Ausbau der Ostseepipeline geplant, BP interessiert

Foto: ITAR-TASS

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Die Ostseepipeline soll deutlich ausgebaut werden. Für die neue Leitung wird eine eigene Betreibergesellschaft gegründet. BP bekundet Interesse, in das Milliarden-Projekt einzusteigen, das 2018 in Betrieb gehen könnte.

Intern sind die Verhandlungen offenbar weit fortgeschritten, die Betreibergesellschaft soll bis Ende Mai gegründet werden, heißt es. Juristisch sei es einfacher, einen eigenen Betreiber für das neue Projekt zu schaffen, weil unklar sei, ob und in welchem Umfang alle Aktionäre der von Ex-Kanzler Gerhard Schröder geleiteteten Nord Stream AG sich daran beteiligen würden, sagte ein mit der Situation vertrauter Manager.

Der neue Strang soll internen Planungen nach die gleiche Route nehmen wie die bestehende Pipeline und ebenfalls über eine Kapazität von jährlich 55 Milliarden Kubikmetern Gas verfügen. In Bankenkreisen werden die Baukosten auf neun Milliarden Euro geschätzt, die erste Trasse hatte 7,4 Milliarden Euro gekostet. Experten erklären den Anstieg mit höheren Rohstoffpreisen. Speziell der Preis für Metalle ist höher als beim Bau der ersten Röhre.

Die Verantwortlichen rechnen mit drei Jahren für das Genehmigungsverfahren und mindestens einem Jahr Bauphase. Sollte die ersten Gaslieferung im Jahr 2018 erfolgen, wäre das „optimal“, erklärte ein Manager.

Ostseepipeline seit 2011 in Betrieb

Seit 2011 wird russisches Gas aus Wyborg kommend über die Ostseepipeline nach Europa exportiert. 2012 erreichte die Pipeline mit der Inbetriebnahme des zweiten Strangs ihre volle Kapazität. An dem Betreiberkonsortium Nordstream sind neben Mehrheitsaktionär Gazprom auch die deutschen Konzerne Wintershall und E.on Ruhrgas sowie die niederländische Gasunie und die französische GDF Suez an dem Projekt beteiligt.

Ob sich alle Aktionäre an der Erweiterung beteiligen wollen, ist noch unklar. Interesse an einem Einstieg hat hingegen wohl der britische Energieriese BP. Hintergrund sind die fallenden Förderquoten bei den Öl- und Gasfeldern in der Nordsee.

Während die Vorräte in der Nordsee zur Neige gehen, wurden in den USA riesige Schiefergasfunde gemacht. Deren Ausbeutung hat auch Auswirkungen auf den europäischen Markt, werden die USA doch von einem langjährigen Energie-Importeur zum Selbstversorger und potenziell über LNG (Flüssiggas) sogar zum Exporteur.

Die Konkurrenz unter den Lieferanten nimmt damit deutlich zu. Länder im Nahen Osten und Afrika, die bisher Amerika belieferten, werden sich auf Europa und Asien fokussieren. Mit diesen Gasproduzenten muss Russland konkurrieren.

Gazprom baut Pipelines en gros

Allerdings glaubt Gazprom langfristig sowohl an die eigene Wettbewerbsfähigkeit, als auch an einen wachsenden Gasmarkt in Europa – und dies obwohl der Gasverbrauch in Europa seit knapp drei Jahren rückläufig ist. Den Optimismus belegen die Milliardeninvestitionen in das Pipelineprojekt Southstream durch das Schwarze Meer.

Wie mit Southstream verfolgt Russland mit dem neuen Strang der Ostseepipeline aber noch ein weiteres Ziel: Gas, das bisher durch die Ukraine nach Europa floss, soll umgeleitet werden. Das ukrainische Pipelinenetz hat im besten Fall eine Kapazität von 170 Mrd. Kubikmetern pro Jahr.

Allerdings ist das Pipelinenetz veraltet und braucht hohe Investitionen. Die Ukraine hat kein Geld für eine Generalsanierung, will das Netz aber nicht an Gazprom verkaufen. Die Chance, die Leitung als potenzieller Betreiber zu sanieren, ist für den russischen Konzern aber offenbar nicht verlockend, zumal es zwischen beiden Ländern seit Jahren Streit um Lieferungen und Transit gibt.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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