Sotschi 2014: Die teuersten Spiele aller Zeiten

Sotschi-2014: In den acht Jahren Vorbereitungszeit wurden mehr als 40 Milliarden Euro ausgegeben. Foto: Michail Mordasow / Focus Pictures

Sotschi-2014: In den acht Jahren Vorbereitungszeit wurden mehr als 40 Milliarden Euro ausgegeben. Foto: Michail Mordasow / Focus Pictures

Neue Verkehrsadern, neue schnelle Telekommunikationsnetze und ein runderneuerter Flughafen machen Sotschi 2014 mit einem Investiotionsvolumen von 40 Milliarden Euro zu den teuersten Olympischen Spielen aller Zeiten.

Es steht fest: Die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 sind die teuersten aller Zeiten. In den acht Jahren Vorbereitungszeit wurden mehr als 40 Milliarden Euro ausgegeben. Zum Vergleich: Die Kosten der Spiele in Peking 2008 beliefen sich auf 29 Milliarden Euro und die in London 2012 auf ungefähr 25 Milliarden Euro. Genau so, wie es in China der Fall war, fließt auch in Russland der Großteil der Mittel in die Modernisierung der städtischen Infrastruktur.

Lediglich 5,5 Milliarden Euro werden direkt für die Errichtung von Objekten für die Winterspiele, wie etwa Stadien und Trainingsanlagen, aufgewendet. Was in der Stadt für die restlichen 35 Milliarden errichtet wird, erklärt der Bürgermeister von Sotschi Anatolij Pachamow.

 

Das Verkehrsnetz

Den Großteil der Mittel gibt die russische Regierung für den Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur aus, insgesamt 16 Milliarden Euro. Dieses Geld werde, so der Bürgermeister von Sotschi, das Problem der Verkehrsstaus lösen. Sotschi erstreckt sich 160 Kilometer entlang der Schwarzmeerküste und besitzt lediglich eine Hauptstraße, den Kurortny Prospekt, was der Hauptgrund für die Verkehrsstaus ist. Bis 2014 sollen in Sotschi daher 260 Kilometer an neuen Straßen gebaut werden, wobei sich dadurch die Verkehrsstärke der Straßen um das 1,8- bis 2,5-fache und die Durchschnittsgeschwindigkeit um 25 Prozent erhöhen sollen.

Das Verkehrsproblem soll jedoch nicht nur durch den Ausbau von Straßen, sondern auch durch die Ausweitung der Eisenbahn- und Nahverkehrsinfrastruktur gelöst werden. So werde man in Sotschi die Eisenbahn zu einem städtischen Verkehrsmittel machen. Bürgermeister Pachomow hierzu: „Derzeit entstehen 30 neue Bahnhöfe. Das heißt, dass die Züge dadurch praktisch jede Ortschaft erreichen werden."

Das umfangreichste Projekt der Russischen Eisenbahnen ist ein Streckenabschnitt, welcher aus einer Straße und aus einer Einbahnlinie besteht und vom Bezirk Adler bis zum Skiort „Alpika Service" in der Ortschaft Krasnaja Poljana reicht. Laut Angaben eines Olympia-Verantwortlichen sollen dafür mehr als fünf Milliarden Euro aufgewendet werden, was dieses Bauvorhaben zum teuersten Einzelprojekt für Olympia 2014 macht. Der Bau dieser Strecke ermöglicht jedoch den Transport von 8 500 Personen pro Stunde. Während der Winterspiele werden die Züge sogar im 10‑Minuten-Takt geführt.

Betrachtet man die Summen, die von privaten Sponsoren in die Infrastruktur der Stadt investiert werden, so ist die Investmentgesellschaft Basic Element hierbei Spitzenreiter. Die Holding investierte mehr als sechs Milliarden Rubel, rund 150 Millionen Euro, in den Bau eines neuen Terminals am Flughafen von Sotschi. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im Juni 2012 betrug die Kapazität des Flughafens noch 1 600 Fluggäste am Tag. Nächstes Jahr zu Olympia, wenn dessen Ausbau fertig gestellt ist, wird sie auf 3 800 Fluggäste anwachsen. Zudem hat das Adam Smith Institute, ein britischer Think Tank, den Flughafen von Sotschi als besten Regionalflughafen Russlands prämiert.

 

Telekommunikation und Energie

Für den Ausbau der Infrastruktur im Bereich der Telekommunikation sind die Unternehmen Megafon und Rostelekom zuständig, die mit einem Investitionspaket von jeweils 100 Millionen Euro auch zu den offiziellen Sponsoren der Olympischen Winterspiele gehören.

Die Rostelekom widmet sich hierbei dem Ausbau der Festnetzleitungen und der Mobilfunkbetreiber Megafon vergrößert das Mobilfunknetz. So werden beispielsweise von Rostelekom mehr als 300 Kilometer modernste Glasfaserkabel verlegt und 33 olympische Einrichtungen versorgt, hieß es von Seiten des Rostelekom-Pressedienstes. Ein Vertreter von Rostelekom

ließ verlauten, dass damit konkret die Schaffung von Zugangspunkten zu Kabel- und kabellosem Internet, Internettelefonie und Standleitungen gemeint ist, um so die speziellen Systeme der Olympia-Spielstätten, wie etwa die Ergebnisauswertung, die Punktestände oder die Zeitnahmen, effektiv versorgen zu können. Was den Mobilfunk anbelangt, so wird es auf dem Gelände der Olympia-Objekte nur einen Anbieter geben – nämlich Megafon.

 

Umwelt und öffentliche Versorgung

Die Prüfkommissare der IOK übten am meisten Kritik an der Tatsache, dass Abwässer in das Schwarze Meer abgelassen werden. Deswegen hat man für die Olympischen Winterspiele neue Kläranlagen mit einer Abwasserkapazität von 140 000 Kubikmeter gebaut. Indem die Abwasserrohre über zwei Kilometer ins Meer hinausreichen, soll eine hohe Klärqualität sichergestellt werden, hieß es von Seiten der Stadtverwaltung.

 

Sotschi nach den Spielen

Was wird aus der Infrastruktur nach den Olympischen Winterspielen? Im

Februar wurde ein Programm bewilligt, das ihre Nutzung nach den Winterspielen regelt: Fast die gesamte Infrastruktur, inklusive der kommunalen und technischen Einrichtungen sowie Straßen, gehen in das Eigentum der Stadt über.

Sotschi soll schließlich nicht nur als erstklassiger Kurort, sondern auch als Zentrum fungieren, in dem große Veranstaltungen wie Konferenzen, Ausstellungen, Sportwettbewerbe und ähnliches abgehalten werden, meinte Bürgermeister Pachomow. Des Weiteren ist sich der Bürgermeister sicher, dass die für die Winterspiele geschaffene Infrastruktur die Stadt und ihr Lebensgefühl um ein Vielfaches verbessern wird.

 

Der Artikel wurde mithilfe von Materialien aus der Tageszeitung Wedomosti erstellt.