Ausländische Internet-Shops erobern Russland

 Seit April dieses Jahres steht die Website  des Internet-Auktionshauses eBay.com auch in russischer Sprache zur Verfügung.  Foto: Kommersant

Seit April dieses Jahres steht die Website des Internet-Auktionshauses eBay.com auch in russischer Sprache zur Verfügung. Foto: Kommersant

Russland erlebt einen wahrhaften Boom des Internet-Handels. Glaubt man Expertenprognosen wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter fortsetzen, wovon insbesondere ausländische Internet-Shops profitieren. Ein neues, vereinfachtes Bezahlsystem soll diesen Trend unterstützen.

Westliche Internet-Shops steigen immer aktiver in den russischen Markt ein. So steht zum Beispiel seit April dieses Jahres der Internetauftritt des weltweit führenden Internet-Auktionshauses eBay.com in russischer Sprache zur Verfügung. Außerdem hat eBay eine Werbekampagne im russischen Fernsehen gestartet. Einem Unternehmensvertreter des Konzerns zufolge liefert dies einen ersten Hinweis auf für eBay's durchdachte Strategie zur Eroberung des russischen Marktes.

Die rasant wachsende Popularität ausländischer Online-Shops mit ihren attraktiven Preisen und dem umfangreichen Sortiment wird auch durch die Angaben der Agentur Data Insight bestätigt. Nach deren Einschätzung haben die Russen im vergangenen Jahr fünf bis acht Millionen Einkäufe bei ausländischen Anbietern getätigt. Das Gesamtvolumen dieser Einkäufe lag bei umgerechnet etwas mehr als einer Milliarde Euro – dies entspricht 16 Prozent des Verkaufsvolumens an Konsumgütern. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das Verkaufsvolumen um ca. 50 Prozent.

Im vergangenen Mai kam Russland den ausländischen Online-Händlern einen Schritt entgegen. Das populärste russische Bezahlsystem Yandex.Dengi einigte sich mit dem britischen Moneybooker Skrill. Wie die Pressesprecherin des Unternehmens Yandex.Dengi, Asja Melkumowa, berichtete, vereinfacht Skrill den Prozess der Verknüpfung ausländischer Shops mit Yandex.Dengi und damit folgerichtig die Arbeit mit den russischen Kunden. „Zusätzlich können die ausländischen Shops ihre Waren oder Dienstleistungen in Russland mithilfe von Yandex vertreiben. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die russischen Shops zukünftig keinen separaten Vertrag mit einem Bezahlsystem abschließen müssen. Auch werden keine zusätzlichen Ressourcen für die Bearbeitung der Zahlungsregister aufgewendet, womit ein zusätzlicher Integrationsschritt erfällt", bemerkte Melkumowa. Am Ende profitieren alle davon – sowohl die ausländischen Online-Händler als auch die russischen Käufer, die ihre Einkäufe nun bequemer tätigen können.

Die oben aufgeführten Schritte sind nicht nur deutliche Beispiele für die Expansion ausländischer Online-Shops und Bezahlsysteme, sondern auch für lebendige Entwicklung des elektronischen Handels in Russland. Laut der

Angaben der Agentur J'son & Partners Consulting wies der russische Elektrohandel im Zeitraum 2008 - 2012 ein durchschnittliches Wachstum von 29 Prozent auf und überholte damit die westlichen Industrienationen. Und der russische Boom setzt sich weiterhin fort: Laut den Prognosen von J'son & Partners Consulting ist für den Zeitraum von 2013 - 2017 mit einem durchschnittlichen Wachstum des Elektrohandels von 10 - 15 Prozent zu rechnen. Dadurch wird es ein Gesamtvolumen von 85 Milliarden Euro erreichen.

Russland hat in diesem Bereich schließlich noch einiges nachzuholen: Das Verhältnis des elektronischen Handels zum Gesamthandelsumsatz beträgt gerade einmal 2 Prozent. Die Marktführer Großbritannien und USA weisen ein Verhältnis von über 10 Prozent auf. „Das aggressive Wachstum des elektronischen Handels in Russland hat seine Ursachen in der ständig zunehmenden Gewährleistung schneller Internetverbindungen und den attraktiven Preisen der Internet-Shops", weiß der Partner und Geschäftsführer der Boston Consulting Group in Russland, Bart Banke zu berichten.

Wie die Experten von J'son & Partners Consulting prognostizieren, werden die Verkaufsumsätze der Internet-Shops, die zu den Wachstumsmaschinen des elektronischen Handels in Russland gehören, zukünftig von den gegenwärtigen 9,3 Milliarden Euro auf 21,7 Milliarden Euro ansteigen. Die Zahl der Internet-Shop- Besucher soll bis 2017 die 26-Millionen-Marke überschreiten. Die Nachfrage wird sich dabei insbesondere auf die Bereiche Elektronik, Kleidung und Schuhe konzentrieren. Auch das Interesse der Russen am Einkauf in ausländischen Internet-Shops wird weiter zunehmen.

Eine wichtigste Besonderheit Russlands ist die sporadische Nutzung elektronischer Zahlungssysteme zur Bezahlung der Wareneinkäufe in den Internet-Shops. Die Ursachen dafür liegen in den häufig auftretenden

Problemen bei der Bezahlung mithilfe von Bankkarten. Mittlerweile beträgt der Anteil elektronischer Zahlungssysteme 60 Prozent. Bis 2017 soll der Anteil zwar auf 49 Prozent sinken, sich aber damit immer noch auf einem sehr hohen Niveau bewegen.

Ist Russland überhaupt in der Lage, die im elektronischen Handel führenden Länder einzuholen? Laut Bart Banke ist dies nur durch ein koordiniertes Vorgehen aller relevanten Spieler zu erreichen: der Privatkonsumenten, der Unternehmen und des Staates. „Für ein aktives Wachstum des russischen Elektrohandels muss ein schneller Internetzugang in allen Regionen gewährleistet sein. Die Infrastruktur des E-Commerce bedarf einer verstärkten Entwicklung. Die Investitionen in Informationstechnologien müssen angehoben werden, sowohl seitens der Regierung als auch der Privatunternehmer. Auch muss die Gesetzgebung zur Verbesserung der Nutzung des Internets durch natürliche und juristische Personen an die aktuellen Entwicklungen angepasst werden", findet Banke.

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