Yandex ab Herbst für russische iOS-7-Nutzer erhältlich

Yandex verspricht sich durch die Kooperation mit Apple höhere Marktanteile bei den Smartphones. Foto: PhotoXPress

Yandex verspricht sich durch die Kooperation mit Apple höhere Marktanteile bei den Smartphones. Foto: PhotoXPress

Die in Russland dominierende Suchmaschine Yandex soll standardmäßig in das Suchmaschinenverzeichnis von iOS-Geräten integriert werden. Bei Android-Smartphones bleibt es dagegen bei der Google-Suche.

Am Dienstag, dem 11. Juni, hat Apple auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2013 in San Francisco das neue mobile Betriebssystem iOS 7 vorgestellt. Derzeit ist dieses zwar nur für Entwickler zugänglich, doch schon im Herbst dieses Jahres können sich auch normale Apple‑User an der neuen Version von iOS erfreuen. An der Bewertung des neuen Betriebssystems, welches Tim Cook, CEO von Apple, als „die größte Veränderung in der Geschichte des iPhones“ bezeichnete, nahmen diesmal auch Entwickler aus Russland, der Ukraine und der Türkei teil. Die Entwickler haben festgestellt, dass es neben den standardmäßig angebotenen Suchmaschinen, Google, Bing und Yahoo, zusätzlich auch die russische Suchmaschine Yandex zur Auswahl steht.

Yandex bestätigte diese Information zwar, war jedoch nicht dazu bereit, diese näher zu kommentieren. Auch hinsichtlich der finanziellen Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Yandex und Apple, hüllte man sich in Schweigen. Aus Quellen der russischen Zeitung Kommersant war jedoch folgendes zu erfahren: Für die Aufnahme von Yandex in das Suchmaschinenverzeichnis von Safari könnte das russische Unternehmen an Apple „einen Millionendollarbetrag im ein- oder zweistelligen Bereich bezahlt haben.“ Der Betrag könne von mehreren Faktoren abhängen. Es könne sich um eine fixe Summe handeln oder um eine Gebühr, die anhand der Suchanfragen entsteht oder sich an die Dauer der Vereinbarung koppelt, so die Zeitung. Zum Vergleich, im Februar 2013 wurde bekannt, dass Google 2014 an Apple 750 Mio. Euro dafür bezahlen wird, dass ihre Suchmaschine weiterhin als Standardsuchmaschine im iOS-Betriebssystem bestehen bleibt. Im Jahr 2009 bezahlte Google für dasselbe Vorrecht nur 60 Millionen Euro.

Im September 2012 hat Apple in seine API (eine Schnittstelle für die Programmierung von Apps) bereits die Kartendienste von Yandex integriert. Jede Suchanfrage in Russland, die über die Map von Apple eingegeben wurde, erfolgt nun über den Kartendienst von Yandex, wobei Apple sich damals dazu entschieden hatte, die mobile Version von „Yandex.karty“ für das Betriebssystem iOS 6 zu verwenden. 2011 war Yandex bereits mit dem südkoreanischen Unternehmen Samsung, einem anderen Haupthersteller von Smartphones, eine strategische Partnerschaft für Russland und die GUS eingegangen. Yandex wurde in die Plattform Bada, welche für Samsung‑Smartphones verwendet wird, integriert.

Weltweit haben es noch eine Handvoll weiterer Suchmaschinen, wie beispielsweise Baidu in China, geschafft, in das Suchmaschinenverzeichnis von iOS aufgenommen zu werden. Dmitri Martynow, Programm‑Manager beim Software-Unternehmen Parallels, ist der Meinung, dass es offensichtlich gewesen sei, dass Apple nach der Integrierung der Kartendienste von Yandex dieselbe Suchmaschine für User aus Russland zur Auswahl bereitstelle – es sei nur eine Frage von Zeit gewesen.

Dennoch werde die Implementierung von Yandex in das Betriebssystem iOS 7 kaum Auswirkungen auf den Marktanteil und das finanzielle Potenzial von Yandex haben, so Konstantin Below, Analytiker bei der Bank Uralsib. Yandex sei nach wie vor nicht die Hauptsuchmaschine und auch die Präsenz von Apple-Geräten sei in Russland nicht unbedingt hoch, vor allem wenn man diese mit der von auf Android‑Betriebssystemen basierten Geräten vergleiche. Yandex müsse sich jedoch darauf einstellen, dass immer mehr User auf mobile Endgeräte umsteigen werden, weshalb es für das Unternehmen wichtig sei, auf allen mobilen Plattformen vertreten zu sein.

German Klimenko, Gründer der Online-Plattform LiveInternet, ist zudem der Ansicht, dass sich die Nachricht über die Zusammenarbeit von Yandex und Apple stärker auf das Image des russischen Unternehmens auswirken werde als auf dessen Zahlen. Denn im russischen Internet werde viel weniger über iPhones und iPads gesucht, als über Computer. Er würde es daher für effektiver halten, wenn Yandex beispielsweise als Standardsuchmaschine bei russischen Usern von Firefox eingestellt wäre. Laut Daten von LiveInternet nahm Firefox im Mai 2013 am russischen Markt nach Google Chrome und Opera mit einem Anteil von 18 Prozent den dritten Platz unter allen Browsern ein.

Des Weiteren belegen die Daten von LiveInternet, dass Yandex die größte Suchmaschine Russlands ist. Im Mai 2013 wurden 61,5 Prozent aller Suchanfragen im russischen Internet über Yandex, 26,2 Prozent über Google und 8,7 Prozent über Mail.ru getätigt. Yandex müsse jedoch einiges investieren, um diese Pole‑Position nicht zu verlieren, denn immer mehr mobile Endgeräte haben das Betriebssystem Android, bei dem Google als Standardsuchmaschine implementiert ist. Den Angaben von LiveInternet zufolge sind im Mai 2013 15,4 Prozent der User über ein Android-Betriebssystem in das russische Internet. Dieser Wert ist innerhalb eines Jahres um das 3,5‑fache gestiegen. Der Anteil jener User, die über das iOS‑Betriebssystem ins Internet gehen, beträgt dahingegen nur 8,5 Prozent, obwohl auch dieser Wert sich innerhalb eines Jahres verdoppelt hat. Insgesamt haben im Mai 2013 16 Prozent aller russischer User Safari als Browser verwendet.

 

Dieser Beitrag basiert auf Artikel von Kommersant und Wedomosti.

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