Red Wings bald Billiganbieter?

Experten gehen davon aus, dass sich Red Wings nach seiner Rückkehr auf dem Markt im Billigflugsektor einrichten wird. Foto: RIA Novosti

Experten gehen davon aus, dass sich Red Wings nach seiner Rückkehr auf dem Markt im Billigflugsektor einrichten wird. Foto: RIA Novosti

Die Fluggesellschaft Red Wings startet erneut den Flugbetrieb, nachdem ihr nach dem Flugzeugunglück am Moskauer Flughafen Wnukowo im Dezember 2012 die Lizenz entzogen worden war. Nun will sich die Fluggesellschaft auf Billigflüge spezialisieren.

Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija hatte nach einer außerplanmäßigen Überprüfung, die nach dem Flugzeugunglück am Flughafen Wnukowo durchgeführt worden war, der Fluggesellschaft Red Wings die Betriebsgenehmigung entzogen. Am 29. Dezember 2012 war ein

Flugzeug der Marke Tu-204 der Fluggesellschaft Red Wings bei der Landung über die Landebahn hinausgeschossen – fünf Besatzungsmitglieder waren dabei ums Leben gekommen. An Bord befanden sich keine Passagiere.

Die Betriebsgenehmigung von Red Wings war für drei Monate ausgesetzt worden, und diese Frist ist nun am 5. Mai ausgelaufen. Es wird erwartet, dass Red Wings ab dem 1. Juni den Flugbetrieb wieder aufnimmt. Das Unternehmen teilte mit, die beanstandeten Mängel seien beseitigt und die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden. Allerdings wurde das Datum von dem Sprecher der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija bislang nicht bestätigt. „Die Leitung von Red Wings arbeitet zurzeit an der Beseitigung der Mängel, die bei der Überprüfung der Fluggesellschaft aufgedeckt worden sind. Sobald alle Mängel beseitigt sind, wird die föderale Luftfahrtbehörde darüber entscheiden, ob die Fluggesellschaft ihre Tätigkeit wieder aufnehmen kann", teilte der Sprecher mit.

Experten zufolge ist die Regierung daran interessiert, die Lizenz möglichst schnell wieder zu erteilen. Der Abgang von Red Wings hatte nämlich dazu geführt, dass Flugtickets für einige touristische Strecken knapp wurden und indirekt auch allgemein Flugtickets teurer wurden. Der Leiter des Komitees für Transportwesen der Assoziation russischer Reiseveranstalter Dmitrij Gorin räumt ein, dass der Preis für Charterflüge seit Anfang des Jahres um sieben Prozent gestiegen sei. Allerdings, so führte er weiter aus, stehe der Preisanstieg bei Flugtickets nicht nur im Zusammenhang mit dem Mangel an Flugzeugen auf dem Markt, sondern auch mit der allgemeinen Inflation.

Red Wings hatte zuvor ganzjährig Charterflüge zu gefragten Reisezielen ins Ausland wie Antalya, Hurghada, Istanbul, Sharm El Sheikh, Barcelona, Burgas, Rimini und Agadir sowie regelmäßige Inlandsflüge angeboten. Im Jahr 2012 beförderte Red Wings insgesamt 817 000 Passagiere und belegte damit in puncto Beförderungskapazität den 17. Platz unter den russischen Fluggesellschaften.

Experten gehen davon aus, dass sich Red Wings nach seiner Rückkehr auf dem Markt im Billigflugsektor einrichten wird. „Der Markt für Billigflüge ist in Russland unterentwickelt. Ende letzten Jahres wurden diesbezügliche Pläne der großen russischen Fluggesellschaften Aeroflot und Transaero

bekannt, und auch die ungarische Fluggesellschaft Wizz Air bot an, in diesem Sektor auf dem russischen Inlandsmarkt einzusteigen. Doch am ehesten wäre wohl Red Wings bereit, den Billigflugsektor abzudecken", äußerte ein Mitarbeiter im russischen Transportministerium. Der Experte teilte mit, Red Wings bekomme ab dem 13. Mai einen neuen Generaldirektor: Sergej Below, der früher eine Tochtergesellschaft von Aeroflot geleitet habe und nun Möglichkeiten zur Umsetzung eines Low-Cost-Modells prüfe.

Der Chefredakteur des Branchenmagazins Awiatransportnoje obosrenije (Lufttransport-Rundschau) Aleksej Sinizkij erinnert daran, dass es der Fluggesellschaft Red Wings im Sommer 2012 gelungen war, ihre Flugpreise an das Low-Cost-Modell anzunähern. Die Fluggesellschaft hatte damals ein wirtschaftliches Modell entwickelt, bei dem niedrige Tarife auf den regulären Inlandsstrecken angeboten wurden.

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