Russische Neugründer erziehen zu mehr Zuverlässigkeit

Der Gründer von Promise Up Iwan Kotschetow. Foto: Pressebild

Der Gründer von Promise Up Iwan Kotschetow. Foto: Pressebild

Ein russisches Startup hat eine Anwendung entwickelt, die die Erfüllung von Versprechen nachverfolgt, und den Anwender für die Nichteinhaltung bestraft. Das Projekt soll innerhalb von zwei Jahren eine Million US-Dollar erwirtschaften.

Eines schönen Winterabends vor einem Jahr unterhielt Iwan Kotschetow sich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit einer Kollegin. „Wie einfach wäre doch das Leben, wenn alle ihre Versprechen hielten!" räsonierte die junge Frau. „Wir würden jede Menge Zeit sparen und uns nicht ständig ärgern!"

Iwans unternehmerische Natur ließ ihn darüber nachdenken, wie Menschen Versprechen geben und diese einhalten, oder auch nicht einhalten. Das Ergebnis seiner Überlegungen war ein einfaches Programm, das die Zahl der gegebenen und eingehaltenen Versprechen nachverfolgt. Das Programm testete er an Freunden und Bekannten: 26 Personen sollten innerhalb einer Woche alle halbe Stunde die Einhaltung der von ihnen gegebenen Versprechen kontrollieren.

Im Durchschnitt gaben die Versuchspersonen vierzig Versprechen pro Tag, sowohl sich selbst, als auch anderen. Davon war lediglich ein Drittel auch realisierbar. Das Problem lag auf der Hand! Iwan und seine Freunde boten eine einfache Lösung an: Wenn du das jemanden gegebene Versprechen nicht gehalten hast, so musst du dieser Person dafür eine Strafe bezahlen.

Die Arbeitsfähigkeit des Modells prüften sie an sich selbst: Es wurde eine Strafe von zehn US-Dollar für jedes nicht eingehaltene Versprechen festgelegt. „Das war eine sehr interessante Erfahrung. Es zeigte sich, dass man nicht nur einander etwas versprechen, sondern auch helfen kann", erinnert sich Iwan. „So traf ein Kollege sich zum Beispiel mit einer jungen Frau. Er war unglücklich, konnte die Beziehung andererseits aber auch nicht aufgeben. Wir wetteten mit ihm, dass er‚ der jungen Dame zwei Wochen nicht schreiben' dürfe. Der Einsatz betrug 100 US-Dollar, und unser Kollege nahm die Wette an. Und hielt durch. Jetzt ist er glücklich und lebt ein zufriedenes Leben".

Begeistert von dem ersten Erfolg, beschloss Iwan, die Auseinandersetzung mit nicht eingehaltenen Versprechen weltweit zu führen und gründete ein Startup. Im März 2012 waren das Konzept und das Businessmodell ausgearbeitet, und schon bald interessierte der Fonds TDVFI  sich für das Projekt. Im Mai 2012 schloss Promise Up die Akquisition der Erstinvestitionen ab und hatte 150.000 US-Dollar zu einem Zinssatz von 25 Prozent zur Verfügung. Gegenwärtig wird die Kapitalisierung des Projektes auf 600.000 US-Dollar geschätzt.

Für das Projekt interessierten sich schließlich auch ausländische Investoren. „Der Hauptpartner eines amerikanischen Venturefonds teilte uns sinngemäß Folgendes mit: ‚Ich werde aus der erstehen Reihe beobachten, wie die Russen der ganzen Welt beibringen, ihre Versprechen einzuhalten'", schmunzelt Iwan.

Mittlerweile besteht die Mannschaft aus drei Leuten, die sich mit der Entwicklung beschäftigen. Sie werden von einem Team der Werbeagentur RZLTT Accelerator unterstützt, die das Produkt weiterentwickeln und dessen Einführung auf dem amerikanischen und russischen Markt absichern soll.

Nach der Registrierung bekommt jeder Nutzer eintausend Up-Dollar, so heißt die interne virtuelle Währung, zugeteilt, die er dafür ausgeben kann, Versprechen zu geben oder entgegenzunehmen.

Er gibt ein Versprechen und nimmt es selbstständig an oder gibt es einem Freund. Jedes Versprechen hat seine eigene Erfüllungsfrist und seinen Preis. Nachdem die Frist abgelaufen ist, fragt die Anwendung den Nutzer: „Did you do it?" und wenn das Versprechen eingehalten wurde, so geht der Einsatz vom Verlierer, das heißt, von demjenigen, der den Einsatz geboten hat, zum Gewinner über. Wenn das Versprechen nicht eingehalten wurde, wird der Einsatz von demjenigen abgezogen, der das Versprechen gegeben hat, das heißt der Verlierer zahlt die so genannte „Looser-Steuer" in Höhe von einem Up-Dollar an das Projekt. Bei denjenigen, die ihre Versprechen prinzipiell nicht einhalten, gehen die Up-Dollars recht schnell aus, und neue Up-Dollars müssen bereits für reales Geld erworben werden.

Und wenn jemand sein Versprechen nicht hält, aber im Programm das Gegenteil angibt? „Auf die Natur des Menschen haben wir momentan noch keinen Einfluss. Wenn jemand lügen will, so wird er dies auch tun. Aber da die Versprechen in Promise Up einander von Menschen gegeben werden, die in einem engen Kontakt zu einander stehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrug auffliegt, recht hoch", sagt Iwan. „Unsere Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass Sie in Ihrem persönlichen Umfeld die Personen, denen Lügen missfallen und die gegen nicht eingehaltene Versprechen ankämpfen, von denen unterscheiden können, die ständig flunkern und nichts ändern wollen".

Als nächstes plant Promise Up die Anwendung Upshop zu entwickeln, ein Webstore, in dem die Nutzer diverse Waren für die Up-Dollars, die sie für ihre eingehaltenen Versprechen bekommen haben, erwerben können.

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