Russland klettert im Weltbankranking

Foto: RIA Novosti

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Laut jüngstem Ranking der Weltbank steigt die Russische Föderation mit einem Bruttoinlandsprodukt von 12 700 US-Dollar pro Einwohner von der Ländergruppe "mit überdurchschnittlichem Einkommen" in die Spitzenliga "mit hohem Einkommen" auf.

Die Weltbank hat im Ergebnis ihres jährlichen Monitorings Russland aus der Kategorie der Länder mit einem „überdurchschnittlichen“ Niveau des Bruttonationaleinkommens (BIP) pro Einwohner nun in die Gruppe „mit hohem Einkommensniveau“ eingestuft. Hinsichtlich dieses Parameters hat das Land das Niveau der Mehrzahl der entwickelten Staaten erreicht.

Der Gruppe mit überdurchschnittlichen Einkommen, zu der die Weltbank Länder mit einem BIP von 4 086 bis zu 12 615 US-Dollar pro Einwohner zählt, gehörte Russland die letzten zehn Jahre an. Die Gruppe mit hohem Einkommen besteht laut Weltbank aus insgesamt 75 Ländern und abhängigen Territorien, einschließlich der Cayman-Inseln und der Länder des Persischen Golfs. In dieser Spitzengruppe liegt die Russische Föderation mit 12 700 US-Dollar vorerst auf Position 73. Angeführt wird das Ranking von den USA mit 50 120 US-Dollar pro Einwohner. Erstmals hat die Weltbank in diesem Jahr auch Chile (14 280 US-Dollar) sowie Lettland, Litauen und Uruguay den Status eines Land "mit hohen Einkommen“ zugesprochen.

Der mit dem Einkommen von 12 700 US-Dollar pro Einwohner neu erreichte Status wird den Prozess des Beitritts Russlands zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beflügeln. Das ist der logische nächste Schritt auf dem Weg zum Status einer vollentwickelten Volkswirtschaft, der für das Jahr 2015 vorgesehen ist. OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría hat jedoch mehrfach unterstrichen, dass die Mitgliedschaft in der Organisation „weniger eine Frage von Verhandlungen" sei, wie im Fall des Beitritts zur Welthandelsorganisation WTO, sondern "von der Erfüllung bestimmter Kriterien" durch das Land abhängig sei. Darüber hätten die bisherigen OECD-Mitglieder nach einer Bewertung der Qualität der wirtschaftlichen Institutionen und des Investitionsklimas in Russland auf Basis der Prüfungsergebnisse durch beauftragte internationale Organisationen und Einrichtungen zu entscheiden.

Das Einnahmeniveau ist also nur eines dieser Kriterien. Zu den wichtigsten Forderungen der OECD an die Russische Föderation gehören vor allem die Steigerung der Arbeitsproduktivität durch eine Verringerung des Einflusses des staatlichen Sektors, die Liberalisierung der Geschäftswelt und die weitere Förderung von Innovationen. Die größten Reibungspunkte mit der OECD hat Russland noch bei der Durchsetzung einer Rentenreform, die mit einer Anhebung des Rentenalters einhergehen soll, bei der Finanz- und Steuergesetzgebung, im Sozialsektor und bei der Umweltkontrolle.

Das Niveau eines "entwickelten Landes" erreicht Russland auch noch nicht hinsichtlich des Gini-Koeffizients der Einkommensverteilung. Er ist ein Maßstab für die Gerechtigkeit bzw. Ungleichverteilung bei der Einkommensentwicklung. In Russland entfallen auf die oberen zehn Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen knapp 30 Prozent des Vermögens, während diese Gruppe in den meisten entwickelten Ländern nur 20 bis 25 Prozent aller Einkommen auf sich vereinen.

In der Geschäftsklima-Rangliste "Doing Business", die ebenfalls durch die Weltbank erstellt wird, findet sich die Russische Föderation auch erst auf den hintern Plätzen, nämlich auf dem 112. von insgesamt 183 Plätzen. Im Vergleich dazu belegen Chile und Lettland, die auch in diesem Jahr in die Hitliste der einkommensstarken Länder aufgenommenen wurden, bereits den 37. beziehungsweise den 25. Platz. Diese Zahlen zeigen noch Verbesserungspotenzial.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Kommersant.

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