Hollywoods Spielwiesen in Russland

Geschäftsführer von DreamWorks Animation Jeffrey Katzenberg und Mitglied des Vorstandes von Regiony Amiran Muzojew posieren mit den Dream Works-Trickfilmfiguren. Foto: GK Regions

Geschäftsführer von DreamWorks Animation Jeffrey Katzenberg und Mitglied des Vorstandes von Regiony Amiran Muzojew posieren mit den Dream Works-Trickfilmfiguren. Foto: GK Regions

Die amerikanische DreamWorks Animation plant in Russland ihren ersten Freizeitpark. Die Nachfrage nach Erlebnisparks entwickelt sich in Russland dynamisch und zieht internationale Konzerne auf der Suche nach neuen Märkten an.

Alik Muzojew, russischer Jungunternehmer und dreifacher Vater, strahlt, wenn er über das neue Projekt spricht. Seine Familie ist Teilhaber an der Unternehmensgruppe Regiony, dem russischen Partner von DreamWorks Animation. „Ich sehe die Begeisterung meiner Kinder, wenn sie sich diese Trickfilme anschauen. Das hat in mir den Wunsch geweckt, russischen Kindern diese Freude in Gestalt von Themenparks zu schenken", so der Unternehmer in einem Interview mit RBTH. Auch er wurde, wie er sagt, selbst in den Bann der Helden von „Madagaskar" gezogen.

Die Unternehmensgruppe Regiony, in der Muzojew Vorstandsmitglied ist, plant drei überdachte Freizeitparks in Moskau, St.-Petersburg und Jekaterinburg. Diese werden sich über eine Gesamtfläche von etwa einer Million Quadratmetern erstrecken. Die Höhe der veranschlagten Investitionen beläuft sich auf eine Milliarde USD, von denen das Unternehmen 30% aus eigenen Mitteln aufbringt. Die übrigen 70% des Betrages sollen durch Bankkredite gedeckt werden. Zwei Grundstücke für die Bauvorhaben, in Sankt Petersburg und Jekaterinburg stehen bereits fest. Um das Gelände in Moskau laufen die Verhandlungen noch.

Muzojew's Verwandter Amiran Muzojew, ebenfalls Mitglied des Vorstandes von Regiony, rechnet damit, dass sich das Projekt innerhalb von zehn Jahren amortisiert. Er geht davon aus, dass die Erlebnisparks jährlich rund 11,7 Millionen Besucher anziehen werden. Der Eintrittspreis, der alle Attraktionen einschließt, soll mit 50-80 USD in einem mittleren Preisniveau angesiedelt sein.

Mit welchen Attraktionen die Freizeitparks genau bestückt werden, steht noch nicht fest. Es ist das erste derartige Projekt der Firma DreamWorks weltweit. Bekannt sind vorerst nur die Figuren, die die Parks bewohnen könnten – sie stammen aus den Filmen „Shrek", „Madagaskar", „Drachenzähmen leicht gemacht" und „Kung Fu Panda". Neben dem Park sollen Einkaufszentren, Restaurants und Kinos entstehen, außerdem ein 3-Sterne-Hotel und ein Parkhaus mit 11.000 Stellplätzen. Der erste Park soll bereits im Jahr 2015 eröffnet werden.

 

Weitere Themenparks sind in Planung

Ende 2012 und Beginn 2013 waren gute Zeitpunkte für Investitionen in den russischen Freizeitpark-Markt. Kurz vor der Entscheidung über die DreamWorks-Projekte wurde bekannt, dass in verschiedenen russischen Städten Angry-Birds-Parks geplant sind. Sie werden jedoch - mit lediglich an die 10.000 Quadratmeter - eine weitaus geringere Fläche beanspruchen. Außerdem genehmigte die Moskauer Kommission für Stadtentwicklung und Bodennutzung im Dezember 2012 den Bau eines Hotel- und Businesskomplexes im Süden der Stadt, der auch einen Themenpark von Universal Studios Hollywood einschließt. Dieser Bau soll in nächster Zeit begonnen werden. Er wird der weltweit fünfte Themenpark der Universal Studios und der erste in Europa sein.

Freizeit- und Erlebnisparks sind zurzeit in Russland eine richtige Marktlücke. Zwar gibt es etwa in Moskau einige größere Parks, die sich für Ausflüge mit Kindern eignen. Ihre Anlagen erinnern jedoch noch stark an sozialistische Zeiten und lassen gegenüber den heutigen Ansprüchen dementsprechend zu wünschen übrig.

Amiran Muzkojew fürchtet die Konkurrenz der anderen Hollywood-Projekte nicht. Er ist sich sicher, dass „die DreamWorks-Figuren in Russland nicht zu toppen sind". Unterstützung bekommt er von Jeffrey Katzenberg, dem Geschäftsführer von DreamWorks Animation. Nach seiner Einschätzung war im vergangenen Jahr „Madagskar 3" der zweitgrößte Kassenschlager unter den Animationsfilmen in der gesamten Geschichte des russischen Filmverleihs. Der Film brachte den russischen Kinos über 48 Millionen USD ein. Spitzenreiter ist der von 20th Century Fox vertriebene „Ice Age 4 – Voll verschoben". Katzenberg ist sich sicher: „Die Beliebtheit der Figuren von DreamWorks ist in Russland unübertroffen. Die Disney- oder Universalproduktionen reichen da bei weitem nicht heran. Sechs der zehn beliebtesten Trickfilme sind von DreamWorks".

Russlands Freizeitpark-Kuchen ist groß genug und wird für alle reichen. Der russische Freizeitmarkt wächst in einem Tempo von jährlich 10%. Allein 2011 stieg er um 12% auf 24,1 Milliarden USD. Damit gelangte er nach Angaben von PricewaterhouseCoopers (PwC) unter die Top 10 der sich am schnellsten entwickelnden Märkte der Welt. Dabei sind 60% dieses Volumens in Moskau, St.-Petersburg und Jekaterinburg konzentriert. Eben dort, wo auch der russische Projektentwickler Regiony die Freizeitparks von DreamWorks Animation plant. Experten von PwC gehen davon aus, dass schon im Jahr 2014 der russische Freizeitpark-Markt analoge Märkte in den Ländern Europas, des Nahen Ostens und Afrikas überholen und bis 2016 auf ein Volumen von 39 Milliarden USD wachsen wird.

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