Kali-Markt: Uralkali düngt Fusionsspekulationen

Nachdem Uralkali künftig den Preis für Kali drücken möchte, sehen Experten hierin ein Instrument, um künftige Fusionen einzuleiten. Foto: PhotoXPress

Nachdem Uralkali künftig den Preis für Kali drücken möchte, sehen Experten hierin ein Instrument, um künftige Fusionen einzuleiten. Foto: PhotoXPress

Der Kali-Markt, der ohnehin bereits ein Oligopol darstellt, wird vermutlich durch Fusionen noch konzentrierter, glaubt der Generaldirektor von Uralkali, Wladislaw Baumgertner. In keinem anderen Industriezweig ist etwas Ähnliches zu beobachten.

Nachdem die Regeln auf dem Kali-Markt sich geändert haben, stehe nun eine Konsolidierung bevor, erklärte der Generaldirektor von Uralkali, Wladislaw Baumgertner, gegenüber der Zeitung Wedemosti. „Die Konsolidierung ist ein logischer Schritt, wenn man betrachtet, dass der Preis sich auf das Niveau der Kleinproduzenten gesenkt hat", sagte er. Doch für eine Prognose sei es noch zu früh: Es sei noch unklar, wie die Unternehmensbewertung nach den jüngsten Ereignissen ausfallen werde.

Vergangenen Dienstag hatten die größten Kali-Unternehmen der Welt – Uralkali, die kanadische Potash, die US-amerikanische Mosaic, die deutsche K+S und andere – insgesamt mehr als 15 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung verloren. Nach der Ankündigung von Uralkali, dass die Firma Kali nicht länger über ihr Joint Venture mit Belaruskali, der Belorusskaja Kalijnaja Kompanija (BKK), verkaufen werde, gaben die Aktienkurse deutlich nach. Baumgertner teilte weiter mit, dass das Unternehmen nicht länger den Preis über den Umsatz stellen werde und nun mehr maximale Verkaufsvolumina anstreben werde. Anstelle des Joint Ventures solle nun die eigene Produktion ausgeweitet werden.

 

Der Kali-Markt ist klein

Aufgrund der Tatsache, dass es weltweit nur wenige Kali-Unternehmen gibt und die Nachfrage ständig steigt, wurden die Bedingungen in diesem Industriezweig bisher von den Produzenten diktiert. 2012 wurden 42 Prozent des Marktes von den GUS-Produzenten Uralkali und Belaruskali über die Firmen BKK und Uralkali Trading kontrolliert und 25 Prozent über den Exporteur Canpotex, der die Erzeugnisse von Potash Corp., Mosaic und Agrium vertreibt.

Baumgertner schloss nicht aus, dass sein Unternehmen in Zukunft das Hauptaugenmerk wieder mehr auf den Preis legen könnte. Uralkali sei bereit, seine Produkte wieder mit Belaruskali zu realisieren. „Aber nur, wenn das Handelsunternehmen in einem anderen Hoheitsgebiet registriert wird", betonte er. Das ganze vergangene Jahr wurden ergebnislose Verhandlungen über die Gründung des Traders Sojuskali in der Schweiz, der die BKK ersetzen sollte, geführt.

Nach dem Zerfall des größten Handelsverbundes auf dem Markt

sei eine baldige Vereinigung nicht zu erwarten, glaubt Sergej Filtschenkow von IFK Metropol, aber bei den Eigentümern von Uralkali könne das Interesse am Kauf von Belaruskali wieder erwachen.

Zurzeit sei es aber noch zu früh, das Fusionsszenario zu schreiben, schränkte der Manager der Investmentbank gegenüber Wedemosti ein: Der Markt müsse erst endgültig zusammenbrechen und man müsse sehen, wer übrigbleibt und wie die Preise sich entwickeln. Anschließend müsse man versuchen, nach neuen Regeln zu spielen. In der ganzen Welt gibt es keinen Industriezweig, der dermaßen konzentriert ist wie die Kali-Branche: Sowohl die Zahl der Verkäufer als auch die der Käufer ist äußerst gering.

 

Mineraldünger in einer Reihe mit Palladium und Diamanten

Ähnlich wenige Verkäufer gibt es auch auf dem Palladium- und Diamanten-Märkten. Mehr als die Hälfte des Palladium-Marktes wurden 2010 von dem Unternehmen Nornickel kontrolliert, dem die US-amerikanische StillWater Mining gehörte. Dann verkaufte Nornickel die Firma, und auf dem Markt tauchte plötzlich ein unabhängiges Unternehmen mit einem Produktionsanteil von elf Prozent auf, aber die Preise änderten sich dadurch nur unwesentlich.

