Bessere Kontrollen für Lebensmittel

Die EU-Kommision schlägt eine Verstärkung der Kontrollen zur Einhaltung der Sanitär- und Hygienenormen über die gesamte landwirtschaftliche Fertigungskette vor. Foto: Kommersant

Die EU-Kommision schlägt eine Verstärkung der Kontrollen zur Einhaltung der Sanitär- und Hygienenormen über die gesamte landwirtschaftliche Fertigungskette vor. Foto: Kommersant

Der „Pferdefleisch-Skandal“ hat die Unzulänglichkeit europäischer Lebensmittelkontrollen nur allzu deutlich offenbart. Während die Europäische Union noch nach Lösungen für bessere Kontrollen sucht, denkt Russland bereits über eine elektronische tierärztliche Zertifizierung nach.

Am 6. Mai stellte Tonio Borg, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, ein Maßnahmenpaket vor, das eine Verstärkung der Kontrollen zur Einhaltung der Sanitär- und Hygienenormen über die gesamte landwirtschaftliche Fertigungskette hinweg vorsieht.

Dem vorausgegangen war ein Fleischskandal, der Anfang dieses Jahres die Titelseiten der europäischen Zeitungen dominierte: In als Rindfleisch deklarierten Hamburgern der spanischen Marke AhorraMas und der irischen Firma Silvercrest Foods war Pferdefleisch entdeckt worden. Laut dem Aprilbericht der EU-Kommission handelt es sich bei etwa fünf Prozent des in der Europäischen Union verzehrten Rindfleischs um nicht qualitätsgerechtes Pferdefleisch. Im Ergebnis einer großangelegten Untersuchung wurde als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch ebenso in den Erzeugnissen französischer, deutscher, schwedischer und anderer Firmen aufgespürt. Insgesamt waren über 27 Länder in den „Fleischskandal" verstrickt, darunter auch Russland, wo Pferdefleisch nicht nur in Importerzeugnissen, sondern auch in Wurstprodukten einheimischer Erzeuger entdeckt wurde.

Russische Experten sind der Meinung, dass die Europäische Union mit ihrem Bericht, wenn auch sehr verklausuliert, die Unzulänglichkeit des eigenen Lebensmittel-Kontrollsystems zugegeben habe. „Die EU-Kommission hat die Unmöglichkeit der Nachverfolgbarkeit von den Rohstoffen bis hin zum Vertrieb der Fertigerzeugnisse eingestanden", sagt German Swerjew, Vorsitzender der Kommission für Fischwirtschaft und Aquakulturen beim Russischen Industriellen- und Unternehmerverband.

Bereits zuvor hatten Vertreter der russischen Veterinärbehörde mehrfach erklärt, dass das Misstrauen gegenüber den europäischen Erzeugnissen durch eben dieses Problem hervorgerufen wurde. „Die Unzuverlässigkeit der Verpackungsangaben ist nur die Spitze des Eisbergs. Die größte Lücke in der europäischen Gesetzgebung ist die Möglichkeit der Hersteller, Rohstoffe aus unbekannten Quellen zu verwenden", sagt Alexej Alexejenko, Pressesprecher der russischen Aufsichtsbehörde für Landwirtschaft Rosselchosnadsor.

Alexejenko zufolge beobachte die russische Aufsichtsbehörde aufmerksam jeden Schritt, der in diesem Zusammenhang von den entsprechenden Behörden der Europäischen Union unternommen wird. „Auch wir müssen ein praxistaugliches System schaffen, das es gestattet, die gesamte Fertigungskette, angefangen vom Feld bis hin zum Tisch des Verbrauchers, nachzuverfolgen. Ähnliche Probleme gibt es nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Wir müssen höchst pragmatisch vorgehen und das Beste aus jedem System übernehmen", sagt er.

Schon früher hatte Nikolaj Wlassow, stellvertretender Vorsitzender von Rosselchosnadsor, über die Einführung eines elektronischen Veterinärzertifikats für Lieferanten und Hersteller gesprochen. Ein solches Zertifikat soll es ermöglichen, nicht nur die Fertigungskette, sondern auch den Ursprung der Zutaten nachzuverfolgen. Außerdem war die Rede von

einer Zusammenlegung der föderalen und regionalen Veterinärdienste, die bislang den Gouverneuren unterstehen.

Der Vorsitzende des Fischereiverbandes Sergej Gudkow meint: „Momentan lässt sich nur schwer sagen, wie die Europäer das machen werden. Für uns reicht es aus, die tierärztlichen Begleitdokumente in elektronischer Form zu übermitteln, sodass jeder Kontrolleur und Verbraucher nachvollziehen kann, wo das Fleisch in seiner Lasagne produziert und an welchem Ort und mit welchem Schiff sein Fisch gefangen wurde. In der Europäischen Union muss solch ein Schema erst noch ausgearbeitet werden. Möglicherweise werden sie auch ein elektronisches System einführen, denn wie sie selbst gesehen haben, funktioniert ihr System auch trotz der hohen Strafen, die bei Verstößen verhängt werden, nicht."

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Kommersant.

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