Deutsch-russische Wirtschaftskooperation: Unternehmer sind optimistisch

Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Eckhard Cordes: Visapflicht zwischen der EU und den Ländern Osteuropas verursacht Jahr für Jahr über eine Milliarde Euro an Bürokratiekosten. Foto:  Reuters/Vostock Photo

Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Eckhard Cordes: Visapflicht zwischen der EU und den Ländern Osteuropas verursacht Jahr für Jahr über eine Milliarde Euro an Bürokratiekosten. Foto: Reuters/Vostock Photo

Unter deutschen und russischen Unternehmern herrscht eine positive Stimmung. Das zeigte der Unternehmerkongress Deutschland-Russland, der am 14. Mai in Berlin stattfand. Unternehmer beider Länder wünschen sich ein modernes, europafähiges Russland.

400 Teilnehmer, zehn Modernisierungsforen, zahlreiche hochrangige Vertreter der deutschen Bundesländer und russischer Großkonzerne: Auf dem Unternehmerkongress Deutschland-Russland 2013, der von Wegweiser Media & Conferences in Zusammenarbeit mit dem Verband der Russischen Wirtschaft in Deutschland, dem Handels- und Wirtschaftsbüro der Botschaft der Russischen Föderation sowie dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft am 14. Mai in Berlin veranstaltet wurde, versammelte sich eine prominente Runde. Von Anfang an dominierte eine vielversprechende positive Stimmung im Saal des Hotels de Rome am Bebelplatz.

In seiner Eröffnungsrede lobte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Eckhard Cordes die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Deutschland und Russland als ein Fundament der europäischen Stabilität. "Unsere beiden Volkswirtschaften gelten als Wachstumslokomotiven in Europa", so Cordes. Das Exportvolumen nach Russland sei im letzten Jahr um mehr als zehn Prozent gegenüber 2011 gewachsen. Deutschland habe eine „äußerst lebendige russische Wirtschaftsgemeinschaft", fügte Cordes hinzu.

Als ein Zeichen für die enge Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation verliehen der Verband der Russischen Wirtschaft in Deutschland und das Handels- und Wirtschaftsbüro der Botschaft der Russischen Föderation die Auszeichnung „Majak" (Leuchtturm) für besonderes Engagement in der Entwicklung der deutsch-russischen Kooperation. So erhielten unter anderem das Bundesland Nordrhein-Westfalen und die föderale Region Kaluga die Preise als für Investitionen besonders attraktive Gebiete. Die Commerzbank und die russische Masterbank, die Städte Wismar und Kaschira sowie die russische Wirtschaftszeitschrift „Expert" wurden ebenfalls für ihre Verdienste um die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen ausgezeichnet.

Im Saal war eine positive Stimmung deutlich spürbar. Ein Handlungsbedarf in Russland bestehe, so Cordes, überwiegend im Bereich der Unterstützung des Mittelstandes in Russland. So schaffen die deutschen Mittelständler bis zu 70 Prozent der Arbeitsplätze im Land, die russischen nur höchstens 25 Prozent. „Die Führung eines privaten Unternehmens ist in Russland immer noch mit Schwierigkeiten verbunden und nicht attraktiv", fügte Cordes hinzu. Nur die wenigsten Russen wollten ein Unternehmen gründen, so der Vorsitzende des Ost-Ausschusses.

Leichte Kritik an Russland wurde zumeist von russischen Teilnehmern ausgesprochen, sogar von Vertretern russischer Großkonzerne. So hat der stellvertretende Vorsitzende des russischen Regierungsausschusses zum Wettbewerb und zur Entwicklung des Mittelstandes Sergej Borisow die Abhängigkeit Russlands von Energieexporten kritisiert. „Zu lang waren wir der Meinung, von Öl und Gas könne man problemlos leben. Zu lang wollten wir uns nur auf die Bodenschätze Russlands verlassen. Diese Denkweise müssen wir ändern oder wir kommen in Schwierigkeiten", so Borisow. Um erfolgreich zu sein, müssten seiner Ansicht nach die russischen Unternehmen die richtigen Partnernetzwerke nach Vorbild der deutschen Regionalcluster schaffen und die Rolle des Mittelstandes in der Wirtschaft

deutlich erhöhen. „Wir hoffen, die russischen Mittelständler werden bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze und bis zu 40 Prozent des BIPs schaffen", so Borisow weiter.

Das Dauerthema der Forderung einer Visaabschaffung wurde auch auf dem Kongress angesprochen. Visapflicht zwischen der EU und den Ländern Osteuropas verursache „Jahr für Jahr über eine Milliarde Euro an Bürokratiekosten", so Cordes. Er lobte die Gründung der Visazentren, die den Bürgern einen persönlichen Besuch beim Konsulat ersparten. Man müsse sich aber für die komplette Abschaffung der Visapflicht einsetzen, so die Forderung Cordes'. Die Teilnehmer des Kongresses glauben, dass die Olympischen Winterspiele 2014 sowie die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 entscheidende Faktoren für die Abschaffung der Visapflicht sein können. Auf diesem Weg könne man nicht nur die russische Infrastruktur modernisieren, sondern auch Russland ganz konkret in den europäischen visafreien Raum integrieren.

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