Russen retten den europäischen Luxusmarkt

Die Russen geben während des Urlaubs mehr Geld als andere europäische Touristen aus. Foto: AFP / East News

Die Russen geben während des Urlaubs mehr Geld als andere europäische Touristen aus. Foto: AFP / East News

Während europäische und US-amerikanische Bürger, durch die Weltwirtschafskrise verunsichert, ihre Konsumausgaben einschränken, bleiben die Ausgaben bei russischen und chinesischen Konsumenten konstant. Sie retten den europäischen Luxusgütermarkt.

Ungeachtet dessen, dass die Wirtschaftskrise überall auf der Welt wütet, wuchs der weltweite Luxusgütermarkt 2012 zweistellig um zehn Prozent auf 212 Milliarden Euro. Ein Drittel des Umsatzes wurde dabei in Europa erzielt. Dies belegt die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrer Studie Luxury Goods Worldwide Markets Monitor.

Laut Claudia D'Arpizio, einer Partnerin von Bain & Company, werden russische Touristen angesichts einer stagnierenden Nachfrage auf europäischen Märkten zu einer immer wichtigeren Zielgruppe für Luxusmarken. Denn nur dank ihnen war der europäische Luxusgütermarkt imstande, weiter zu wachsen.

Diese Meinung teilt auch Kira Balaschowa, Geschäftsführerin bei JamilCo, einem russischen Händler von Luxus- und Premiummarken wie Burberry, Salvatore Ferragamo und Escada: „Die russischen Touristen retten de facto den europäischen Markt. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Europäer in Zeiten der Krise ihre Ausgaben für Luxusgüter reduziert haben."

Der Generalsekretär des griechischen Tourismusministeriums Anastasios Liaskos stellt fest, dass die Russen während ihres Urlaubs mehr Geld ausgeben als andere europäische Touristen. Das sei eine Frage der Mentalität, meint er. Denn die Russen möchten, dass es ihnen gut geht und wollten deshalb auf nichts verzichten, so der Generalsekretär. Der russische Kulturminister Wladimir Medinskij, in dessen Ressort auch Tourismus fällt, teilte im März mit, dass ein russischer Tourist im Ausland durchschnittlich 1 650 Euro ausgebe. In diesem Betrag seien die Kosten für Flug und Unterbringung allerdings bereits enthalten.

Der Finanzdienstleister Global Blue gibt an, dass russische Bürger gleich nach den Chinesen an zweiter Stelle stünden, was die Ausgaben für Konsumgüter von ausländischen Touristen in Europa betrifft. Den Angaben

des Unternehmens zufolge habe der Anteil an mehrwertsteuerfreien Einkäufen 2012 um 31 Prozent zugenommen und betrage rund 1,44 Milliarden Euro. Des Weiteren setzten russische Touristen die Hälfte ihrer Einkäufe in Europa von der Steuer ab, sodass der reale Wert eigentlich doppelt so hoch sei, also rund 2,9 Milliarden Euro. Die Welttourismusorganisation UNWTO schätzt die Gesamtausgaben russischer Auslandstouristen für das Jahr 2012 auf etwa 33,3 Milliarden Euro. Der UNWTO zufolge zählt Russland zu den fünf Staaten, deren Bürger das meiste Geld für Reisen ausgeben, wobei China mit 78,9 Milliarden Euro die Liste anführt.

Demnach erwerben russische Bürger Luxusgüter bevorzugt im Ausland. Dies wirke sich wiederum negativ auf die Verkaufszahlen im Inland aus, gab Kira Balaschowa von JamilCo zu bedenken.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wedomosti.