Technoparks machen wissenschaftliche Ressourcen zugänglich

Sergej Juschko. Foto: Pressebild

Sergej Juschko. Foto: Pressebild

Sergej Juschko, Direktor des IDEA-Technoparks in Kasan, spricht über die Möglichkeiten 
für internationale und kleinere Unternehmen.

Was bieten die Technoparks internationalen Investoren?

 Um ihre führenden Positionen behaupten zu können, müssen Großkonzerne wie Siemens und Honeywell Forschung und Entwicklung in einem breiten Spektrum betreiben und die neuesten Ergebnisse umsetzen.

Diese Prozesse unternehmensintern durchzuführen, wäre teuer und ineffizient – sie werden daher ausgelagert. Hier kommen die Technoparks ins Spiel.

Aber warum sollen die Konzerne gerade nach Russland gehen?

Russland ist mit seinen großen wissenschaftlichen Ressourcen ein attraktiver Standort für den Aufbau von Netzwerken mit Experten praktisch jeglichen Profils – von der Flüssigkeitsdynamik bis zu chemischen Prozessen. Bindeglieder zwischen Universitäten und international agierenden 
Unternehmen sind Technoparks wie IDEA, die eine ideale Plattform für die Interaktion zwischen Großkonzernen und kleineren Unternehmen darstellen. Fast alle 
Technoparks bieten eine Art subventionierter Infrastruktur und vergünstigte Mietbedingungen für kleine Unternehmen, aber die weltweiten Marktführer brauchen vor allem eins – Begabungen. Technoparks ziehen die besten Absolventen lokaler Universitäten an. Sie bieten ihnen attraktive Konditionen für die Gründung einer eigenen Firma.

Können Sie ein Beispiel für eine Kooperation mit einem großen Konzern anführen?

Siemens fertigt Messgeräte für Russlands größtes Unternehmen Gazprom.

Jetzt geht es darum, die Produkte und Lösungen von Siemens an die russischen Witterungsverhältnisse anzupassen. Und schließlich müssen die Messgeräte zertifiziert werden. An diesen Schnittstellen erfüllen die im Technopark IDEA ansässigen kleinen Unternehmen eine ungemein wichtige Funktion für Siemens in Russland.

Welche russischen Technoparks sind für Investoren besonders attraktiv?

Investoren sollten nach Technoparks Ausschau halten, die den neuesten europäischen BIC-Standards entsprechen wie IDEA in Kasan und das Krasnojarsk-Gründerzentrum in Sibirien. Auch Skolkowo ist dabei, diesen Standard zu implementieren. Die Rentabilität des Technoparks und eine wenn überhaupt geringe staatliche Beteiligung sprechen ebenfalls für seine Lebendigkeit.

 

Weniger Steuern für Investoren

 

Russlands Sonderwirtschaftszonen existieren in dieser Form erst seit 2005. Heute sind dort 57 ausländische Unternehmen aus 21 Ländern angesiedelt. Im Jahr 2012 kamen sechs 
US-Firmen dazu. Von diesen investierte General Motors alleine 180 Millionen US-Dollar, 3M 30 Millionen und Armstrong (Baumaterialien) 75,4 Millionen US-Dollar. 3M zahlt in den ersten fünf Jahren zwei statt der üblichen 
20 Prozent Gewinnsteuer. Außerdem ist das Unternehmen von der Mehrwertsteuer sowie Einfuhrzöllen auf Teile und Ausrüstungen befreit und kann die Elektrizität kostenlos nutzen.

Die Sonderwirtschaftszonen haben in den letzten sieben Jahren 3,6 Milliarden US-Dollar an ausländischen 
Direktinvestitionen akquiriert. Sie 
haben beim Einreichen von 350 
Patenten mitgewirkt, ihr Tätigkeitsfeld auf die Industrieproduktion, den Tourismus und die Frachtschifffahrt ausgedehnt und Firmen wie Boeing und Apple angezogen.

Alle Residenten müssen über ein Aufsichtsgremium und das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung akkreditiert werden. Das Verfahren wurde jüngst vereinfacht, denn Russland hat sich das ehrgeizige Ziel gesteckt, bis 2018 auf Platz 20 des Doing-Business-Ranking der Weltbank vorzurücken.