Das Gleichgewicht auf dem Palladium-Markt wurde stets von Rosreserw gewährleistet, weshalb man die Situation mit der auf dem Kali-Markt nur schwer vergleichen könne, ist der Investmentbanker überzeugt. Die Lage auf dem Diamantenmarkt sei ebenso vollkommen anders, erklärte er. Hier gebe es mit De Beers und Alrosa lediglich zwei Anbieter: Eine spürbare Preisbewegung war nach 2007, als Alrosa seine Produkte nicht länger über De Beers realisierte, nicht zu verzeichnen.

In der Diamanten-Branche spiele das indische Staatsprogramm zur Kreditvergabe für Diamantenschleifer im Jahr 2008 eine wichtige Rolle. Die Situation in der Kali-Branche sei also einmalig, und gegenwärtig eine Prognose abzugeben, sei sehr schwer, fasste Filtschenkow gegenüber der Zeitung Wedomosti zusammen.

 

Bald mehr Fusionen?

Der Industriezweig sei bereits sehr stark konsolidiert und ihn noch weiter zu konsolidieren, sei kaum möglich, bezweifelte ein Analyst von Atlantic Equities, Colin Isaac: „Gegenwärtig haben wir eine Phase niedriger Preise und geringer Gewinnspannen für Kali-Unternehmen (2012 betrug die Rentabilität 50 bis 70 Prozent nach EBITDA – Anm. d. Red.)".

Ein ehemaliger Top-Manager von Uralkali erzählte, sämtliche Verhandlungen über eine Konsolidierung, die der ehemalige Uralkali-Eigentümer Dmitrij Rybolowlew Mitte der Zweitausenderjahre geführt hatte, seien an dem Unwillen der kanadischen Regulierungsbehörde, den Deal über die großen Anteilspakete der Potash Corp. zu genehmigen, gescheitert. 2010 lehnte die kanadische Regulierungsbehörde die Übernahme von Potash für knapp 30 Milliarden Euro ab. Und im vergangenen Jahr untersagte die israelische Regulierungsbehörde dann Potash eine Fusion mit Israel Chemicals.

Der Preissturz auf dem Kali-Markt, der der Ankündigung von Uralkali folgt, könne zu einer Fusionswelle sowohl bei den Händlern als auch bei den Produzenten führen — einige Hersteller arbeiteten schon fast unter der Rentabilitätsschwelle, erläuterte ein Analyst der AltaCorp Capital, John Cho. Potash könne die Verhandlungen zum Erwerb diverser Aktiva wieder aufnehmen, zum Beispiel neuer Fabriken. Für sich genommen bringe das Ziel der gesteigerten Verkaufsvolumina nicht einmal für Uralkali einen größeren Vorteil, ungeachtet dessen, dass das Unternehmen die geringsten Herstellungskosten habe, erklärte Konstantin Juminow, ein Analyst der Raiffeisenbank.

 

Uralkali mit mehreren Möglichkeiten

Einen Produzenten mit hohen Erstellungskosten wie zum Beispiel K+S oder Israel Chemicals zu erwerben, sei nicht sinnvoll, denn das bringe keinen großen Vorteil, fuhr Juminow im Gespräch mit der Zeitung Wedomosti fort. Der Kauf eines der außer Potash noch bei Canpotex beteiligten Unternehmen – Mosaic oder Agrium – könne den Markt wesentlich stärker in Bewegung bringen. Potash selbst stelle wohl kaum das Objekt für eine Übernahme dar, denn das Unternehmen sei dafür viel zu groß, meinte der

Experte. Der Börsenwert von Potash betrug auch nach dem Absturz 18,72 Milliarden Euro gegenüber den 10,61 Milliarden Euro von Uralkali. Aber bei Mosaic und Agrium sehe die Situation schon ganz anders aus, so Juminow. Das erstgenannte Unternehmen sank am 26. Juli in seinem Wert um 23 Prozent auf 13,03 Milliarden Euro, das zweite um 5,8 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro.

2011 führte der Haupteigentümer von Uralkali, Sulejman Kerimow, bereits Verhandlungen über den Kauf von Belaruskali, konnte sich aber mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko nicht auf den Preis einigen: Der Geschäftsmann wollte nicht mehr als elf Milliarden Euro ausgeben, Lukaschenko aber forderte über 22 Milliarden Euro. Nach dem Absturz des Marktes könnte ein neuer Versuch unternommen werden, Belaruskali zu erwerben, glaubt ein Mitarbeiter eines Fonds, der unter anderem in Uralkali investiert.

Vertreter von Potash Corp. und K+S haben hierzu eine Stellungnahme abgelehnt.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wedomosti.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland