-Dollar zu.

In die "Top 500" der wertvollsten Geldhäuser schafften es auch die Rosbank (mit 450 Mio. US-Dollar auf Platz 241), die Nomos-Bank (Platz 358, 240 Mio. US-Dollar), die Uralsib (Platz 403, 210 Mio. US-Dollar), die TKB (Platz 425, 200 Mio. US-Dollar) und die Bank Wosroschdenije (Platz 430, 190 Mio. US-Dollar). Die russischen Banken verbesserten alle ihr Ranking im Vergleich zum Vorjahr, lediglich die Uralsib verschlechterte sich um vier Plätze.

„Es gibt Banken, für die es sehr wichtig ist, in dieser Rangliste vertreten zu sein. Denn damit werben sie um Neukunden. Natürlich gibt es daneben auch Banken, die einen festen Kundenstamm haben und für die das Ranking nicht so ausschlaggebend ist", urteilt die Geschäftsführende Partnerin von 42 Market Research, Olga Belobrowzewa. Von der sprunghaften Wertzunahme der Marke der Bank of Moscow zeigt sie sich überrascht : „Ich bin mir nicht sicher, ob diese Platzierung einem erfolgreichen Marketing geschuldet ist. Es sind wohl eher handfeste ökonomische Gründe. Die Übernahme durch die VTB-Gruppe spielt natürlich eine große Rolle."

Unter den "Top 500" der wertvollsten Brands bei den Banken zu sein, beeinflusst natürlich nicht den Wert der Bank selbst, dämpft Leonid Ignat, Geschäftsführer für Öffentlichkeitsarbeit der Alpha Bank, die Euphorie: Sein Credo: „Allein der Kurs der Aktie bestimmt den wahren Wert einer Bank." Es gäbe natürlich auch weitere objektive Kennziffern wie Volumen der Aktiva, Gewinn oder uneinbringliche Forderungen ("Bad Depts"). Die Dynamik dieser Kennziffern sei den Investoren geläufig. Auf dieser Basis träfen sie ihre Investments. Niemand würde auf die Idee kommen, mit Aktien oder Obligationen auf Basis eines Markenwertes handeln. Ignat: "Das wäre ein bisschen zu viel Spekulation!"

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Vedomosti.ru

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