Russisch-deutsche Kooperation: In vino veritas

Der russische Joint-Venture-Fonds BCD hat dem deutschen Internet-Weinhändler "Wine in Black" über 5 Mio. Euro spendiert. Foto: DPA / Vostock Photo

Der russische Joint-Venture-Fonds BCD hat dem deutschen Internet-Weinhändler "Wine in Black" über 5 Mio. Euro spendiert. Foto: DPA / Vostock Photo

Russische "Bright Capital Digital (BCD)" greift deutschem Online-Händler "Wine in Black" unter die Arme.

Der russische Joint-Venture-Fonds BCD aus den Private-Equity-Firmen "e.ventures Russia", "Passion Capital" und "Project A" hat dem deutschen Internet-Weinhändler "Wine in Black" über 5 Mio. Euro spendiert. Für den russischen Fonds ist das die erste Investition im Online-Retail-Geschäft.

Wadim Tarassow, Partner bei BCD, weist auf zwei Besonderheiten beim Internet-Einzelhandel hin: „Man kann zwar viel verkaufen, ohne groß in

Verkaufsflächen und Verkaufspersonal zu investieren, doch das Gefährliche am Geschäft ist die Rückgaberate. Es muss sich rechnen. Bei Weinen liegt die Rückgaberate zum Glück bei null, dazu wird auch noch viel häufiger gekauft als beispielsweise bei Konfektion oder Schuhen.".

"Wine in Black" verkauft seine Weine nach Deutschland, Frankreich und in die Niederlande. Um die Exklusivität zu erhöhen, kommt das Projekt als Club daher. Auf seiner Internet-Seite kann man lesen: "Wine in Black ist eine exklusive Gemeinschaft mit dem Ziel, ihren Mitgliedern Zugang zu weltweit ausgezeichneten Premium-Weinen zu unschlagbar günstigen Preisen zu bieten, und das bei kostenfreier Aufnahme!" Da ist es kein Wunder, dass die Kundendatenbank bereits über 200.000 Kunden zählt, und jeden Monat kommen etwa 10.000 Neukunden dazu. Der durchschnittliche Preis einer verkauften Flasche Wein, weiß Tarassow, beträgt gut 15 Euro.

"Das Club-System bringt einige Vorteile", urteilt Andrej Kulikow, Investmentanalyst bei Fastlane Ventures, die sich auf das Internet-Geschäft konzentriert. "Für den Durchschnittsverbraucher wird einerseits das Problem der Qual der Wahl gelöst, und für den Verkäufer bedeutet das wiederkehrende Kunden und hohe Einkaufssummen."

Zumindest im weinerprobten Europa ist das bereits ein Millionengeschäft. Nach Angaben von Euromonitor wächst der Internet-Handel mit Wein in allen EU-Ländern außer in Litauen, Griechenland und Rumänien. Am liebsten kauften 2011 die Belgier und die Briten ihren Wein online mit 6,9 Prozent bzw. 6,6 Prozent der gesamten Weinverkäufe. Mit 1,080 Mrd. Euro beim absoluten Umsatz mit Wein aus dem Internet lag Großbritannien an der Spitze der Europäer. In Frankreich, dem größten Weinmarkt der EU, wurden hingegen nur 2,6 Prozent aller Weine über das Internet abgesetzt. Der Umsatz lag bei bescheidenen 655 Mio. Euro.

Es liegt eigentlich nahe, auch in Russland gehobenen Wein im Internet zu vertreiben. Doch das Konzept, "Wine in Black" einfach nach Russland zu expandieren, hat BCD zunächst zurückgestellt. Denn in Russland gibt es das sprichwörtliche "Wasser im Wein". Es ist gesetzlicher Natur. Seit 2007 besteht ein Verkaufsverbot für Alkohol im Internet. In den letzten Jahren gab es zwar verschiedentlich Vorstöße, dieses Gesetz wieder abzuschaffen. Doch der Staat rückte bisher nicht von seiner Position ab. Das Hauptargument der Befürworter des Verbots besteht darin, dass das Alter des Käufers nicht festgestellt werden kann. Zudem würde der Internethandel auch der Einhaltung des in Russland geltenden nächtlichen Verkaufsverbots für Alkohol zuwider laufen.

Dennoch findet auch in Russland ein gewisser Online-Handel mit alkoholischen Getränken statt. Entsprechende Online-Geschäfte sind im Internet mehr oder weniger offen zu finden. Es gäbe da einige Kniffe, um das Verkaufsverbot halblegal zu umgehen, erklärt ein Internethändler, der vorsichtshalber anonym bleiben möchte: „Das Verbot gilt nämlich nur gegenüber natürlichen Personen. Einem Unternehmen, das heißt einer juristischen Person, darf man Alkohol rund um die Uhr im Internet verkaufen. Der Trick geht so: Falls der Endkunde de facto eine Privatperson ist, erhält der Kurier, der die Ware zustellen soll, von uns eine Vollmacht, die der Endkunde unterschreiben muss. Mit dieser Vollmacht wird bewiesen, dass nicht der Kunde, sondern die Kurierfirma im Internet gekauft hat. Nur die Zustellung erfolgt dann privat. Formaljuristisch ist das legal." Bislang würden die Behörden bei solchen Praktiken ein Auge zudrücken. „Wie unser Geschäftsmodell funktioniert, ist den meisten Kontrollinstanzen zwar klar, doch Probleme werden uns keine bereitet. Falls es mal Schwierigkeiten gibt, etwa in Steuerfragen, einigt man sich eben in gegenseitigem Einvernehmen."

Deshalb sieht BCD für "Wine in Black" langfristig auch gute Marktchancen in Russland. Ganz bestimmt fällt über kurz oder lang auch das russische Verkaufsverbot von Alkohol im Internet.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily.

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