Russe verschenkt Milliarden

Einer der reichsten Russen Wladimir Potanin hat die Spendeninitiative „The Giving Pledge“ von Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt. Foto: Kommersant

Einer der reichsten Russen Wladimir Potanin hat die Spendeninitiative „The Giving Pledge“ von Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt. Foto: Kommersant

Der Präsident der Holding „Interros“ ist der erste russische superreiche Unternehmer, der die Spendeninitiative „The Giving Pledge“ von Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt.

Wladimir Potanin ist der erste russische Unternehmer, der sich der Wohltätigkeitskampagne „The Giving Pledge", in der bis dato nur US-Amerikaner vertreten waren, angeschlossen hat. Gegründet wurde die Initiative für humanitäre Zwecke im Juni 2010 von den Multimilliardären Bill

Gates und Warren Buffet. Die zwei damals reichsten Männer der Welt hatten die bestbetuchtesten Personen und Familien der Welt dazu aufgerufen, den Großteil ihres Vermögens der Wohltätigkeit zu stiften. Im Februar 2013 verzeichnete die Initiative bereits 93 Milliardäre, die sich dazu entschieden hatten, mindestens 50 Prozent ihres Reichtums zu spenden. Unter ihnen befinden sich Karstadt-Retter Nicolas Berggruen, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, Star-Wars-Regisseur George Lucas und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Auf der Webseite von „Interros" begründet Potanin in einem Brief an die Organisatoren der Initiative seinen Schritt wie folgt: „Ich habe mich für ‚The Giving Pledge' entschieden, weil ich glaube, dass es die außergewöhnliche Initiative wert ist, unterstützt zu werden. Ich hoffe, dass mein Beitritt der Welt nicht nur die Renaissance der Wohltätigkeit in Russland vor Augen führt, sondern auch meine russischen Mitbürger sowie andere Menschen zu gleichen Taten inspiriert."

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Potanin wohltätigen Zwecken widmet. Der Milliardär setzt sich bereits seit 1999 engagiert für gute Zwecke ein. Sein Fonds, die „Wladimir-Potanin-Stiftung", gibt beispielsweise jährlich über acht Millionen Euro für Bildung, Kultur und Sport aus. Außerdem hat der erfolgreiche Geschäftsmann aktiv das Museum „Ermitage" und das „Guggenheim Museum" unterstützt.

 

Grund für Potanins Großzügigkeit ist Sorge um seine Kinder

Der Grund für Potanins Großzügigkeit ist simpel: Er möchte, dass seine Kinder im Leben alles selbst erreichen. „In all den Jahren, in denen ich als Geschäftsmann tätig bin, ist mir eines ziemlich klar geworden: Das viele Geld ist eine große Verlockung, eine große Probe und eine schwere Bürde für die Nachkommen, da diese immer im Schatten ihres berühmten und reichen Vaters stehen. Sie haben nur wenige Ziele und nur eine geringe Motivation im Leben. Denn sie besitzen ja schon alles, was man haben kann. Deswegen glaube ich, dass man seinen Kindern kein solch großes Vermögen hinterlassen sollte. Wenn man sein Kind glücklich machen will, dann gibt man ihm eine Million, wenn man es ins Verderben stürzen will, dann gibt man ihm eine Milliarde. Genau deswegen habe ich mich dazu entschlossen, mein Vermögen nicht zu vererben, sondern es für einen guten Zweck zu stiften", so der Geschäftsmann gegenüber dem Magazin Forbes.

Unter Potanins Landsleuten jedoch scheiden sich die Meinungen. Der bekannte russische Bankier Alexander Gafin, Vorstandsmitglied der Bank Rietumu, erklärte: „Wenn jemand ein so riesiges Imperium aufgebaut hat und dessen Zukunft nicht in den Händen seiner Kinder sieht oder es bevorzugt, dass diese im Leben alles selbst erreichen, dann ist es nur konsequent, sein Geld wohltätigen Zwecken zu spenden. Andererseits hätte man mit diesem Geld so einiges an Problemen in Russland lösen können. Ich glaube, dass Potanin dem russischen Regierungssystem nicht ganz vertraut und deshalb meint, sein Geld sei bei einem Fonds im Westen besser aufgehoben."

Im Frühjahr 2012 hat die Zeitschrift Forbes Potanins Vermögen auf etwa elf Milliarden Euro geschätzt, was ihn auf den vierten Platz im Ranking der reichsten Geschäftsleute Russlands brachte. In der Bloomberg-Liste der Superreichen, welche jährlich das Vermögen der 100 reichsten Menschen der Welt schätzt, nimmt Potanin derzeit den 52. Platz mit 11,6 Milliarden Euro ein, wobei er noch Verbindlichkeiten im Wert von einer Milliarde Euro haben soll.

Derzeit kontrolliert Potanin durch die Holding „Interros" persönlich die Bewegungen seiner Aktiva, wobei ein Teil davon wieder ins Geschäft zurückfließt und der andere Teil etablierten humanitären Programmen gespendet wird. In Zukunft, so der Pressedienst des Geschäftsmanns, werden die Obligationen an den Aktiva einem speziellen Trust übergeben.

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