Korn teuer wie nie zuvor

Aufgrund von Dürren und Missernten in den vergangenen Jahren sind die Getreidereserven Russlands geschmolzen. Foto: ITAR-TASS

Aufgrund von Dürren und Missernten in den vergangenen Jahren sind die Getreidereserven Russlands geschmolzen. Foto: ITAR-TASS

2012 stiegen die Getreidepreise in Russland um mehr als das Doppelte. Die Reserven schwinden. Zur Stabilisierung der Lage könnte die Regierung auf Importe zurückgreifen.

Nach Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums verkaufte Russland 2012 etwa 26 Millionen Tonnen Getreide in mehr als 80 Länder. Es war damit der weltweit drittgrößte Exporteur. Die größten Importeure russischen Getreides sind Ägypten, die Türkei und Saudi-Arabien. Nun müssen die Exportverträge möglicherweise neu verhandelt werden.

Aufgrund von Dürren und Missernten in den vergangenen Jahren sind die Getreidereserven Russlands geschmolzen. Der Preis geht kontinuierlich in

die Höhe. Er stieg zuletzt um 1 - 1,5 % pro Woche. Auf dem Binnenmarkt kostet eine Tonne Getreide fast 100 US-Dollar mehr als auf dem Weltmarkt. Um die Situation zu stabilisieren unternimmt die russische Regierung verschiedene Maßnahmen. Diese reichen von finanziellen Beihilfen für die Erzeuger bis hin zum Aufkauf von Getreide im Ausland.

 

Anfang des Jahres 2013 betrug die Getreidereserve in Russland 25,3 Millionen Tonnen. Noch vor einem Jahr war diese mit etwa 36 Millionen Tonnen deutlich größer. Das Nachlassen des Angebots auf dem Markt führte zu einem Ansteigen des Preises, der gegenwärtig mit 390 US-Dollar pro Tonne einen historischen Höchststand erreicht hat. Im vergangenen Jahr seien die Getreidepreise im europäischen Teil Russlands um 100 % und im asiatischen Teil um 127 % bis 145 % gestiegen, erklärte unlängst der stellvertretende Landwirtschaftsminister Russlands, Ilja Schestakow. Seiner Meinung nach werde sich der Preisanstieg 2013 fortsetzen.

Im Zuge steigender Getreidepreise sind auch Mehl und Brot im vergangenen Jahr teurer geworden. Laut Statistik waren Ende Dezember 2012 die Durchschnittspreise für Mehl im Vergleich zum Dezember 2011 um 54 % und die Einzelhandelspreise für Brot um 12 % angestiegen. 2012 wurden gerade einmal 8,8 Millionen Tonnen Mehl produziert – so wenig wie seit 1991 nicht mehr.

Aufgrund der Probleme in der Landwirtschaft, einem der wichtigsten Wirtschaftsbereiche des Landes, bleibt der Regierung wohl nichts anderes übrig als zu außergewöhnlichen Maßnahmen zu greifen um die Getreidepreise und die Lage auf dem Markt insgesamt zu stabilisieren. Eine wichtige Rolle könnte dabei der bereits 2001 eingeführte Stützungsfonds spielen.

Während seiner mehr als zehnjährigen Existenz wurde dieser ausschließlich durch Einkäufe bei einheimischen Produzenten aufgefüllt. Als 2012 die Getreideernte wegen der Sommerdürre erneut sehr gering ausfiel und nur etwas mehr als 70 Millionen Tonnen eingefahren wurden, beschloss die Regierung erneut, den Getreidefonds aufzustocken. Diesmal könnte dies jedoch auch durch Zukäufe aus dem Ausland geschehen.

Einige Experten jedoch sind der Meinung, dass es zu diesem Schritt nicht kommen werde. Das Sicherheitspolster sei mit etwa 80 - 90 Millionen Tonnen ausreichend groß, erläutert der Analyst der Fondsgesellschaft Finam Management, Maxim Kljagin. Im schlimmsten Falle könnte, so Kljagin, die strategische Reserve mithilfe von Importen preiswerten Getreides aus dem benachbarten Kasachstan aufgestockt werden. Dort habe sich in den letzten Jahren ein beachtlicher Überschuss herausgebildet.

 

Russlands Getreideexport

 

Nach Angaben des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) belegte Russland beim Getreideexport in der laufenden Landwirtschaftssaison 2012/2013 den fünften Platz nach den USA, Australien, Kanada und der Europäischen Union.

In der Liste der zehn größten Exporteure liegt – laut dem Januarreport des USDA – Indien hinter Russland auf dem sechsten Platz, danach kommen Argentinien, Kasachstan und die Ukraine.